Blütengrab: Thriller

Buchseite und Rezensionen zu 'Blütengrab: Thriller' von Ada Fink
4.35
4.4 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Blütengrab: Thriller"

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:448
Verlag:
EAN:9783805200592

Rezensionen zu "Blütengrab: Thriller"

  1. Düsterer Thriller

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 15. Jun 2021 

    Kurz nach der Wende wird in einem abgelegenen Waldstück bei Wussnitz ein totes Mädchen von einem Kind gefunden. Die Leiche liegt auf Blütenzweigen drapiert und ist mit Runen gezeichnet. Die junge Polizistin Ulrike Bandow aus dem Ort ermittelt mit dem neuen Kollegen Ingo Larssen aus dem Westen. Sie stoßen auf widerwärtige Verbrechen in der Vergangenheit. Die Verstrickungen reichen in die höchsten Kreise und so werden ihnen bald eine Menge Steine in den Weg gelegt.
    Es ist kurz nach der Wende und in dem kleinen Ort Wussnitz ist es ziemlich trostlos. Die Einwohnerzahl hat stark abgenommen und vieles verfällt einfach. Anscheinend traut man Ulrike Brandow die Ermittlungen nicht so wirklich zu, denn man stellt ihr den westdeutschen Kollegen Ingo Larssen an die Seite. Vorbehalte und Misstrauen gibt es auf beiden Seiten, doch um den Fall zu lösen, müssen sie aufeinander zugehen und sich vertrauen. Dabei haben beide ihre Geheimnisse, die sie auch weiter wahren wollen. Aber Brandow muss in ihre eigene Vergangenheit eintauchen, damit sie in diesem Fall weiterkommen. Die persönlichen Seiten der Kommissare spielen also in diesem Thriller auch eine Rolle. Ulrikes Bruder sympathisiert mit der rechtsextremen Szene. Beziehungen sollen dabei helfen, alles unter der Decke zu halten.
    Auch wenn ich finde, dass es zwischendurch ein paar Längen gibt, ist dieser komplexe Thriller mit seiner etwas düsteren und trostlosen Atmosphäre durchaus spannend.

  1. Futschikato

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 28. Mär 2021 

    Aus Kiel lässt sich Kommissar Ingo Larssen nach Mecklenburg versetzen. Im Jahr 1993 ein ungewöhnlicher Schritt, aber er hat seine Gründe. Und lange nachdenken kann er nicht. Kurz nach seiner Ankunft wird im Dohlenwald die Leiche eines Mädchens gefunden. Seine Kollegin Ulrike Bandow leitet die Ermittlungen und sie hat ein ganz ungutes Gefühl. Die Situation ist so bizarr, dass sich der Gedanke an einen Serientäter aufdrängt. Aber von parallelen Fällen ist nichts bekannt. Und so muss zunächst einmal mit den üblichen Befragungen begonnen werden. Ulrike Bandow lernt ihren Ort auf ganz neue Art kennen, eine, die ihr nur bedingt gefällt.

    In ihrem ersten gemeinsamen Fall müssen sich Bandow und Larssen erstmal beschnuppern und zusammenraufen. Ihre Herkunft ist doch sehr unterschiedlich. Bald schon klappt die Zusammenarbeit recht gut. Sie stellen fest, dass ihre Einstellung zum Beruf sehr ähnlich ist. Zunächst kommen sie mit dem Fall nicht so recht voran, keiner kennt das tote Mädchen und so eine Art Ritualmord hat es in der Gegend wohl noch nicht gegeben. Nur etwas zupft an Ulrikes Gedächtnis und weckt ihr schlechtes Gewissen. In ihrer Jugend hat sie, so befürchtet sie, ihre beste Freundin im Stich gelassen. So etwas soll ihr mit ihrem kleinen Bruder auf keinen Fall passieren.

    Nach Verlagsinformationen schreibt die Autorin auch Drehbücher und irgendwie merkt man das dem Roman auch an. Beim Lesen kommt einem häufiger der Gedanke, dass sich aus dem Buch ein düsterer Zweiteiler machen ließe, natürlich mit Serienpotential. Dies ist durchaus positiv, auch wenn der Spannungsaufbau etwas behäbig ist und das Ende etwas plötzlich kommt. Ist da noch nicht alles geklärt? Es handelt sich schließlich um den ersten Fall. Insgesamt ist ist es jedoch sehr spannend zu lesen, wie sich die beiden Polizisten zusammenraufen und ihre Ermittlungskraft bündeln. Was sie durch ihre Hartnäckigkeit aufdecken, passt sich perfekt in die deutsch-deutsche Geschichte ein und es wirkt so, als hätte es tatsächlich passiert sein können. Ein sehr guter Start einer neuen Reihe, die hoffentlich noch mit weiteren ebenso packenden Themen aufwarten kann.

