Bis ihr sie findet: Roman

Rezensionen zu "Bis ihr sie findet: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 28. Nov 2019 

    The summer of '83

    „Sechs Freunde. Ein Mörder. Wem vertraust du.“
    Sommer 1983, sieben junge Menschen fahren zum Zelten in einen Wald. Was ein ausgelassenes Wochenende werden sollte, mit Alkohol, Drogen und Sex, endet böse. Denn am nächsten Morgen ist eine von ihnen, die 14-jährige Aurora, verschwunden. Erst 30 Jahre später taucht ihre Leiche auf, vergraben unweit des Zeltplatzes. DCI Jonah Sheens, der schon 1983 ein sehr junger Constable war, und sein Ermittlerteam steht nun den Freunden von damals gegenüber. Ist der Mörder unter ihnen?
    „Bis ihr sie findet“ ist der Debütkrimi der englischen Autorin Gytha Lodge. Es ist ein gemächlicher Krimi, der gelungen ohne große Effekte und Widerwärtigkeiten auskommt. Trotz seiner Langsamkeit baut sich nach und nach Spannung auf, die die Autorin bis zum Schluss gut durchhält. Erzählt wird diese Geschichte in zwei Zeitebenen. Auf der einen Seite die Geschehnisse von damals und die andererseits die Ermittlungen heute. Es sind Charaktere mit Ecken und Kanten, von denen Gytha Lodge berichtet. Die Jugendlichen sind erwachsen geworden, die Verhältnisse zueinander haben sich verlagert. Die Wahrnehmungen und Erinnerungen aus der Vergangenheit der Beteiligten haben sich verändert oder werden unter einem andern Licht gesehen. „Bis ihr sie findet“ ist nicht nur ein klassischer Cold Case und Whodunit Krimi, sondern gleichzeitig auch eine traurige Geschichte über Freundschaft, Verlust der Unbändigkeit und Unschuld der Jugend. Ich war sehr angetan von diesem Buch und freue mich auf weitere Bücher dieser vielversprechenden Autorin.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 07. Sep 2019 

    Die Morgenröte

    Vor dreißig Jahren machten sie sich auf zu einer Tour, eine Gruppe Jugendlicher. Sie kehrten zurück, aber eine fehlt. Die vierzehnjährige Aurora ist verschwunden und ihre sterblichen Überreste werden erst viele Jahre später entdeckt. Damals selbst noch ein Jugendlicher übernimmt DCI Jonah Sheens nun die Untersuchung. Was ist damals wirklich passiert? Ist das junge Mädchen ermordet worden oder war es ein Unfall? Verheimlichten die anderen aus der Gruppe etwas? Alles, was vor Jahren schon erfragt wurde, muss noch einmal gesichtet werden. Sollte es Lücken geben oder sind Fehler passiert. Die Beteiligten von vor dreißig Jahren werden nochmals eingehend befragt.

    Gut verfolgen kann man, wie schwierig es ist, die Ermittlungen nach so langer Zeit wieder aufzunehmen. Für die verwaisten Eltern ist das Leben irgendwie stehen geblieben, doch das Leben der anderen ging weiter. Sie leben nicht mehr am Ort, sie haben Karriere gemacht, sie erinnern sich nicht mehr. Die junge Kollegin Hanson übernimmt es unter anderem, die alten Akten zu sichten. Mit ihrer frischen Sichtweise entdeckt sie tatsächlich ein zwei Ungereimtheiten, die zu neuen Ansätzen führen. Doch die Befragungen ergeben zunächst nicht viel. Die Ermittler müssen einfach tiefer graben.

