Aus der Mitte des Sees

Buchseite und Rezensionen zu 'Aus der Mitte des Sees' von Moritz Heger
3.85
3.9 von 5 (6 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Aus der Mitte des Sees"

Eine Benediktinerabtei, idyllisch an einem See gelegen. Ihr Gastflügel ist gut besucht, doch die meisten Mönche nähern sich dem biblischen Alter. Gerade hat einer der jungen das Kloster verlassen und eine Familie gegründet. Seither stellt auch Lukas, Ende dreißig, seinen Lebensweg in Frage. Da taucht Sarah auf, aufmerksam, zugewandt und körperlich. Um zu einer Entscheidung zu finden, überlässt sich Lukas dem See: Beim Schwimmen öffnen sich Körper und Geist.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:256
EAN:9783257071467

Rezensionen zu "Aus der Mitte des Sees"

  1. Eine Sinnsuche

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 04. Mai 2021 

    Lukas ist Mönch und lebt schon lange im Kloster Maria Laach. Es gibt nur wenige junge Mönche wie ihn im Kloster. Als sein Mitbruder und Freund das Kloster wegen einer Frau verlässt, stürzt dass Lukas in eine Sinnkrise. Er denkt unentwegt nach. Dabei kommen die Erinnerungen und er grübelt über seine Entscheidung Mönch zu werden nach. In dieser Zeit voller Zweifel begegnet er Sarah, die für eine Auszeit ins Kloster gekommen ist. Die beiden führen angeregte Unterhaltungen und die Fragen werden drängender. Das Schwimmen im Laacher See soll Lukas Klarheit bringen, da es den Körper fordert und den Geist öffnet.
    Die Geschichte verläuft sehr ruhig und ich habe ein bisschen Zeit gebraucht, um mich einzulesen. