Beatrice - Rückkehr ins Buchland

Buchseite und Rezensionen zu 'Beatrice - Rückkehr ins Buchland' von Markus Walther
4.75
4.8 von 5 (4 Bewertungen)

Sie wusste um das mächtige Eigenleben des geschriebenen Wortes, wusste um die Magie, die die Realität um die Fiktion krümmte, wie das Weltall den Raum um die Masse."

Eigentlich müsste Beatrice zufrieden sein. Sie hat das Antiquariat von Herrn Plana übernommen, ihr Mann ist wieder gesund und der Verlag wünscht sich ein neues Manuskript. Alles scheint in
geordneten Bahnen zu laufen. Doch dann taucht der kuriose Ladenbesitzer Quirinus auf, der ihr ein Angebot macht, das sie einfach nicht ablehnen kann. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg zurück in die tiefsten Regionen des Buchlands.

Format:Kindle Edition
Seiten:284
Verlag: Acabus Verlag
EAN:

Rezensionen zu "Beatrice - Rückkehr ins Buchland"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 03. Dez 2016 

    Regenbögen im Dunkel...

    Was habe ich mich auf ein Wiederlesen mit Beatrice und dem Buchland gefreut! Zwar gibt es Herrn Plana nun nicht mehr, doch Beatrice hat das Antiquariat von ihm übernommen, und was spräche dagegen, das Buchland in den unteren Gewölben auch ohne den mysteriösen Auktoral zu durchforsten? Zu meiner großen Überraschung hat Beatrice diese Möglichkeit jedoch seit dem Verschwinden Herrn Planas nie genutzt - allein zum Zwecke des Auffüllens der Buchregale im Antiquariat hat sie das Buchland gelegentlich einmal betreten, blieb jedoch stets in den ihr gut bekannten Abteilungen.

    "Sie wusste um das mächtige Eigenleben des geschriebenen Wortes, wusste um die Magie, die die Realität um die Fiktion krümmte wie das Weltall den Raum um die Masse. Es gab hier Gänge, die sich verschoben, Bücher, die sich bewegten, und Wesen, denen sie nie wieder begegnen wollte. Ja, sie liebte das Buchland. Aber sie hatte auch einen höllischen Respekt vor dem, was im Buchland zu finden war." (S. 58)

    Auch sonst hat sich Beatrice in ihrem Leben irgendwie eingerichtet. Mit ihrem Mann Ingo versteht sie sich wieder recht gut, zumal er weiterhin dem Alkohol abschwört. Zwar hat sie den Tod ihrer kleinen Tochter immer noch nicht wirklich verwunden, doch schaut sie inzwischen wieder nach vorne. Nach dem Erfolg ihres ersten Buches drängt der Verlag auf eine Fortsetzung, doch ist Beatrice von der Idee nicht wirklich überzeugt.

    "Ich werde keine Fortsetzung schreiben. Fortsetzungen sind meistens kacke. Nur weil 'Buchland' ein Fantasyroman geworden ist, muss das Teil ja nicht gleich in Serie gehen. Nicht jeder Mist muss eine Trilogie werden." (S. 39)

    Dieses kleine Zitat zeugt schon davon, wieviel schwarzer Humor hier immer wieder mal aufblitzt, und auch, wie der Autor sich selbst immer mal wieder auf die Schippe nimmt - und das sind schon einige der Gründe, weshalb mir dieses Buch so gut gefallen hat. War Band eins der Trilogie noch vom Überraschungseffekt geprägt, von all der Freude am Entdecken dieses traumhaften Landes für alle Bücherliebhaber, so ist diese zweite Folge deutlich düsterer. Denn das Buchland ist nicht mehr, was es mal war. Unheimlicher ist es geworden, Schatten sind eingezogen, und das Böse lauert - nur auf wen? Oder auf was?

    "Während der Zeiger langsam über das Zifferblatt ihrer Armbanduhr kroch, überkam sie mehr und mehr ein Gefühl der Unruhe. Die Angst, dass etwas ihre Bücher bedrohte, machte sich schmerzhaft spürbar in ihren Knochen breit. Da war noch immer das Wispern um sie herum. Doch entgegen aller Erfahrungen, die sie bislang zwischen den Büchern gemacht hatte, klang es nun kläglich, geradezu krank." (S. 55)

    Zunächst einmal macht Beatrice die Bekanntschaft mit einem merkwürdigen Kauz. Quirinus heißt er - nur Quirinus - und hat den Laden neben dem Antiquariat erworben. Ein Geschäft für Kuriositäten, und wirklich schlau wird Beatrice nicht aus dem Verhalten ihres neuen Nachbarn. Er möchte etwas von ihr, das ist ihr nur zu bald klar, doch er verrät ihr nicht, was es ist. Stattdessen stellt er ihr seine kleine Cousine vor, Chaya, ein kleines, nettes Mädchen - und doch, auch an ihr ist irgendetwas seltsam. Jedenfalls liebt dieses Mädchen Bücher. Über alles. Vielleicht zu sehr?

