Blutzeuge

Buchseite und Rezensionen zu 'Blutzeuge' von Tess Gerritsen
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

In Boston wird die Leiche einer jungen Frau gefunden – in der offenen Handfläche liegen ihre Augäpfel. Die Verstümmelung geschah post mortem, wie bei der Obduktion eindeutig festgestellt wird. Doch die genaue Todesursache bleibt unklar. Kurze Zeit später taucht die Leiche eines Mannes auf – Pfeile ragen aus seinem Brustkorb, die ebenfalls erst nach seinem Tod dort platziert wurden. Beide wurden Opfer desselben Täters, ansonsten scheint es keine Verbindung zwischen ihnen zu geben. Detective Jane Rizzoli von der Bostoner Polizei steht vor einem Rätsel, bis eine Spur sie zu einem Jahrzehnte zurückliegenden Fall von Misshandlungen in einem katholischen Kinderhort führt ...

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:416
Verlag: Limes Verlag
EAN:9783809026389

Rezensionen zu "Blutzeuge"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 09. Nov 2018 

    Geheimnisvolle Ritualmorde garantieren atemlose Spannung

    Worum es geht
    Eine junge Filmemacherin wird tot aufgefunden, ihre Augäpfel liegen in den offenen Handflächen. Die eigentliche Todesursache bleibt vorerst aber unklar. Erst ein weiterer Mordfall deutet auf einen Täter, der einem grausigen Ritual folgt, und führt Jane Rizzoli auf die Spur einer ehemaligen Kinderbetreuungsstätte.
    Ist das, was dort vor 20 Jahren geschah, der Auslöser für die aktuellen Verbrechen?

    Wie es mir gefallen hat
    Der Roman war von Anfang an so spannend, dass ich mich kaum eine Minute von meiner Lektüre losreißen konnte. Die Morde, die auf den Märtyrertod katholischer Heiliger hinweisen, ein Kinderhort in dem Schreckliches passiert sein soll, allein diese Konstellation hat meine Neugier geweckt.
    In der Ich-Form erzählt eine geheimnisvolle Person namens Holly aus ihrer Perspektive, und lässt den Hörer erstmals eigene Vermutungen anstellen. Tess Gerritsen hat sich mit der Charakterisierung ihrer Protagonisten viel Mühe gegeben. Besonders treffend stellt sie drei junge Filmproduzenten dar, die in ihrem Arbeitseifer auf grundlegende hygienische Maßnahmen vergessen, die Ermittler aber gerne mit den Grundregeln der Horrorfilmproduktion vertraut machen.
    Die Beschreibung trister Wohnverhältnisse und freudloser Stadtviertel unterstreicht die düstere Atmosphäre des Buches, die allein von den privaten Turbulenzen der beiden sympathischen Ermittlerinnen aufgelockert wird.
    Geschickt legt Tess Gerritsen falsche Fährten aus, steigert gekonnt die Spannung und verzichtet erfreulicherweise auf allzu ausführlich geschilderte Gewaltszenen. Dafür beschäftigt sie sich recht ausführlich mit der Verlässlichkeit von Zeugenaussagen, und den Streichen, die das Gehirn nicht nur Erwachsenen spielt. In der kindlichen Entwicklung erschwert das magische Denken zusätzlich die Trennung von Fantasie und Wirklichkeit.
    Das Ende des ansonst fesselnd erzählten Romans fand ich hingegen leider ziemlich enttäuschend. Fehlte mir schon für die Mordmotive das Verständnis, konnte ich das Entkommen eines Protagonisten aus einer völlig ausweglosen Situation logisch überhaupt nicht nachvollziehen.
    Derartige "Kunstgriffe" trüben meine Stimmung, den angenehmen Stimmen der beiden Sprecherinnen habe ich dennoch gerne zugehört. Tanja Geke (Synchronstimme von Jane Rizzoli) und Britta Steffenhagen tragen die jeweiligen Rollen sehr nuancenreich vor, wobei mir Hollys Part, in dem leichter, wenngleich unüberhörbarer Zynismus mitschwingt, besonders gut gefallen hat.
    Trotz des inhaltlich schwachen Schlussteils lohnt sich die Lektüre meiner Meinung nach auf jeden Fall.

    © Sylli

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 27. Okt 2017 

    Horrorfan

    Dr. Maura Isles wird zu einem Tatort gerufen. Eine junge Filmproduzentin wurde tot aufgefunden, ihr wurden die Augäpfel entfernt und in ihren Händen abgelegt. Welch eine schauderhafte Drapierung. Doch bei der Obduktion hat Maura Schwierigkeiten die genaue Todesursache herauszufinden. Gemeinsam mit Detective Jane Rizzoli versucht sie das Geheimnis um diesen rätselhaften Mord zu ergründen. Könnte es etwas mit der Tätigkeit der jungen Frau zu tun haben, die Horrorfilme produzierte? Schon bald wird ein weiteres Todesopfer gefunden, ein Zusammenhang deutet sich nur so vage an, dass er eigentlich zu vernachlässigen ist.

    Sei es aus den Büchern oder auch von der TV-Serie: Dr. Maura Isles und Detective Jane Rizzoli sind wohlbekannt. Und bei diesem bereits zwölften gemeinsamen Auftritt bekommen sie eine harte Nuss zu knacken. Eine junge Frau, die sich nichts zu schulden kommen ließ. Ein junger Mann, der ebenfalls eine weiße Weste hatte. Außer einer gewissen Ähnlichkeit der Todesarten ist zunächst keine Verbindung zwischen den beiden Fällen festzustellen. Jane und Maura stehen vor einem Rätsel. Doch wer die beiden toughen Frauen kennt, weiß, dass sie nicht so schnell aufgeben werden. Mit Intelligenz und Hartnäckigkeit versuchen sie dem Täter auf die Spur zu kommen. Dabei lassen sie sich auch von privaten Turbulenzen nicht abhalten.

    Zum Glück ist die TV-Serie gut besetzt, denn es ist fast unausweichlich, dass einem beim Lesen die Personen der Verfilmung vor Augen stehen. Ein Wiedersehen in Gedanken. Auch wenn man die Reihe nicht komplett kennt, gibt es doch etliche Erinnerungen, die geweckt werden. Kleine Lücken werden by the way gefüllt. Und der Fall, den Jane und Maura zu lösen haben, hat es wirklich in sich. Welch hinterhältige Taten da aufzuklären sind. Man kann sich die Gedankenwelt eines Täters nicht vorstellen, seine Motive nicht ergründen. Und wie bei einem echten Horrorfilm wartet man auf das Zuschnappen der Falle, das gerade in dem Moment kommt, wenn man eigentlich meint, alles sei gut.

    Ein toller Krimi mit Ermittlern, die durch ihre authentische und lebensnahe Darstellung fast schon zur Familie gehören.