  1. Mord im gerade erst vereinten Deutschland⁣

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 28. Mär 2021 

    Der Fall ist in einer sehr interessanten Phase der deutschen Geschichte angesiedelt: Es ist 1993, also nur ein paar Jahre nach dem Mauerfall. Für die Menschen der ehemaligen DDR hat sich das Leben auf fundamentale Weise verändert, und Ossis und Wessis müssen sich vielerorts mit mehr oder weniger großen Schwierigkeiten zusammenraufen.⁣

    Wer sich an diese Zeit erinnert, hat sicher noch im Kopf, dass nach der ersten Euphorie im Jahr 1989 zunächst eine wunderbare Willkommensstimmung herrschte, es aber auch schnell zu fiesen Witzen und massiven Vorurteilen gegenüber den neuen Mitbürgern kam. Auf beiden Seiten fühlten sich Menschen desillusioniert von der schönen neuen Welt.⁣

    Auch Kommissarin Ulrike Bandow und ihre Kollegen bei der Polizei im (fiktiven) Städchen Wussnitz in Mecklenburg müssen sich an ganz neue Bedingungen gewöhnen, wie zum Beispiel neue Dienstwaffen – und jetzt auch noch an den neuen Kollegen Ingo Larssen, der gerade erst aus Westdeutschland zu ihnen versetzt wurde.⁣

    Die Dynamik zwischen Bandow und Larssen ist großartig.⁣

    Der erfahrenere Larssen schüttelt den Kopf über Ulrikes impulsive Art, mit der sie durchaus auch mal etwas vermasselt, oder die Sturheit, mit der sie es erst ablehnt, in eine von ihm vorgeschlagene Richtung zu ermitteln. Umgekehrt kann sie sich nur wundern darüber, wie überaus ruhig und geradezu träge er oft wirkt, auch in Situationen, in denen in ihren Augen Action und schnelles Handeln gefragt sind.⁣

    Aber trotz gegenseitiger Vorbehalte wird bald klar, dass sie sich in vielem mühelos ergänzen. Es klickt einfach, und besonders bei Vernehmungen spielen sie sich ganz intuitiv die Bälle zu. Der deutlich ältere Larssen wird zu seinem eigenen Erstaunen fast schon zu einer Art väterlichem Mentor, während sie überrascht feststellt, dass seine ruhige Art sie erdet.⁣

    Das ist wunderbar geschrieben.⁣

    Im Laufe des Buches zeigt sich, dass beide sehr vielschichtige Charaktere sind, mit Stärken und Schwächen und komplexen Hintergrundgeschichten. Ich habe mich richtig in die beiden verliebt und hoffe sehr, dass dies der erste Band einer Reihe ist!⁣

    Auch andere Charaktere werden glaubhaft und lebendig geschildert, wie zum Beispiel die 13-jährige Ingrid, die das Opfer gefunden hat und durch die Umstände des Mordes nach und nach realisiert, dass sie mit der Weltsicht ihrer Eltern nicht einverstanden ist.⁣

    Der Thriller baut schnell Spannung auf.⁣

    Es ist eine sehr intelligente Spannung, die weniger auf blutigen Taten als auf einer überaus originellen Hintergrundgeschichte beruht. Durch einige Wendungen und überraschende Entwicklungen wird die Geschichte von Mal zu Mal facettenreicher und führt dabei immer weiter zurück in die DDR-Vergangenheit.⁣

    Ulrike sperrt sich gegen eine Schuld, die sie als Kind auf sich geladen hat, und muss sich irgendwann fragen, ob sie das bei diesem Mordfall blockiert. Und das eröffnet ein wahres Geflecht an Verwicklungen und unerwarteten Aspekten eines alten Falles, in dem ihr Vater, der ebenfalls Polizist war, ermittelte.⁣

    Ada Fink hat eine sehr unterhaltsame ‘Schreibe’.⁣

    Sie erzählt diese Geschichte mal mit düsterer, dichter Atmosphäre, dann wiederum mit feinem Humor oder auch mal leiser Schwermut – immer passend gewählt, so dass es dich als Leser:in mitten in die Geschehnisse hineinzieht.⁣

    Fazit⁣

    Es ist 1993, wir sind in einem kleinen Örtchen in Mecklenburg. In einem Waldstück wird die Leiche eines 13-jährigen Mädchens gefunden, gebettet auf Blüten und übersät mit Runen, die ihr in die Haut geschnitten wurden. Bei der Ermittlung des Falls müssen sich Kommissarin Ulrike Bandow und ihr neuer westdeutscher Kollege Ingo Larssen zusammenraufen – trotz gegenseitiger Vorbehalte.⁣

    Der Fall ist komplex und schlüssig aufgebaut, die Spannung entwickelt sich schnell. Aber auch schon der Einblick in die Zeit nach dem Mauerfall ist interessant – die Erinnerung daran, wie misstrauisch sich Ost und West nach der ersten Euphorie begegneten. Bandow und Larssen werden mit einigen sehr düsteren Aspekten der DDR-Vergangenheit konfrontiert.⁣

    Für mich ist “Blütengrab” ein rundum gelungenes Buch: wunderbarer Schreibstil, glaubhafte Charaktere, ein packender Fall, der hoffentlich nur der erste von vielen ist.⁣