Bella Ciao

Buchseite und Rezensionen zu 'Bella Ciao' von Raffaella Romagnolo
4.65
4.7 von 5 (3 Bewertungen)

Buch mit Leinen-Einband
Piemont, 1946. Giulia Masca kommt als gemachte Frau zurück in das Städtchen ihrer Kindheit, wo sie noch eine Rechnung offen hat. Vor fast fünfzig Jahren wurde sie hier von ihrer besten Freundin Anita und ihrem Verlobten hintergangen, weshalb Giulia die Flucht ergriff und sich in New York eine neue Existenz aufbaute. Nach einem halben Jahrhundert will sie Anita wieder treffen - wie werden sie sich gegenübertreten?

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:528
Verlag: Diogenes
EAN:9783257070620

Rezensionen zu "Bella Ciao"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 15. Jun 2019 

    Frauenschicksale

    Borgo di Dentro im Piemont im Jahr 1946: Fast ein halbes Jahrhundert ist es her, dass Giulia Masca ihre Heimat verlassen hat, in der sie als Fabrikarbeiterin geschuftet hat. Nun kommt die Auswanderin als gemachte Frau zurück in das Städtchen ihrer Kindheit. Kurz vor ihrem Weggang wurde sie von ihrer damals besten Freundin Anita Leone und ihrem Verlobten Pietro hintergangen. Enttäuscht, allein, schwanger und ohne Geld hat Guilia deshalb die Flucht ergriffen und sich in New York eine neue Existenz aufgebaut. Nun will sie Anita wiedersehen. Wie wird das Treffen der beiden ausfallen?

    „Bella Ciao“ ist ein Roman von Raffaela Romagnolo.

    Meine Meinung:
    Der Roman besteht aus neun Kapiteln und ist in drei Bücher gegliedert. Zudem gibt es eine Art Epilog („Das Fest“). Der Leser hat es mit mehreren Zeitebenen zu tun. Einerseits wird in der Gegenwart, also im Jahr 1946, erzählt, andererseits gibt es immer wieder Rückblenden, die bis ins Jahr 1900 reichen. Dabei wird auf unterschiedliche Perspektiven zurückgegriffen.

    Zwar beweist die Autorin durchaus, dass sie mit Sprache umgehen kann. Allerdings wurde ich mit dem Schreibstil bis zum Ende nicht so recht warm. Nicht nur sehr abrupte, nicht gekennzeichnete Zeitsprünge und Perspektivwechsel erschweren das Lesen. Auch verschachtelte, teils sehr lange Sätze und immer wieder eingestreute Nebensächlichkeiten fordern die Aufmerksamkeit des Lesers.

    Im Vordergrund der Geschichte stehen die Frauen, allen voran Guilia und Anita. Ihre Schicksale sind nicht einfach, sie mussten schwere Zeiten durchmachen. Dabei zeigt sich die Stärke der beiden, was mir gut gefallen hat. Die zwei Charaktere wirken authentisch. Und doch fiel es mir stellenweise schwer, Sympathie für Guilia und Anita zu empfinden. Eine Vielzahl an weiteren Figuren macht es nicht einfach, der Geschichte zu folgen. Allerdings sind jedem der drei Bücher Stammbäume und Personenübersichten vorangestellt, die die Orientierung erleichtern.

    Trotz der mehr als 500 Seiten wird es inhaltlich nicht langweilig, denn die Handlung ist sehr dicht, da sie einen Zeitraum von rund 50 Jahren umfasst. Die große Stärke des Romans ist dabei seine thematische Vielschichtigkeit. Es geht um Liebe und Leid, um Mut und Krieg, um Politik und Auswanderung und einiges mehr. Obwohl es eine Vielfalt an emotional besetzten Themen gibt, gleitet die Geschichte nicht ins Kitschige ab. Allerdings kommt mir der Roman in Teilen etwas zu überfrachtet vor.

    Ein weiteres Plus ist, dass der Roman die italienische Geschichte zwischen dem Anfang des 20. Jahrhunderts und dem Zweiten Weltkrieg sehr anschaulich beleuchtet. So erfährt der Leser unter anderem einiges über die unsäglichen Arbeitsbedingungen zu Beginn des Jahrhunderts, das Aufkommen des Faschismus und den Befreiungskampf gegen das Regime. Das macht die Lektüre nicht nur unterhaltsam, sondern auch äußerst lehrreich. Gut gefallen haben mir in diesem Zusammenhang auch die Anmerkungen der Autorin, die darüber aufklärt, was in der Geschichte zu den Fakten und zur Fiktion zu zählen ist. Sie belegen die fundierte Recherche der Schriftstellerin.

    Das für den Verlag typische, reduzierte Cover, ein Gemälde der Künstlerin Meredith Frampton, passt zum Inhalt. Der deutsche Titel weicht stark vom italienischen Original („Destino“) ab, ist aber auch treffend gewählt.