    Der Gedanke, ein Verschwinden könnte auch nach dreißig Jahren noch aufgeklärt werden, ist sehr phantasieanregend. Gleich beginnt man zu überlegen, was wohl wirklich passiert ist. Die geschickt eingestreuten Rückblenden tun ihr übriges, um den einen oder anderen Verdacht zu wecken, um ihn bald wieder ad absurdum zu führen. Hier spielt die Autorin gekonnt mit dem Leser. Sehr wirklichkeitsgetreu schildert sie die Puzzlearbeit, die die Polizei zu leisten hat. Da muss tatsächlich beinahe jeder Stein wieder und wieder umgedreht werden. Dass dabei auch irreführende Spuren aufgetan werden, ist kein Wunder. Zu Beginn zwangsläufig etwas langsam nimmt die Handlung schließlich immer mehr an Fahrt auf, um weiter in eine Art Traumwelt zu führen, die nur schwer nachvollzogen werden kann. Teilweise fragt man sich, wieso einige Ereignisse nicht einfach im Laufe der ersten Ermittlung geklärt wurden. Doch insgesamt bietet dieser Roman eine interessante Handlung, die auf einer tollen Grundidee basiert.

    3,5 Sterne

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Aug 2019 

    Aurora

    Eine eingeschworene, ein wenig elitäre Gruppe von Jugendlichen zeltet in einem Waldstück. Es soll ein Wochenende mit Alkohol, ein wenig Dope und viel Spaß werden. Aurora, die jüngere Schwester von Topaz, darf dabei sein, ist allerdings schon allein durch ihr Alter von 14 Jahren ein wenig im Abseits.

    Am nächsten Morgen ist Aurora verschwunden, die breit angelegte Suche der Polizei bleibt ergebnislos. DCI Jonah Sheen war als ganz junger Polizist an der Suche beteiligt. Nun, dreißig Jahre später werden die Überreste einer Toten gefunden, Sheen weiß sofort, dass kann nur Aurora sein.

    Über all die Jahre haben die sechs Freunde Kontakt gehalten, der Fund erschüttert sie schwer. Denn schon bald scheint klar, Aurora wurde getötet und es kann eigentlich nur jemand aus der Clique gewesen sein.

    Das Krimidebüt von Gytha Lodge greift zum Stilmittel zweier Handlungsstränge, den Ermittlungen in der Gegenwart und den unmittelbaren Geschehnissen von damals. Allmählich wird der Leser immer vertrauter mit dem verhängnisvollen Zeltabenteuer und immer augenscheinlicher wird es auch, dass keiner der Jugendlichen damals ganz ehrlich war. Jeder verbirgt ein Geheimnis. Für Sheen wird die Ermittlung ebenfalls zu einer – nicht immer guten – Konfrontation mit der Vergangenheit.

    Das Buch ist ein Kriminalroman ganz nach meinem Geschmack. Die Handlung ist komplex, genau wie die Figuren der sechs Freunde. Ihre spätere Entwicklung schien sich schon in der Jugendzeit anzudeuten und ihre Charaktere sind vielschichtig angelegt. Mit jeder weiteren Rückblende steigert sich die Spannung und machte für mich auch die Faszination aus. Bald kommen die ersten Risse in der Fassade von Wohlanständigkeit und Freundschaft zum Vorschein. Misstrauen untereinander macht sich breit. Um keinen Preis soll das Geheimnis von damals gelüftet werden. Das ist sehr subtil und fesselnd erzählt. Die Ermittlungen und Verhöre laden zum Miträtseln ein und ich hatte eigentlich bei jeder Figur das Gefühl, sie könnte schuldig sein. Ganz nah kam mir die Person der jungen Aurora, das ungelenke, schüchterne Mädchen beginnt grade aus ihrem Kokon zu schlüpfen und zu einer Schönheit zu werden. Für Topaz, die immer im Mittelpunkt von Bewunderung und Begehren steht, eine ungeliebte Konkurrenz.

    Dieser Krimi braucht keine blutigen Morde um Spannung zu erzeugen, die mich keine Seite mehr losgelassen hat. Die Autorin muss ich mir merken, denn sie hat genau meinen Nerv getroffen.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 01. Aug 2019 

    Wem vertraust du?

