Brennender Midi

Rezensionen zu "Brennender Midi"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 08. Jul 2016 

    Langatmiger Krimi mit dann doch spannendem Ende

    Ein spektakulärer Flugzeugabstoß im kleinen Örtchen Lancon in der Provence zum Ende der Sommerferien bringt den ganzen Ort durcheinander. Den Absturz kann sich niemand erklären. Der Pilot sollte am nächsten Tag sein Abschlusszeugnis erhalten, er hatte die dreijährige Ausbildung bei der Armee so gut wie abgeschlossen. Die Armee möchte den Fall am liebsten intern klären. Jedoch Capitaine Roger Blanc glaubt nicht einen einfachen Absturz. Während der Recherchen findet Blanc einige Merkwürdigkeiten aus dem Leben des Piloten heraus. Wie konnte er sich ohne finanzielle Unterstützung eine eigene Wohnung leisten und dieses auch noch mit der teuersten Technik ausstatten? Und dann gibt es im Olivenwäldchen, wo auch das Flugzeug abgestürzt war, bereits den nächsten Toten.

    Capitaine Blanc und sein Team ermitteln in einem Sumpf aus Korruption. Und es ermittelt auch noch die Anti-Terror-Einheit. Keine Behörde arbeitet mit der anderen zusammen, im Gegenteil, jeder ermittelt für sich und versucht so den Fall zu lösen. Bis der Fall gelöst wird, ziehen sich die Ermittlungen mitunter recht zäh hin. Letztlich gelingt es Cay Rademacher dann jedoch zum Schluss mit einem echten Endspurt alle noch offenen Fäden zusammen zu führen und den Fall aufzuklären. Jedoch lest es selbst.

    Dieser Krimi dominiert mit seine anschaulichen Beschreibungen der Provence und der dort lebenden Menschen mit ihren Eigenheiten. Gerade diese Eigenheiten erschweren die Ermittlungen ungemein. Und das hat es mir als Leser auch mitunter sehr schwer gemacht in der Handlung zu bleiben. Irritierend kam dazu, wenn der Autor mit einer Regelmäßigkeit französische Floskeln und Redewendungen mit in den Text einfließen ließ. Ohne Übersetzung war es mir mitunter schwer hier den Zusammenhang zu erschließen.

    Der Krimi hat mich nicht überzeugt. Ich habe mich phasenweise schwer getan mit dem Lesen, das wirkliche spannende Ende hat mich dann doch ein wenig versöhnt.

    Ich vergebe für diesen Krimi drei Lesesterne.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 19. Mai 2016 

    Bilder der Provence

    Die Sommerferien neigen sich dem Ende entgegen und die Franzosen machen sich auf den Heimweg. Tage und Nächte voll gepackt mit Unfallberichten, Streitereien und was sonst noch damit einhergeht, dass man nach dem Urlaubs- wieder in den Alltagsmodus umschalten muss. Zunächst scheint der gemeldete Unfall am Olivenhain genau ins Muster zu passen, bis sich herausstellt, dass ein kleines Schulungsflugzeug abgestürzt ist. Der Militärpilotenschüler stand kurz vor dem erfolgreichen Abschluss seiner Prüfungen und machte einen völlig gesunden Eindruck und auch das Flugzeug war in bestem Zustand. Capitaine Roger Blanc, nun schon seit etlichen Wochen in der Provence eingesetzt, hat sofort ein mulmiges Gefühl.

    Auch bei der Bearbeitung seines dritten großen Falles eckt Capitaine Roger Blanc wieder mächtig an. Dabei ist es nicht mal seine Absicht, sich mit Kollegen und Vorgesetzten anzulegen. Er will einfach das Gewirr der Hinweise und Spuren durchdringen, die Machenschaften der Beteiligten durchschauen und nach Möglichkeit Schlimmeres verhindern und ein paar Leben retten. Den Opfern sollte Gerechtigkeit widerfahren und die Täter sollten ihrer Strafe zugeführt werden. Doch ist Roger Blanc eben Flic und kein Diplomat, deshalb ist seine Karriere nach den Anti-Korruptionsermittlungen in Paris auch an einem Endpunkt angelangt. Seine Frau hat auch etwas Besseres zu tun als mit ihm in der Provinz zu versauern, deshalb ist die Scheidung eingereicht. Blanc hat also nicht viel zu verlieren und braucht kaum Rücksichten zu nehmen.

    Mit großer Fertigkeit beschreibt Cay Rademacher das Geschehen in der französischen Provinz. Bestens ist herausgearbeitet, dass es nicht alles rückständig ist, dass die milde Verachtung der Hauptstädter mitnichten gerechtfertigt ist. Die malerische Landschaft kann den durchaus falschen Eindruck erwecken, dass sich hier Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Gerade diese Beschaulichkeit kann als Tarnung für jedes Verbrechen missbraucht werden. Und so kann man zu Beginn nicht ahnen, was einen erwartet. Ausgeklügelt und komplex ist dieser Fall, der das Beste aus Roger Blanc herausholt und gleichzeitig seine Verletzlichkeit zeigt. Mit feinsinnigem Humor und einigen deftigen Flüchen werden ernste Themen angegangen und nach der Lektüre bleibt eine leichte Gänsehaut. Sollte etwa auch das eigene Provinznest dem Verbrechen eine Heimat bieten?