Auto

Rezensionen zu "Auto"

  1. Busch braucht Zeit

    „Und genau das brauchte er. Mehr Zeit." (S. 186/187). Aber für was eigentlich? Das weiß Busch auch noch nicht so genau. Seine Vertretertätigkeit hat er gekündigt, seine Wohnung nutzt er nur noch für die allernötigsten Dinge. Er zieht in seinen alten, nicht mehr fahrtauglichen Mercedes, der auf dem Hof steht und beschließt, nur noch absolut erforderliche Bewegungen auszuführen. Er verordnet sich ein Höchstmaß an Stillstand. Die Situation ist skurril, Busch ein verschrobener Typ, der keiner Ameise etwas zuleide tun möchte, nicht mehr weiter weiß und völlig blockiert ist. Stück für Stück erfahren wir einzelne Schnipsel aus seinem vergangenen Privat- und Berufsleben. Aus dem Auto heraus beobachtet Busch sehr genau seine Umgebung im Hof, seine Nachbarn und zufällig vorbeikommende Passanten. Er denkt über die Ameisen am Nachbargrundstück ebenso nach wie über die Löcher im Dach seines Mercedes und über den Sinn des Lebens. Verhaltensregeln, die er sich selbst stellt, geben ihm Orientierung in dieser schwierigen Zeit. Letztendlich hofft Busch, dass der Stillstand ihm zeigen wird, wie es weitergehen kann. Regelrecht irritierend gestalten sich die Beziehungen zu seiner Ehefrau und seinem Sohn, deren mündliche Kommunikation fast vollständig zum Erliegen gekommen ist.
    Auto ist ein klug komponierter, fragmentarischer Roman, der dazu einlädt über das Leben in unserer Gesellschaft nachzudenken. Beim Lesen war ich oft traurig, musste aber auch des öfteren schmunzeln und manchmal einfach nur innerlich den Kopf schütteln. Vieles bleibt in dieser Geschichte offen und wird nicht auserzählt. Das ist meiner Meinung nach zugleich Schwäche und Stärke des Romans. Das Ende besticht durch seine traurige Poesie. Ich hätte mir jedoch sehr gewünscht zu wissen, wie es mit Busch weitergeht. Aber gerade diese Offenheit schafft zugleich den Raum für eigene Gedanken und führt letztendlich dazu, sich mit Buschs Ansichten und seiner Situation tiefer auseinanderzusetzen.

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