Aus dunklen Federn 2

Rezensionen zu "Aus dunklen Federn 2"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 20. Mai 2016 

    Tolle Anthologie

    Gänsehaut und Horrorfreuden: Erleben Sie zum zweiten Mal Schauergeschichten, feinsinnigen Splatter und finstere Fantasien Aus dunklen Federn. Ein Forschungstrupp kommt vom Wege ab. Ein Mann fährt zum Klassentreffen, doch sucht er dort keine alten Freunde. Ein freundliches Ehepaar will nicht länger die Schikanen ihres sadistischen Nachbarn hinnehmen. Sie alle ahnen nicht, welch grausame Folgen dies haben wird. Die Bestsellerautoren Markus Heitz und Kai Meyer, Thomas Finn, Boris Koch und viele andere öffnen die Türen der Realität und entfesseln in ihren Horrorgeschichten die ungeahnten Schrecken, die in der Dunkelheit lauern. Ein faszinierendes, abgründiges Lesevergnügen für alle, denen Rabenschwarz lieber ist als Feenrosa. Untermalt werden die Geschichten von den Titelbildern, die von den Autoren individuell selbst gestaltet wurden. (Quelle Amazon)

    Da ich von "Aus dunklen Federn 1" so begeistert war, schickte mir die Herausgeberin Sonja Rüther auch den 2. Band zu. Vielen herzlichen Dank dafür. Und was soll ich sagen? Sie hat mit der Auswahl der Autoren und deren Geschichten den ersten Band noch übertroffen. Das hätte ich wirklich nie für möglich gehalten, denn Band 1 war grandios.

    Optisch ist das Buch wieder ein wahrer Schatz. Das Cover lässt sofort erkennen, dass es zum ersten Band gehört und man weiß auch gleich, auf was man sich einlässt. Zuerst gibt es ein Vorwort mit gemaltem Bild von der Herausgeberin Und dann geht es los. Vor jeder Geschichte hat der Autor oder die Autorin wieder ein passendes Bild gezeichnet. Das finde ich total klasse und es macht echt etwas her. Ich wusste gar nicht, dass einige der Schreiberlinge auch begnadete Zeichentalente sind. Zum Beispiel ist Christian von Aster ein wahrer Zeichenkünstler.

    Die Geschichten sind durchweg gut und richtig spannend. Ich war traurig als das Buch gelesen war und hoffe, dass diese tolle Anthologie jetzt regelmäßig erscheinen wird und sich immer wieder tolle Autoren dafür finden.

    Die Anthologie startet mit einer sehr kurzen Geschichte von Hanka Jobke, auf die ich nicht näher eingehen möchte, weil sie wirklich sehr kurz ist.

    Danach kommt "Der Groll" von Chrisian von Aster, die mich wirklich richtig begeistert hat. Da zieht eine junge Familie in ein kleines Dorf, damit die Kinder nicht in der Stadt aufwachsen müssen und dann haben sie ausgerechnet den schlimmsten Nachbarn, den man sich vorstellen kann. Was also tun?

    Es folgt "Photosynthese" von Nicole Zöllner. Die Geschichte war so richtig verrückt und genau nach meinem Geschmack. Es gibt schon miese und verrückte Lehrer. Da kann jeder Schüler ein Lied von singen. Aber der Lehrer in der Geschichte, den wünsche ich wirklich keinem.

    Einer meiner Lieblingsgeschichten ist "Meister Calamitas' erstaunliche Kuriositäten" von Thomas Finn. Eine tolle phantastische Geschichte, die ich gerne als ganzen Roman gelesen hätte. So bildhaft geschrieben, dass ich mitten drin statt nur dabei war.

    "Der flüssige Bob" von Vincent Voss hielt, was der Name des Autors verspricht. Eine Horrorgeschichte vom feinsten mit schönen Ekelmomenten. Was nicht alles passieren kann, wenn man in Ecuador unterwegs ist und nicht auf seine Führer hört.

    "Gesprächsfetzen" von Markus Heitz, war eine tolle phantastische Geschichte mit Horrorelementen. Ich werde mich jetzt jedenfalls von alten Telefonzellen fern halten

    "Im Haus des toten Clowns" von Boris Koch war so richtig nach meinem Geschmack. Düster, blutig, spannend.

