Blackbird: Roman

Rezensionen zu "Blackbird: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 08. Okt 2019 

    Erwachsenwerden in den 70er Jahren...

    Als der 15-jährige Morten Schumacher, genannt Motte, einen Anruf bekommt, ist in seinem Leben nichts mehr, wie es einmal war. Sein bester Freund Bogi ist plötzlich sehr krank. Aber das ist nur eine der herzzerreißenden Explosionen dieses Jahres, die in Matthias Brandts Roman »Blackbird« Mottes Leben komplett auf den Kopf stellen. Kurz danach fährt Jacqueline Schmiedebach vom Einstein Gymnasium auf einem Hollandrad an ihm vorbei, und die nächste Erschütterung nimmt ihren Lauf. Zwischen diesen beiden Polen, der Möglichkeit des Todes und der Möglichkeit der Liebe, spitzen sich die Ereignisse immer weiter zu, geraten außer Kontrolle und stellen Motte vor unbekannte, schmerzhafte Herausforderungen. Doch zum richtigen Zeitpunkt sind die richtigen Leute an Mottes Seite und tun genau das Richtige. Und er selbst schaut den Dingen mutig ins Gesicht, mit scharfem Blick und trockenem Witz.

    Pubertät ist kein einfacher Lebensabschnitt, das weiß jeder, der diese Phase bereits selbst durchlaufen oder aber Kinder hat, die sich auf dem Weg ins Erwachsenenleben befinden. Dies wird in dieser Erzählung gekonnt thematisiert ohne ins Klischeehafte abzudriften, was für mich ein großer Pluspunkt ist.

    Erzählt wird dieser Roman aus der Ich-Perspektive des 15jährigen Morten Schumacher, der von allen nur Motte genannt wird. Ganz unabhängig von den besonderen Themen, die hier im Laufe der Erzählung noch in Szene gesetzt werden, gelingt es Matthias Brandt, dem Leser die Zeit der Pubertät noch einmal intensiv in Erinnerung zu rufen. Ständig abschweifende Gedanken, eine Scheißegal-Haltung allem gegenüber, das Hinterfragen von Erwachsenen, unbegründete und ununterdrückbare Lachflashs, das Hinterfragen allen Tuns hinsichtlich dessen, was andere von einem denken könnten, Coolsein, sich ausprobieren... Die Darstellung des Charakters von Motte erscheint dadurch ausgesprochen authentisch.

    Motte ist ein intelligenter und eher schüchterner Junge, der oft eher die beobachtende Position einnimmt und nicht zu den Draufgängern gehört. Außer Rockmusik interessiert ihn eigentlich nicht viel. Die Ehe seiner Eltern ist zerrüttet, die Trennung unvermeidlich. Motte zieht daher mit seiner Mutter innerhalb der Kleinstadt in ein anderes Viertel und lässt damit altbekannte Strukturen zurück, auch seinen Freund Bogi, mit dem er sich seit Jahren jeden Tag getroffen hat.

    Doch der hat gerade ganz andere Sorgen, denn er muss wegen einiger medizinischer Auffälligkeiten ins Krankenhaus. Als schießlich bei Bogi ein Non-Hodgkin-Lymphom diagnostiziert wird, gerät die Freundschaft der beiden in Schieflage. Motte fühlt sich unter Druck gesetzt, seinen Freund ständig besuchen und diesen aufheitern zu müssen, fühlt sich dem aber kaum gewachsen. Zudem geht sein eigenes Leben weiter - er verliebt sich beispielsweise zum ersten Mal - während Bogi jeweils nur noch auf die nächste Infusion zu warten scheint. Doch gehen die Erwachsenen um ihn herum wirklich weniger hilflos mit der Möglichkeit des Todes um?

    Die Erzählung spielt in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Westdeutschland und ist gespickt mit zahllosen Reminiszenzen an diese Zeit, wozu auch der Beatles-Song 'Blackbird' gehört, dem der Titel dieses Romans entliehen ist. Plattenladen, Turnbeutel, D-Mark, Kassetten-Rekorder - alles Begriffe, die für heutige Jugendliche wohl wie Fremdwörter klingen, bei mir aber Erinnerungen an meine eigene Jugend wachriefen. Insofern ganz abseits der eigentlichen Geschichte auch ein etwas wehmütiges Wiedertreffen mit 'alten Bekannten'...

