Aus Syrien geflüchtet: Ein autobiografischer Jugendroman

Rezensionen zu "Aus Syrien geflüchtet: Ein autobiografischer Jugendroman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 13. Mär 2018 

    Seif: ein junger Mann aus Syrien

    Der Verlag an der Ruhr gibt in seiner Reihe K.L.A.R. reality jungen Menschen eine Stimme und spricht dabei verschiedene wichtige Themen an. Die autobiographischen Geschichten stammen ungefiltert mitten aus dem Leben, so dass jugendliche Leser spüren:

    Hey, hier geht es nicht nur um irgendwelches Zeug für die Schule, was eh kein Mensch braucht... Das ist echt. Das könnten meine Freunde sein – das könnte ich sein!

    In diesem Buch kommt der junge Seif aus Syrien zu Wort, der dem Leser von seinen Erlebnissen vor, während und nach der Flucht erzählt. Wie ist das, sein Heimatland, Freunde und Familie zurücklassen zu müssen? Wie fühlt sich das an, wenn man in einem überfüllten Schlauchboot übers Meer treibt? Wie lange kann man geduldig und hoffnungsvoll bleiben, wenn es immer wieder heißt: warten, warten, warten... Wenn das Leben erstmal nicht normal weitergehen kann, egal, wie sehr man sich anstrengt?

    Die meisten Schüler kennen das Thema Flucht und Migration sicher aus Medien und Elternhaus, werden dabei aber vielfach auf Vorurteile, Misstrauen oder sogar Hass gestoßen sein. Wie oft hört man Behauptungen wie zum Beispiel die, die meisten Flüchtenden wären ja gar nicht wirklich auf der Flucht, sondern wollten sich in Deutschland nur ein leichtes Leben auf Kosten der Steuerzahler machen – oder so arm könnten sie ja nicht sein, wenn sie sogar Smartphones dabei haben!?

    Umso wichtiger ist es, dass jemand wie Seif zu Wort kommt, für den die Flucht nach Deutschland wirklich nichts ist, was er sich selber aus freien Stücken ausgesucht hätte, der aber kaum eine andere Wahl hatte. Er will niemandem auf der Tasche liegen, er bemüht sich sehr, Deutsch zu lernen und sich zu integrieren, und einfach ist das alles ganz sicher nicht... Auf der Flucht ist ein Smartphone übrigens kein Luxus, sondern eine unentbehrliche Möglichkeit, mit der Familie in Kontakt zu bleiben!

    Seif erzählt sehr sympathisch, man kann sich alles gut vorstellen. Dabei berichtet er zwar nicht detailliert von Gewalt und Grausamkeiten, so dass sich das Buch auch für Kinder ab 12 Jahren eignet, man spürt aber trotzdem, wie schwer das alles für den Jugendlichen ist. Ich konnte zum Beispiel seinen Frust oft sehr gut nachvollziehen, wenn er doch eigentlich nur alles richtig machen will, aber dabei eine Barriere nach der anderen überwinden muss!

    Die Geschichte wird in einfacher, klarer Sprache erzählt, mit groß gedruckten Buchstaben und relativ kurzen Sätzen. Denn das Buch soll ja gut lesbar sein für Jugendliche aller Schularten und auch für Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache geeignet sein.

    Ich kann es mir sehr gut als Schullektüre vorstellen – vor allem auch (aber nicht nur) in Klassen, an denen junge Flüchtende teilnehmen. Das Buch könnte zu einem wichtigen Dialog führen, ein erster Schritt zur Annäherung sein!

    Ich empfinde ganz großen Respekt vor diesem jungen Autor, der von sich aus entschied, seine Geschichte erzählen zu wollen und sich damit an die Autorin Anette Weber wandte.