    Danach folgte "Mein anderes ich" von Stephan Cernohuby. Es geht um einen Schriftsteller und sein Pseudonym, das ihm irgendwann lästig wird. Hat mich ein wenig an "The Dark Half" von Stephen King erinnert. Das Ende hat mich richtig begeistert.

    "Elefantenfriedhof" von Sonja Rüther war so richtig schön fies. Da möchte man nicht so schnell alt werden. Die Story hat mich noch sehr lange zum Nachdenken gebracht. Großartig, böse und eklig.

    Noch eine total großartige Geschichte ist "Chupa" von Thomas Lisowsky. Ein Mädchen, das die Ferien ganz allein verbringen muss, weil die Freundinnen alle weggefahren sind und die Mama ist auf Städtereise. Doch dann bekommt sie sehr ungewöhnlichen Besuch.

    Kai Meyer hat die Geschichte "Schau hin" geschrieben. Sehr mysteriös und unheimlich.

    Hanka Jobke hat noch eine längere Geschichte beigesteuert. "Die Welt am Abgrund. Ich muss gestehen, dass ich in so einer Welt nicht leben möchte. Kalt, unfreundlich ohne Wärme, Liebe und Geborgenheit. So erschien es mir jedenfalls. Aber lest selbst...

    Danach folgen noch 4 Bonusgeschichten.
    Die Erste heißt "Der Schrei" und ist wieder von Thomas Finn. Sie handelt von einer phantastischen Welt in der die Feen noch existieren. Genial

    Die Zweite ist nochmal von Boris Koch. "Die Hexe und der Folterknecht" ist so kurios. Ich habe echt lachen müssen. Was für eine schräge Idee. Danke dafür.

    Dann folgt noch eine Geschichte von Vincent Voss mit dem Titel Frühlingserwachen. Was soll ich dazu schreiben? Sie handelt unter anderem von Spinnen und ist, wie man es vom Autor kennt, nichts für Weicheier. Ich finde sie klasse.

    Die letzte Bonusgeschichte kommt nochmal von der Herausgeberin Sonja Rüther, die auch als Autorin eine sehr gute Figur macht. Ich liebe ihre Thriller. Aber auch die Kurzgeschichte "Peter" kann sich sehen lassen. Wie ist das, wenn man morgens aufwacht und stellt plötzlich fest, dass man Tod ist? Auch diese Geschichte ließ mich schmunzeln.

    "Aus dunklen Federn 2" hat mich wieder hervorragend unterhalten und Sonja Rüther hat ein weiteres mal bewiesen, welch glückliches Händchen sie bei der Auswahl von Autoren und ihren Geschichten hat. Durchweg alle Geschichten konnten mich begeistern und das kommt bei Anthologien doch eher selten vor.

    Ich vergebe 5 von 5 Punkten, den Favoritenstatus und eine Leseempfehlung für alle Horrorfans und Fans von Anthologien. Ich hoffe, dass es bald "Aus dunklen Federn 3" geben wird und dass die Bücher viele Fans finden werden. Das haben sie auf jeden Fall verdient.

    © Beate Senft

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 24. Apr 2016 

    Etwas Feines für die dunkle Seite in uns!

    Manchmal bekomme ich beim Kochen merkwürdige Anwandlungen. Da ist ein Kohlkopf auf einmal kein Kohlkopf mehr, das Messer wird zu "kaltem Stahl in meiner Hand", und ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn ..... Schluss mit dem Kopfkino!
    Ich bleibe lieber beim Lesen. Denn die Horror-Anthologie "Aus dunklen Federn 2", herausgegeben von Sonja Rüther im Briefgestöber Verlag, liefert ausreichend Nervenkitzel, um mein Bedürfnis nach Grusel und Horror zu befriedigen.

    Sonja Rüther hat es mal wieder geschafft. Nach dem Erfolg der Horror-Anthologie "Aus dunklen Federn", die Ende 2014 erschienen ist, hat sie nun einen würdigen Nachfolger herausgebracht: Aus dunklen Federn 2. Wieder konnte sie einige ihrer Autorenkollegen und -freunde "überreden", bei dieser Anthologie mitzumachen. Das Ergebnis sind 16 Geschichten, die meine Horror-Lust mehr als befriedigen. Allen Autoren gelingt es, Horror unterschiedlich zu interpretieren. Die Vielfältigkeit kennt dabei keine Grenzen.