    "Dort, wo sie gestern das Kinderbuch eingeschoben hatte, lag ein klägliches Häuflein Staub. Wie konnte das sein? Wie konnte ein Buch innerhalb so kurzer Zeit zerfallen? Das hatte Beatrice noch nie erlebt. Schon gar nicht hier im Antiquariat. Hier starben keine Bücher! Hier lebten sie auf. Egal, was es zu bedeuten hatte: Es konnte nichts Gutes sein. Aber wenn sie Antworten finden wollte, gab es nur einen Ort, an dem sie danach suchen konnte." (S. 54)

    Noch während Beatrice über die Veränderungen und möglichen Bedrohungen nachsinnt, macht ihr Quirinus ein Angebot, das sie bei allem Misstrauen einfach nicht ablehnen kann. Und wieder geht es tief hinein ins Buchland, in Areale, von denen Beatrice nicht zu träumen gewagt hätte - und doch ist alles von einer unheimlichen Atmospäre überzogen. Doch neben beängstigenden Begegnungen gibt es auch wieder herrliche Entdeckungen, wie beispielsweise die Geschichteneiche - mit Blättern aus Buchseiten, in denen sich die Strahlen der Sonne weiß relektieren.

    "Es ist traurig, dass nicht jeder für diese Magie zugänglich ist. Manche Köpfe sind einfach zu stumpf. Phantasie sollte zum eigenständigen Unterrichtsfach erklärt werden. Weißt du, jedes Feuerwerk in deinem Kopf kann grandioser und farbenfroher sein als eines, das du im 3D-Kino siehst. Du musst dich nur darauf einlassen." (S. 123)

    Einen Mangel an Phantasie kann man Markus Walther nun wirklich nicht vorwerfen. Wer wie Beatrice geglaubt hat, nach dem letzten Abenteuer das Buchland zu kennen, wird hier rasch eines Besseren belehrt. Doch neben all den phantastischen Elementen und den Geheimnissen, denen der Leser mit Beatrice auf den Grund zu gehen versucht, gibt es hier eine Vielzahl von philosophischen und moralischen Fragestellungen, mehr als einen Hauch von Mythologie und einem ganzen Strauß von Anspielungen, die man z.T sicher auch zu überlesen droht. Doch im Rahmen einer gemeinsamen Leserunde mit dem Autor wurden wir auf so manche Stelle hingewiesen, die zumindest für mich ansonsten verloren gegangen wäre.

    "Seele? Ein großes Wort. Und eines, das sich nicht genau definieren lässt. Ein sehr ungenauer Begriff. Ist Seele der unsterbliche Teil eines Wesens? Ist es der Lebensfunke? Dann wäre es mögich, dass es ihn gar nicht gibt. Oder ist es Intelligenz und das Sich-Selbst-Bewusstsein? Die Fähigkeit zu fühlen oder die Fähigkeit zu lieben? Wie poetisch! Von allem was? Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht ist es auch nur der Wille weiterzumachen. Lebenswille. Hoffnung. Hoffnung. Ja." (S. 217)

    Von der Seele der Bücher und sonstiger, hm, Dinge, ist hier die Rede, von Trauer und Freude, von der Verwerflichkeit des Machbaren, vom Ursprung des Bösen und von dem, was man zum Überleben braucht - die Hoffnung. Der Glaube an Regenbögen im Dunkel.

    Für mich einmal mehr ein ganz besonderes Buch aus der Feder von Markus Walther. Zweimal habe ich es gleich gelesen, denn ein einziges Lesen reichte mir nicht aus, um alles zu entdecken - und vermutlich reichen auch die beiden Male nicht. Mehr als ein Fantasybuch ist es in jedem Fall, denn wenn ein Roman es schafft, einen zum Lachen zu bringen und zu Tränen zu rühren, sich die Augen zuhalten zu wollen und zum Nachdenken bewegt - dann hat er viel erreicht. Und genauso ist es mir mit diesem Buch ergangen.

    Ich wünsche dem Buch viele Leser, denn welcher Büchernarr mag nicht eintauchen in das wundersame Buchland? Von mir gibt es jedenfalls auch für diesen zweiten Band der Trilogie eine unbedingte Leseempfehlung!