    Die Erzählung weist zeitweise durchaus einige Längen auf, und doch konnte mich die Atmosphäre gefangen nehmen, die Matthias Brandt hier aufbaut. Sowohl die erste Liebe als auch der drohende Tod des besten Freundes wollen erst einmal verkraftet werden, und dies geschieht hier auf eine absolut authentische und kein bisschen schwülstige Art und Weise. Fest verbunden mit der hin- und herfliegenden Gedankenwelt Mottes, kämpft sich der Leser durch die Hürden des Lebens und versinkt zwischenzeitlich auch in einer großen Sprachlosigkeit. Aber der Autor führt Motte und den Leser weiter, mit trockenem Humor und Gefühlen, da wo es angebracht scheint.

    Eine Coming-Of-Age-Geschichte mit Tiefgang, witzig und berührend - empfehlenswert...

    © Parden

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Okt 2019 

    Der Tod löscht alles Leben und die Freundschaft aus

    "Der Tod ist nicht der größte Verlust im Leben. Der größte Verlust ist das, was in uns stirbt, während wir leben." (Norman Cousins)
    Als der 15-jährige Morton Schumacher, von seinen Freunden nur Motte genannt den Anruf bekam, konnte er erst gar nichts damit anfangen. Der Vater von seinem besten Freund Bogi sagte ihm, das dieser schwer krank im Krankenhaus lege. Bogi hieß eigentlich Manfred Schnellstieg, aber alle nannten ihn nur Bogi. Motte erfährt das Bogi am Non Hodgkin Lymphom erkrankt ist, keine Ahnung was das wieder war, denkt er sich. Doch für Motte und seine Freunde sollte sich nach dieser Nachricht das ganze Leben verändern.

    Meine Meinung:
    Das unscheinbare Cover mit der roten Bank will für mich nicht so recht zur Geschichte passen, ich hätte da sicher etwas anderes gewählt. Ich wurde auf diese Geschichte aufmerksam und war gespannt, was der Schauspieler Matthias Brandt hier geschrieben hat. Mich machte vor allem neugierig das es um Jugendliche, Krankheit und Tod ging. Doch ich sollte noch mehr erfahren, den diese Krankheit würde Mottes ganze Jugend verändern. Den er lernt nicht nur Tod, Trauer, Hoffnungslosigkeit, Trennung kennen, sondern auch Freundschaft, Vertrauen, Mut und Liebe. Der Schreibstil ist locker, unterhaltsam, humorvoll und emotional, besonders am Ende war es dann für mich sehr tränenreich. Ab und an war die Sprache etwas ungehobelt, wie eben ab und zu die Jugend von damals war. Vulgär wurde es erst, als es um Bogis Hobby das Furzen ging. Das war mir dann doch zu viel, aber es war das einzige das mir aufgestoßen ist. Der Autor erzählt in Ich-Form Motte Leben in ca. ein Jahr lang. Ich merkte recht schnell, das dieses Buch in der Vergangenheit spielt und sicher stückweise die eigene Jugend des Autors mit einfließt. Ob er natürlich dieses Todeserlebnis wirklich hatte, wird aus dem Buch nicht ersichtlich. Ich spüre sofort die 70er Jahre und ich fühle mich in meine Jugendzeit zurückversetzt. Ob das die Lehrer sind, in Mottes Schule bei denen ich in manchen meine Lehrer sehe. Da ist im besonderen Vertrauenslehrer Meinhardt den alle toll finden, Kragler der heimlich Nazikragler genannt wird, weil er sich so benimmt und der Bademeister der für alle nur Elvis heißt, weil er ihm so ähnlich ist. Motte, Bogi, Jan und Walki sind eine Clique, doch mit Bogi ist er wirklich ganz dicke befreundet. Ihm kann er alles erzählen, die Liebe zu besonderen Wörtern und zur Musik sind ihnen wichtig. Auch hier spürt man wieder die 70er mit Bands wie die Beatles, Led Zeppelin, Queen und viele mehr. Hieraus entsteht auch der Titel, den "Blackbird" ist ein alter Song der Beatles. Das Motte mit Bogis Krankheit gar nicht klarkommt, spürt man das gesamte Buch über. Doch statt er hinter seinem Freund steht, flüchtet er lieber, was sicher auch mit Mottes beginnender Pubertät zu tun hat. Den er lernt eines Tages Jacqueline Schmiedebach kennen, verliebt sich in sie und wird enttäuscht. Es folgen Ängsten, Freude, Tränen und Bangen um seinen Freund Bogi, bei dem ihm Schornsteinfegerin Steffi zur Seite steht. Ein Buch das sicher viele Leser in ihre Jugend zurückversetzt und mir deshalb gut gefallen hat. Und das der Jugend von heute aufzeigt, das wir auch einmal jung waren und wir ohne Handy und Internet etwas erlebten. Mich jedenfalls konnte das Buch größtenteils überzeugen und gebe darum 4 1/2 von 5 Sterne.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 06. Sep 2019 