    Mein Fazit:
    „Bella Ciao“ von Raffaela Romagnolo ist ein besonderer und vielschichtiger Roman, der vor allem mit seinem historischen Kontext und starken Frauencharakteren punkten kann. Empfehlenswert ist die Geschichte vor allem für diejenigen, die sich vom gewöhnungsbedürftigen Schreibstil nicht abschrecken lassen.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Mai 2019 

    Sprach- und bildgewaltig

    Unter ärmlichsten Verhältnissen leben die Kleinpächter und Fabrikarbeiter in Borgo di Dentro Ende des 19. Jahrhunderts. Schon als kleine Mädchen mussten Giulia und ihre Freundin Anita in den Seidenspinnereien hart arbeiten. Der Lebensweg scheint für beide vorgezeichnet zu sein. Doch dann muss Giulia erfahren, dass ihre beste Freundin und Vertraute und ihr Verlobter sich in einander verliebten und verletzt verlässt sie ihre Heimat Richtung New York. Mittellos und schwanger landet sie dort in der Grosseria des Libero Manfredi, der sie großherzig aufnimmt, ihr und ihrem Kind Liebe und Heimstatt bietet.

    Nach gut 50 Jahren kehrt Giulia, nun eine vermögende Amerikanerin mit ihrem Sohn Michael nach Borgo zurück. Wie wird ihr Zusammentreffen mit Anitia sein?

    Der großartige Familienroman von Raffaella Romagnolo fächert ein breites Familienepos vor dem Hintergrund der turbulenten Zeitgeschichte auf. Über Borgo sind zwei Weltkriege hinweg gezogen, die viele Opfer in den Familien forderten. Auch Anita musste viel Blutzoll bezahlen. Es hat sich für die kleinen Leute nie etwas geändert, ob Republik oder Faschisten an der Macht waren. Während Giulia in Borgo ist, taucht sie immer wieder in Erinnerungen ein. Die ersten harte Jahre für Immigranten in New York, der allmähliche mühsam erarbeitete Wohlstand und immer wieder auch ihre Enttäuschung über Anita Leone und Pietro.

    Ein zweiter, in die Handlung eingewobener Erzählstrang betrifft die Sippe der Leones, ihr Schicksal während der beiden Kriege und des Widerstands gegen die Faschisten.

    Es ist die bildgewaltige Sprache, die mich fasziniert hat. Ein halbes Jahrhundert wird geschildert und die zeitgeschichtlichen Zusammenhänge haben mir ausgesprochen gut gefallen. Ein interessantes Epos mit zwei starken Frauen im Mittelpunkt, zu denen sich im letzten Drittel noch eine weitere starke Frauenfigur mit der jungen Marchesina Adelaide gesellt.

    Hatte ich, ein wenig durch den Klappentext ( …. sie hat noch eine Rechnung offen)in die Irre geführt, eine Rachegeschichte a lá „Besuch der alten Dame“ erwartet, stellt sich dieser Roman wesentlich vielschichtiger dar. Es ist ein farbiges, fesselndes Zeitbild eines sehr bewegten Jahrhunderts und wieder mal ein Beispiel dafür, dass der Diogenes Verlag ein Händchen für ganz besondere literarische Entdeckungen hat.

  1. 5
    (5 von 5 *)
     - 04. Mai 2019 

    Ein packender Generationenroman, großartig erzählt

    „Leben heißt gehen, und ohne Vergangenheit geht man, lebt man.“ (Zitat Seite 413)

    Inhalt:
    Borgo di Dentro ist eine kleine Stadt im Piemont. Giulia Masca ist hier geboren und aufgewachsen. Am Valentinstag 1901, wenige Wochen vor der geplanten Hochzeit im März, sieht sie durch Zufall ihren Verlobten Pietro Ferro in einer sehr vertrauten, innigen Umarmung mit ihrer besten Freundin Anita. Sie nimmt das Geld, das sie für die Aussteuer gespart hatte und bezahlt damit die Überfahrt nach New York. Nun hat ihr Sohn Michael sie zu einer Europareise überredet und am 6. März 1946 kehrt Mrs. Giulia Masca, elegant und begütert, nach 45 Jahren in den Ort ihrer Kindheit zurück. Beinahe gegen ihren Willen macht sie sich auf die Suche nach der Vergangenheit.

    Thema und Genre:
    Dieser Generationenroman schildert die Geschichte Italiens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Parallel dazu zeigt diese Erzählung auch das Schicksal der italienischen Auswanderer, die unter schwierigen Bedingungen versuchen, sich in Amerika ein neues Leben aufzubauen. Themen sind die politischen Veränderungen in Italien, die beiden Weltkriege, die Arbeiterbewegung, Unterdrückung durch Feudalherren, Faschismus und Widerstand. Eine wichtige Rollen spielen starke Frauen, mutige Männer und die Familie.