    © Parden

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 31. Okt 2016 

    Rückkehr ins Buchland

    Dies ist das zweite Buch über das Buchland und Beatrice.
    Beatrice hat das Antiquariat von Herrn Plana übernommen, ihr Mann Ingo ist wieder gesund und sie könnte zufrieden sein. Doch noch immer ist ist sie in ihrer Trauer um ihre verstorbene Tochter gefangen.
    Doch dann taucht der kuriose Ladenbesitzer Quirinus zusammen mit dem Mädchen Chaya auf, die ihr Leben durcheinanderwirbeln. Quirinus macht ihr schliesslich ein Angebot, dass Beatrice nicht ablehnen kann . Gemeinsam machen sie sich auf den Weg zum Buchland.

    Mehr möchte ich vom Inhalt nicht verraten, denn von Kapitel zu Kapitel wird die Geschichte mysteriöser und neue Fragen tun sich auf.

    Das Buchland hat mich auch wieder ganz schnell in seinen Bann gezogen. Dort trifft man allerlei auffällige Gestalten, sogar Gevatter Tod. Auch auf einem Thesaurus kann dort geritten werden.

    Und die Wortspielereien , die ins Buchland passen, sind einfach großartig und dürfen durchaus wörtlich verstanden werden.

    „Er rang mit den Worten....Zeilen umspannten ihn wie Schnüre.... Fesselnde Lektüre hinderte ihn daran weiterzumachen.“

    Doch auch Spannung bis zum Ende und eine Portion Humor finden sich in diesem Roman.

    Ich habe dieses Buch in einer Leserunde mit dem Autor gelesen und dadurch viele Hintergrundinfos erhalten. Fast jedes Kapitel wartet mit etwas Besonderem auf. Die wichtigsten Infos werden am Ende im Glossar erläutert.

    Diesen Roman sollte man nicht einfach von Seite zu Seite, oder Zeile für Zeile, sondern Wort für Wort lesen. So viele schöne Worte stecken in diesem Buch!

    Man spürt beim Lesen, wie viel Herzblut der Autor reingesteckt hat und welch intensive Recherchen nötig waren.

    Empfehlenswert ist es ,vor der Lektüre von „Beatrice“ erst “Buchland“, den ersten Band , zu lesen.

    Ich habe diesen bezaubernden, großartigen und besonderen Roman mit viel Genuss gelesen. Und es wird definitiv eines der wenigen Bücher sein, die ich ein zweites Mal lesen werde, damit ich auch wirklich alle Einzelheiten wahrnehme.

    Jetzt bleibt mir nur noch, mich auf den dritten Teil des Buchlandes zu freuen!

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 29. Okt 2016 

    Die Krümmung der Fiktion

    Nach ihren Abenteuern im Buchland leben Beatrice und Ingo relativ zufrieden. Beatrice führt ihren schönen Buchladen, doch ins Buchland steigt sie nicht so oft hinunter. Es scheint etwas Leben in die Nachbarschaft zu kommen als ein Kuriositätenladen eröffnet wird. Der Besitzer Quirinus zeigt Interesse an Beatrice und ihrem Buchgeschäft. Sollte er etwas im Schilde führen? Als er Beatrice bittet, auf seine kleine Cousine Chaya aufzupassen, denkt sie sich nichts weiter dabei. Das Kind wirkt nett, allerdings ein wenig seltsam. Doch Chayas großes Interesse an Büchern macht sie unbedingt sympathisch. Jedenfalls bis das erste verliehene Buch in so bestürzendem Zustand zurückkommt, dass es Beatrice beginnt im Nacken zu kribbeln wie ein Unheil, das seine Vorboten schickt.

    Noch einmal beschäftigt sich Beatrice mit ihrem Buchland. Auf welchen Weg wird sie sich begeben? Wird sie sich von Quirinus auf einen Pfad leiten lassen, von dem sie später bedauern wird ihn eingeschlagen zu haben? Steht es zwischen ihr und Ingo wirklich so gut? Welche Bedeutung bekommt die kleine Chaya für Beatrice, was projiziert sie in das Bild des Kindes hinein? Eine abenteuerliche Reise durch die Unendlichkeit des Buchlandes beginnt. So lernen wir zum Beispiel den blinden Buchbinder Markus kennen und Herrn Bünde und den Thesaurus und etliche weitere skurrile Gestalten.