    Als in einem Wald in Südengland menschliche Knochen gefunden werden, weiß Detective Chief Inspector Jonah Sheens sofort, dass endlich Aurora gefunden wurde. Das damals vierzehnjährige Mädchen war mit seiner älteren Schwester und deren Clique genau in diesem Waldstück beim Zelten gewesen, dann aber spurlos verschwunden. Nun, dreißig Jahre später, ist endlich ihre Leiche aufgetaucht, dabei werden auch Reste von Drogen gefunden.
    In Rückblicken wird das Geschehen des Sommers 1983 nach und nach wieder aufgerollt.
    Die sechs Freunde gehören zu den jungen Wilden an der Schule, intelligent, schön, unangepasst, bewundert und unerreichbar für alle anderen. Dennoch gibt es reichlich Spannungen zwischen den Freunden, erotischer und allgemeiner Natur. Lediglich Aurora ist außen vor und fühlt sich der experimentierfreudigen Gruppe auch nicht zugehörig. Dass ausgerechnet sie spurlos verschwindet, bringt die Freunde aber nicht auseinander, sondern schweißt sie eher noch enger zusammen. In Sheens Erinnerungen an die damaligen Ermittlungen wird deutlich, dass alle aus der Clique etwas zu verbergen hatten, nicht nur vor der Polizei, sondern auch voreinander. Merkwürdigerweise scheint Chief Inspector Jonah Sheens selbst dunkle Geheimnisse aus der damaligen Zeit mit sich herumzutragen, was seiner eifrigen neuen Mitarbeiterin Juliette Hanson allerdings nicht entgeht.
    Die sechs Freunde der Clique sind heute erfolgreiche, mitten im Leben stehende Erwachsene. Alle beteuern auch heute noch ihre Unschuld, doch zeigen sich allmählich feine Risse in der Schutzmauer. Nach und nach wird deutlich, dass sie trotz ihres andauernden freundschaftlichen Kontaktes sich inzwischen auch mit Misstrauen begegnen. Dann kommt der frühere Englischlehrer Auroras ins Spiel, der zufälligerweise in der Nähe der Clique zeltete, was bei den damaligen Ermittlungen aber offenbar nicht weiter untersucht wurde....

    Die eigentliche Spannung der Krimihandlung ergibt sich weniger durch reißerische Action, sondern eher durch die Schilderung der Charaktere und ihrer Beziehungen untereinander. So steigert sich die Spannung nur allmählich. Durch die verschiedenen Zeitstufen, aber auch die wechselnden Perspektiven ergeben sich immer wieder neue Spuren und Verdachtsmomente für den Leser bis hin zum überraschenden Ende.
    Ein gelungenes Krimidebüt der britischen Schriftstellerin Gytha Lodge.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 01. Aug 2019 

    Ein spannendes Krimidebüt

    1983 treffen sich sechs Freunde, um gemeinsam im Wald zu zelten. Alle sechs scheinen besonders privilegiert zu sein, für höhere Ziele geboren. Die vierzehnjährige Aurora freut sich, für ein paar Stunden zu ihnen zu gehören. Doch am nächsten Morgen ist Aurora spurlos verschwunden.
    Dreißig Jahre später taucht in dem Wald eine Leiche auf. Detective Chief Inspector Jonah Sheens ist schnell klar, dass es sich um Aurora handelt. Jonah Sheen macht sich daran, den alten Fall aufzurollen, um den damaligen Täter zu entlarven.

    Dieses Krimidebüt hat mir richtig gut gefallen!
    Ich bin sehr gut ins Buch hineingekommen und konnte den Geschehnissen bestens folgen.
    Die verschiedenen Charaktere wirkten authentisch und gut durchdacht und besaßen ihre Eigenarten, so dass ich sie prima auseinanderhalten konnte.
    Die Story hat mich sofort gefangen genommen, ich war richtig gefesselt und mochte das Buch nicht mehr beiseite legen. Dazu trug auch der Aufbau bei, denn die Geschichte wurde in zwei Zeitebenen erzählt. Zum einen in der Gegenwart und zum anderen vor dreißig Jahren. Beide Stränge haben mir sehr gut gefallen und ich konnte mitfiebern.
    Die Erzählungen und Handlungen waren sehr dicht gewebt und wirkten komplex. Die Spannung wurde gut aufgebaut und kontinuierlich gehalten. Ich hatte sehr viel Spielraum für meine eigenen Gedanken hinsichtlich Täter und Motiv. Meine Theorien habe ich mehrmals überdenken müssen, weil dann wieder eine andere Person sehr verdächtig erschien. Das gefiel mir sehr gut.

    Ein spannendes Krimidebüt, das mir hervorragend gefallen hat. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.