Blackbird: Roman

Rezensionen zu "Blackbird: Roman"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 06. Sep 2019 

    Tod und Liebe im Leben eines Teenagers

    “All you leave behind will live to the end, the cycle of suffering goes on but memories of you stay strong.” (Aus: “Blackbird” von Alter Bridge)

    Als ich gesehen hatte, dass Matthias Brandt mit “Blackbird” einen neuen bzw. seinen ersten Roman geschrieben hat, habe ich mich gefreut – als Schauspieler schätze ich Matthias Brandt nämlich sehr. Da ich das vielfach gelobte Debüt „Raumpatrouille“ noch nicht gelesen habe, bin ich ganz unvoreingenommen an diesen Roman drangegangen – und bin einigermaßen enttäuscht worden.

    In „Blackbird“ lässt Matthias Brandt den 15-jährigen Ich-Erzähler Morten (genannt Motte) Schumacher erleben, was es heißt, Verluste (nicht nur den Tod seines besten Freundes, sondern auch seine im Zusammenbruch befindliche Familie) zu verkraften und die erste Liebe zu entdecken.

    Die Ende der 1970er-Jahre spielende Geschichte ist gespickt mit Reminiszenzen an eben jene Zeit – die Musik (der Titel ist eine Anlehnung an den gleichnamigen Beatles-Song), die D-Mark, die Kinoeintrittspreise (4 Mark – unglaublich *g*), es wurde überall (nicht nur Zigaretten) geraucht…Die Sprache ist dem der (damaligen) Jugend angepasst: derbe Ausdrücke sind an der Tagesordnung und mit 15 ist sowieso alles zum k*****. Daran hat und wird sich nichts ändern :-).

    Das ist natürlich alles nicht wirklich schlecht und Matthias Brandt ist garantiert auch nicht mit dem Vorsatz an sein Buch herangegangen, dafür einen Literaturpreis zu ergattern. Aber trotzdem fehlt dem Roman das Zwingende, das „Ich muss das jetzt unbedingt nochmal lesen“-Attribut, dass manch anderen Roman auszeichnet. Dafür sind die Charaktere teilweise auch zu monochrom, zu langweilig gezeichnet.

    Etwas mehr Fahrt nimmt der Roman erst im letzten Drittel auf, als der (unvermeidliche) Tod von Motte´s bestem Freund Bogi eintritt; danach empfand ich sogar etwas Mitleid mit ihm, da alle geschmiedeten Pläne sich auf einmal wie eine Seifenblase aufgelöst haben und ihm der Boden unter den Füßen weggerissen wird.

    Alles in Allem konnte mich Matthias Brandt mit seinem ersten Roman also nicht überzeugen, so dass ich leider auch nur eine bedingte Leseempfehlung aussprechen kann.

    3*

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 25. Aug 2019 

    Unfinished Sympathy

    Mit fünfzehn macht man viele Sachen zum ersten Mal. Aufbruchstimmung ist angesagt, jedenfalls ungefähr Mitte der 1970er. Motte und Bogi sind dicke Freunde, das Meiste machen sie gemeinsam. Bis zu dem Tag, an dem Bogi ins Krankenhaus muss. Es ist als ob die Hälfte fehlt, ein Besuch auf der Kinderstation kann das Vorher nicht ersetzen. Außerdem, wenn man immer an die coole Blonde auf dem Rad denken muss, ist die Lust auf einen Krankenbesuch nicht so groß. Wenn dann auch noch andauernd Streit zwischen den Eltern herrscht, bleibt in der eben noch heilen Welt, kaum noch etwas wie es war.

    Auf jeden Jugendlichen stürzt wahrscheinlich viel ein, wenn er sich in der Mitte der Pubertät befindet. Viele erste Male stehen neben ersten letzten Malen. Motte will etwas erleben, aber Veränderungen, die er nicht steuern kann, lassen ihn nach Halt suchen. Doch was kann man schon anderes tun als die Dinge zu nehmen, wie sie kommen. Im Krankenhaus ist Bogi anders, seine Welt des Drinnen unterscheidet sich von dem Draußen. Was nie im Bereich des Möglichen lag, wird auf einmal wahr. Motte gehen die Themen aus, wie soll er seinen kranken Freund unterstützen, wenn er doch ehrlich gesagt, lieber nach der nicht mehr ganz so fremden Radlerin Ausschau halten möchte.