    Charaktere:
    Im Mittelpunkt steht das Schicksal der Mitglieder der Familien Leone, Masca, Ferro und Franzoni. Starke Frauen wie Giulia Masca, Anita Leone und Adelaide Franzoni unterstützen ihre mutigen, unbeugsamen Ehemänner, Brüder und Söhne. Die Charaktere sind gut gewählt und wirken authentisch.

    Handlung und Sprache:
    Der zeitgeschichtliche Hintergrund und die bekannten Ereignisse, die sich aus den Partisanenkämpfen und Widerstand gegen Mussolinis Regime ergaben, sind per se sehr packend. Die Schicksale der einzelnen Familien und ihrer Mitglieder erhöhen die Spannung.
    Gekonnt verknüpft die Autorin Fiktion und Tatsachen, die Handlung und ihre Figuren. Die Geschichte beginnt in der Gegenwart mit Giulias Rückkehr und wird in Rückblenden erzählt, wobei der zeitliche Ablauf eingehalten wird. Die zwei Handlungen verlaufen parallel und schildern abwechselnd die Ereignisse in Italien und in Amerika. Der Roman ist in drei „Bücher“ eingeteilt. Am Beginn jedes Buches finden sich die jeweils um die neuen Mitglieder erweiterten Stammbäume der Familien, ergänzt mit den Namen weiterer wichtiger Personen.
    Die Sprache ist lebhaft, anschaulich und nimmt sich auch Zeit für Details.

    Fazit:
    Ein Generationenroman, Familienschicksale in der wechselvollen Geschichte Italiens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ein zeitgeschichtlich sehr interessantes Thema, umfassend recherchiert, das spannend und einfühlsam erzählt wird. Eine packende Lektüre, die beeindruckt und nachklingt.

  1. 5
    (5 von 5 *)
     - 04. Mai 2019 

    Ein packender Generationenroman, italienische Zeitgeschichte, gr

    „Leben heißt gehen, und ohne Vergangenheit geht man, lebt man.“ (Zitat Seite 413)

    Inhalt:
    Borgo di Dentro ist eine kleine Stadt im Piemont. Giulia Masca ist hier geboren und aufgewachsen. Am Valentinstag 1901, wenige Wochen vor der geplanten Hochzeit im März, sieht sie durch Zufall ihren Verlobten Pietro Ferro in einer sehr vertrauten, innigen Umarmung mit ihrer besten Freundin Anita. Sie nimmt das Geld, das sie für die Aussteuer gespart hatte und bezahlt damit die Überfahrt nach New York. Nun hat ihr Sohn Michael sie zu einer Europareise überredet und am 6. März 1946 kehrt Mrs. Giulia Masca, elegant und begütert, nach 45 Jahren in den Ort ihrer Kindheit zurück. Beinahe gegen ihren Willen macht sie sich auf die Suche nach der Vergangenheit.

    Thema und Genre:
    Dieser Generationenroman schildert die Geschichte Italiens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Parallel dazu zeigt diese Erzählung auch das Schicksal der italienischen Auswanderer, die unter schwierigen Bedingungen versuchen, sich in Amerika ein neues Leben aufzubauen. Themen sind die politischen Veränderungen in Italien, die beiden Weltkriege, die Arbeiterbewegung, Unterdrückung durch Feudalherren, Faschismus und Widerstand. Eine wichtige Rollen spielen starke Frauen, mutige Männer und die Familie.

    Charaktere:
    Im Mittelpunkt steht das Schicksal der Mitglieder der Familien Leone, Masca, Ferro und Franzoni. Starke Frauen wie Giulia Masca, Anita Leone und Adelaide Franzoni unterstützen ihre mutigen, unbeugsamen Ehemänner, Brüder und Söhne. Die Charaktere sind gut gewählt und wirken authentisch.

    Handlung und Sprache:
    Der zeitgeschichtliche Hintergrund und die bekannten Ereignisse, die sich aus den Partisanenkämpfen und Widerstand gegen Mussolinis Regime ergaben, sind per se sehr packend. Die Schicksale der einzelnen Familien und ihrer Mitglieder erhöhen die Spannung.
    Gekonnt verknüpft die Autorin Fiktion und Tatsachen, die Handlung und ihre Figuren. Die Geschichte beginnt in der Gegenwart mit Giulias Rückkehr und wird in Rückblenden erzählt, wobei der zeitliche Ablauf eingehalten wird. Die zwei Handlungen verlaufen parallel und schildern abwechselnd die Ereignisse in Italien und in Amerika. Der Roman ist in drei „Bücher“ eingeteilt. Am Beginn jedes Buches finden sich die jeweils um die neuen Mitglieder erweiterten Stammbäume der Familien, ergänzt mit den Namen weiterer wichtiger Personen.
    Die Sprache ist lebhaft, anschaulich und nimmt sich auch Zeit für Details.

    Fazit:
    Ein Generationenroman, Familienschicksale in der wechselvollen Geschichte Italiens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ein zeitgeschichtlich sehr interessantes Thema, umfassend recherchiert, das spannend und einfühlsam erzählt wird. Eine packende Lektüre, die beeindruckt und nachklingt.