    Tod und Liebe im Leben eines Teenagers

    “All you leave behind will live to the end, the cycle of suffering goes on but memories of you stay strong.” (Aus: “Blackbird” von Alter Bridge)

    Als ich gesehen hatte, dass Matthias Brandt mit “Blackbird” einen neuen bzw. seinen ersten Roman geschrieben hat, habe ich mich gefreut – als Schauspieler schätze ich Matthias Brandt nämlich sehr. Da ich das vielfach gelobte Debüt „Raumpatrouille“ noch nicht gelesen habe, bin ich ganz unvoreingenommen an diesen Roman drangegangen – und bin einigermaßen enttäuscht worden.

    In „Blackbird“ lässt Matthias Brandt den 15-jährigen Ich-Erzähler Morten (genannt Motte) Schumacher erleben, was es heißt, Verluste (nicht nur den Tod seines besten Freundes, sondern auch seine im Zusammenbruch befindliche Familie) zu verkraften und die erste Liebe zu entdecken.

    Die Ende der 1970er-Jahre spielende Geschichte ist gespickt mit Reminiszenzen an eben jene Zeit – die Musik (der Titel ist eine Anlehnung an den gleichnamigen Beatles-Song), die D-Mark, die Kinoeintrittspreise (4 Mark – unglaublich *g*), es wurde überall (nicht nur Zigaretten) geraucht…Die Sprache ist dem der (damaligen) Jugend angepasst: derbe Ausdrücke sind an der Tagesordnung und mit 15 ist sowieso alles zum k*****. Daran hat und wird sich nichts ändern :-).

    Das ist natürlich alles nicht wirklich schlecht und Matthias Brandt ist garantiert auch nicht mit dem Vorsatz an sein Buch herangegangen, dafür einen Literaturpreis zu ergattern. Aber trotzdem fehlt dem Roman das Zwingende, das „Ich muss das jetzt unbedingt nochmal lesen“-Attribut, dass manch anderen Roman auszeichnet. Dafür sind die Charaktere teilweise auch zu monochrom, zu langweilig gezeichnet.

    Etwas mehr Fahrt nimmt der Roman erst im letzten Drittel auf, als der (unvermeidliche) Tod von Motte´s bestem Freund Bogi eintritt; danach empfand ich sogar etwas Mitleid mit ihm, da alle geschmiedeten Pläne sich auf einmal wie eine Seifenblase aufgelöst haben und ihm der Boden unter den Füßen weggerissen wird.

    Alles in Allem konnte mich Matthias Brandt mit seinem ersten Roman also nicht überzeugen, so dass ich leider auch nur eine bedingte Leseempfehlung aussprechen kann.

    3*

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 25. Aug 2019 

    Unfinished Sympathy

    Mit fünfzehn macht man viele Sachen zum ersten Mal. Aufbruchstimmung ist angesagt, jedenfalls ungefähr Mitte der 1970er. Motte und Bogi sind dicke Freunde, das Meiste machen sie gemeinsam. Bis zu dem Tag, an dem Bogi ins Krankenhaus muss. Es ist als ob die Hälfte fehlt, ein Besuch auf der Kinderstation kann das Vorher nicht ersetzen. Außerdem, wenn man immer an die coole Blonde auf dem Rad denken muss, ist die Lust auf einen Krankenbesuch nicht so groß. Wenn dann auch noch andauernd Streit zwischen den Eltern herrscht, bleibt in der eben noch heilen Welt, kaum noch etwas wie es war.