    Es fühlt sich an wie das Beschreiten eines Weges. Beatrice hat mit der Tragik ihres Lebens nie abgeschlossen. Sie hat Ingo geholfen und sich vielleicht selbst vergessen. Doch nun muss sie sich auf den Weg machen. Wie es einem jeden ergehen kann, durchschreitet Beatrice ein Tal, doch als Leser wird man von der Hoffnung geleitet, dass doch eigentlich immer das Gute gewinnt. Und so nimmt man Seite für Seite dieser vor Ideen und kleinen Anekdoten strotzenden Geschichte auf. Beinahe als ob man selbst das Buchland durchwanderte. Viele Sätze habe eine doppelte Bedeutung oder beinhalten Hinweise, die zum darüber sprechen oder zum googeln einladen. Mit diesen schönen Buch ist man nach der ersten Lektüre gewiss nicht fertig, viele interessante Kleinigkeiten wollen wieder und wieder entdeckt werden. Wirklichkeit und Fantasy sind zu einer außerordentlich stimmigen Geschichte verwoben, die zum Glück im dritten Band weitergehen wird.

    4,5 Sterne

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 27. Okt 2016 

    Traumhafte Fortsetzung

    Beatrice - Rückkehr ins Buchland ist der zweite Teil einer fantastischen Trilogie von Markus Walther aus dem Hause acabus

    Nach dem ich den ersten Teil, Buchland, schon verschlungen habe, war sehr schnell klar, dass ich die Fortsetzung unbedingt lesen möchte. Ich wollte den Zauber des ersten Bandes wieder einfangen, und die Bücher wieder wispern hören. Noch dazu sind mir die Charaktere ans Herz gewachsen und die ein oder andere Frage sollte für mich noch geklärt werden. Oftmals habe ich bei Fortsetzungen das Gefühl, dass sie nicht an ihren Vorgänger heranreichen. Aber soviel sei gesagt, diese Sorge war vollkommen unbegründet.

    Zur Geschichte: Beatrice Liber hat das Antiquariat ihres Vorgängers, Herrn Plana, übernommen. Herr Plana zeichnete sich als Auktoral aus, er war sozusagen der Hüter der Bücher, aller Bücher. Das bezaubernde Buchland, dass sich im Keller des Antiquariats befindet, gehört nun in Beatrice Aufgabenbereich. Sie soll eine Fortsetzung ihres Buches schreiben, doch leider fühlt sie sich dazu momentan nicht in der Lage. So überschattet nach wie vor der frühe Tod ihrer Tochter Rachel, Beatrice Leben, und das ihres Mannes Ingo.
    Als ein Kuriositätenhändler namens Quirinus ein Geschäft in der Nähe des Antiquariats eröffnet, gerät Beatrice in seinen Bann, denn er bietet ihr etwas an, dem sie nur schwer widerstehen kann. Doch Quirinus verlangt von Beatrice etwas, was das gesamte Gefüge von Beatrice Welt und der des gesamten Buchlandes durcheinander bringen könnte. Wird Beatrice stark genug sein, das Richtige zu tun?

    In diesem Teil vereint der Autor Markus Walther wieder einmal viele interessante Anekdoten, und Wortspielerein. Es gibt fast nichts, was nicht eine tiefere Bedeutung hat. Man muss zwischen den Zeilen lesen, um alles interessante zu erfassen. Es macht soviel Spaß der Geschichte zu folgen und nebenher auf die Suche zu gehen nach den Schätzen die Markus Walther für den Leser eingebaut hat.

    Die Charaktere sind teilweise aus dem ersten Band vertraut. Aber auch einige neue und ebenso interessante sind dazugekommen. So zum Beispiel auch das Mädchen Chaya, dessen Herkunft den Leser erstmal vor ein Rätsel stellt. Herr Bünde ist mein persönlicher Favorit in diesem Buch. Es war herzzerreißend erfrischend, wenn er die in Vergessenheit geraten Wörter nutzte. Noch dazu hat er manch eine wichtige Weisheit in liebevolle Sätze gepackt, und sie Beatrice mit auf ihren Weg gegeben.
    Es gibt noch weitere bezaubernde Figuren, aber der Leser darf sich nicht täuschen lassen, denn das Böse lauert auch im Buchland in Gestalt von.....nein, das wird nicht verraten.

    Beatrice-Rückkehr ins Buchland ist für mich ein Buch, dass ich definitiv nicht nur einmal lesen werde. Es hat mir zum einen sehr gut gefallen, zum anderen habe ich nach wie vor das Gefühl, die ein oder andere Sache überlesen zu haben. Ich denke, dieses Buch kann mich ein weiteres Mal fesseln. Der beste Anlass es erneut zu verschlingen, könnte das Erscheinen des dritten Teils sein, der auf jeden Fall einen Platz in meinem persönlichen Buchland erhalten wird.

    Ich durfte dieses Buch im Zuge einer Leserunde genießen, die vom Autor persönlich begleitet wurde, und möchte mich hiermit beim Autor Markus Walther und dem acabus -Verlag für das Leseexemplar bedanken, es war eine unvergessliche Erfahrung.