    Es ist schon eine Tour de Force, die Motte über ein knappes Jahr durchlebt. Da liegen Humor und Tragik nahe beieinander. Beginn und Ende beschreiben den Gang der Welt. Etwas hart wird Motte aus seinem behaglichen Kindheitskokon heraus katapultiert. Unterstützung findet er von einer überraschenden Seite. Auch wenn sich ein Schulabschnitt dem Ende zuneigt, ein Umzug alles durcheinander wirbelt, da ist doch ein Anker, der bleibt. Mit dem Soundtrack seiner Jugend und der Bogis in Gedanken zieht Motte durch die Stadt, von seinem alten Leben in ein neues Leben, dass ebenso von Verlust, aber auch von Hoffnung und Liebe gekennzeichnet ist.

    Ausgesprochen gut getroffen hat der Autor den Ton der Jugend. Ja, denkt man als Leser, so war es damals. Selbst wenn man selbst einen anderen Soundtrack im Herzen hat, so erkennt man doch so vieles wieder. Die Wünsche und Sehnsüchte, die ersten Male, die positiv sind, aber auch die ersten Male, an denen man erkennt, dass es mit der Unsterblichkeit vielleicht nicht allzu weit her ist. Der erste Schmerz einer Ablehnung, das erste Aufblühen einer jungen Liebe. Man kann sich so gut in Motte hineinversetzen. Wahrscheinlich ist dieser Roman ein Schatz für jeden Leser, besonders wird er es vermutlich für die sein, die in einer ähnlichen Zeit oder Situation groß geworden sind.

    4,5 Sterne

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 20. Aug 2019 

    Motte, oder die schwierigen Phasen des Lebens

    Bei dem 16jährigen Morten, genannt Motte, steht die Welt auf dem Kopf. Sein Vater hat eine Freundin und zieht aus dem gemeinsamen Haus aus. Seine Mutter und er müssen sich ebenfalls eine andere Wohnung such. Der Vater nennt die Freundin seine „Lebensgefährtin“. Das versteht Morten überhaupt nicht. Dass man jemanden, den man liebt, „Lebensgefährtin“ nennen kann. Zu diesem Umbruch in seinem Leben kommt auch noch, dass sein bester Freund Bogi an Lymphdrüsenkrebs erkrankte. Non-Hodgkin-Lymphom oder so nennen die Fachleute das.

    #Blackbird ist der zweite Roman des Schauspielers und Autors Matthias Brandt. Das erst Buch #Raumpatrouille hörte ich und war von dem Text aber auch der Stimme Brandts beeindruckt. Dieses Buch las ich jetzt und auch hier war es die Sprache, die mir sehr gut gefiel. Mir fehlte allerdings etwas und ich denke, dass es die Stimme des Sprechers war.

    Das Buch punktet durch Komik und Vielfalt im Ausdruck. Motte ist ein ganz normaler Junge, der von heute auf morgen mit einem sehr kranken Freund zurechtkommen muss. Ja, zurechtkommen. Für ihn ist es keineswegs selbstverständlich, dass er oft ins Krankenhaus geht um Bogi zu besuchen. Auch die Veränderung des Freundes, bedingt durch die Chemotherapie, ist für ihn schwer anzuschauen. Dann kommt auch noch das Drama, dass er sich Hals über Kopf in Jacqueline verliebt. Wie soll er das alles durchstehen, ohne verrückt zu werden?

    #Blackbird gefiel mir gut, aber wie schon erwähnt, es fehlte der Sprecher. Ich werde mir das Buch als Hörbuch kaufen und es erneut genießen. Wer lieber selbst liest, findet ein ernstes Stück, welches durch humorige Abschnitte leichter zu ertragen ist.

    O-Ton Morten nach seinem ersten Kuss: „Küssen war, als ob ich eine Sprache zwar nicht konnte, mich aber von jetzt an nur noch in ihr unterhalten wollte.“