    Und genau wie in "Aus dunklen Federn" Teil 1, musste auch jeder Autor seinen zeichnerischen Beitrag leisten. Jeder Geschichte ist eine Zeichnung des Autors, der sie geschrieben hat, vorangestellt. Und die Damen und Herren der schreibenden Zunft haben sich dabei richtig Mühe gegeben, die Ergebnisse können sich sehen lassen. Zeichnungen aus der eigenen dunklen Feder des Autors - persönlicher geht es fast nicht mehr!

    "Erst war nur ein leises Quietschen zu hören. Dann kamen zwei Räder mit angerosteten Speichen zum Vorschein, als sich ein verzogener alter Rollstuhl aus der Tür schob. Zwei sehnig faltige Hände griffen in die Räder, trieben sie voran, bis die verkrüppelten Beine gegen das Geländer der Veranda stießen. Und da hockte er, der kleine, böse, alte Mann, die Flinte auf dem Schoß und funkelte böse zu den Hartmanns rüber." (S. 17, aus "Der Groll" von Christian von Aster)

    Die Geschichten spielen überall: im Grünen, in der Schule, im Märchen, in Ecuador, in einem selbst, in Büsum, in der Zukunft ...
    Die Charaktere in den Geschichten können Leute wie du und ich sein, aber auch Exoten wie Folterknecht, Feen, Hexen, Zombie und Lehrer (Ups!)
    Eine bunte Mischung also, es wäre doch gelacht, wenn man sich in dem einen oder anderen nicht wiederfinden könnte.

    Was macht diese 16 Geschichten so schön schaurig? Jede Geschichte hat ihren eigenen Horror-Style. Es wird mit Gefühlen gespielt: ob Unbehagen, ohnmächtiger Zorn oder lähmendes Entsetzen; Ekel, Schmerz oder Todesangst. Es gibt Geschichte, die märchenhaft geschrieben sind, ... oder die Ähnlichkeit mit einer Abenteuergeschichte haben. Es gibt die Horror-Dystopie und es gibt die pythoneske Geschichte, die so herrlich schräg und absurd ist, dass man sie ohne weiteres in einem Monty Python-Film wiederfinden könnte. Für jeden Horror-Gusto ist also etwas dabei.

    "Er ging gebeugt und sehr langsam, und seine kleinen runden Augen wirkten in dem faltigen Gesicht wie graue Kieselsteine, die man auf knittriges Leder geklebt hatte. Er schwitzte wie ein Tier. Und sein Schweiß war wie Gelee. Zähflüssig rutschte er ihm in großen Tropfen über die Stirn und klatschte in dicken Klümpchen auf sein Hemd. Seine Haare hatten einen unerklärlichen Grünstich und standen starr von seinem Schädel ab. Kleine Zuckerkristalle hingen in seinen Mundwinkeln, und als er den Mund öffnete, war es, als würde er mit jedem Atemzug die Luft in Sirup verwandeln." (S. 48 f., aus "Photosynthese" von Nicole Zöllner)

    Viele Geschichten in dieser Anthologie haben den alltäglichen Horror zum Thema. Gerade diese Geschichten aus dem Alltag zeigen ihre besondere Wirkung auf den Leser. Man möchte eigentlich gar nicht daran denken, dass es oft nur ein kurzer Moment ist, der die eigene Komfortzone in ein Horror-Szenario verwandeln kann. Und auf einmal ist nichts mehr wie es war. Allein die Vorstellung, was einem alles passieren kann, lässt einen schaurig schön schaudern.

    "Denn es sind immer die dunklen Geschichten, die sich festsetzen." (S. 215, aus "Im Haus des toten Clowns" von Boris Koch)

    Wenn man zum Ende dieser Anthologie kommt, hat man das Gefühl, gerade eine Achterbahnfahrt hinter sich gebracht zu haben. Herzklopfen, mulmiges Gefühl in der Magengegend, Adrenalin in allen Poren. Der Nervenkitzel war einfach großartig. Und das ist genau das, was gute Horrorliteratur ausmacht. Der Leser soll sich fürchten und gruseln, seine Fantasie muss mit ihm durchgehen. Und wenn er das Buch zuklappt, muss er das Gefühl haben, dass er großartig unterhalten worden ist. Ein herrliches Gefühl, das fast schon etwas Befreiendes hat! "Aus dunklen Federn 2" hat mir genau dieses Gefühl beschert. Daher: Klare Leseempfehlung!

    © Renie