    Auf jeden Jugendlichen stürzt wahrscheinlich viel ein, wenn er sich in der Mitte der Pubertät befindet. Viele erste Male stehen neben ersten letzten Malen. Motte will etwas erleben, aber Veränderungen, die er nicht steuern kann, lassen ihn nach Halt suchen. Doch was kann man schon anderes tun als die Dinge zu nehmen, wie sie kommen. Im Krankenhaus ist Bogi anders, seine Welt des Drinnen unterscheidet sich von dem Draußen. Was nie im Bereich des Möglichen lag, wird auf einmal wahr. Motte gehen die Themen aus, wie soll er seinen kranken Freund unterstützen, wenn er doch ehrlich gesagt, lieber nach der nicht mehr ganz so fremden Radlerin Ausschau halten möchte.

    Es ist schon eine Tour de Force, die Motte über ein knappes Jahr durchlebt. Da liegen Humor und Tragik nahe beieinander. Beginn und Ende beschreiben den Gang der Welt. Etwas hart wird Motte aus seinem behaglichen Kindheitskokon heraus katapultiert. Unterstützung findet er von einer überraschenden Seite. Auch wenn sich ein Schulabschnitt dem Ende zuneigt, ein Umzug alles durcheinander wirbelt, da ist doch ein Anker, der bleibt. Mit dem Soundtrack seiner Jugend und der Bogis in Gedanken zieht Motte durch die Stadt, von seinem alten Leben in ein neues Leben, dass ebenso von Verlust, aber auch von Hoffnung und Liebe gekennzeichnet ist.

    Ausgesprochen gut getroffen hat der Autor den Ton der Jugend. Ja, denkt man als Leser, so war es damals. Selbst wenn man selbst einen anderen Soundtrack im Herzen hat, so erkennt man doch so vieles wieder. Die Wünsche und Sehnsüchte, die ersten Male, die positiv sind, aber auch die ersten Male, an denen man erkennt, dass es mit der Unsterblichkeit vielleicht nicht allzu weit her ist. Der erste Schmerz einer Ablehnung, das erste Aufblühen einer jungen Liebe. Man kann sich so gut in Motte hineinversetzen. Wahrscheinlich ist dieser Roman ein Schatz für jeden Leser, besonders wird er es vermutlich für die sein, die in einer ähnlichen Zeit oder Situation groß geworden sind.

    4,5 Sterne

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 20. Aug 2019 

    Motte, oder die schwierigen Phasen des Lebens

    Bei dem 16jährigen Morten, genannt Motte, steht die Welt auf dem Kopf. Sein Vater hat eine Freundin und zieht aus dem gemeinsamen Haus aus. Seine Mutter und er müssen sich ebenfalls eine andere Wohnung such. Der Vater nennt die Freundin seine „Lebensgefährtin“. Das versteht Morten überhaupt nicht. Dass man jemanden, den man liebt, „Lebensgefährtin“ nennen kann. Zu diesem Umbruch in seinem Leben kommt auch noch, dass sein bester Freund Bogi an Lymphdrüsenkrebs erkrankte. Non-Hodgkin-Lymphom oder so nennen die Fachleute das.

    #Blackbird ist der zweite Roman des Schauspielers und Autors Matthias Brandt. Das erst Buch #Raumpatrouille hörte ich und war von dem Text aber auch der Stimme Brandts beeindruckt. Dieses Buch las ich jetzt und auch hier war es die Sprache, die mir sehr gut gefiel. Mir fehlte allerdings etwas und ich denke, dass es die Stimme des Sprechers war.

    Das Buch punktet durch Komik und Vielfalt im Ausdruck. Motte ist ein ganz normaler Junge, der von heute auf morgen mit einem sehr kranken Freund zurechtkommen muss. Ja, zurechtkommen. Für ihn ist es keineswegs selbstverständlich, dass er oft ins Krankenhaus geht um Bogi zu besuchen. Auch die Veränderung des Freundes, bedingt durch die Chemotherapie, ist für ihn schwer anzuschauen. Dann kommt auch noch das Drama, dass er sich Hals über Kopf in Jacqueline verliebt. Wie soll er das alles durchstehen, ohne verrückt zu werden?

    #Blackbird gefiel mir gut, aber wie schon erwähnt, es fehlte der Sprecher. Ich werde mir das Buch als Hörbuch kaufen und es erneut genießen. Wer lieber selbst liest, findet ein ernstes Stück, welches durch humorige Abschnitte leichter zu ertragen ist.

    O-Ton Morten nach seinem ersten Kuss: „Küssen war, als ob ich eine Sprache zwar nicht konnte, mich aber von jetzt an nur noch in ihr unterhalten wollte.“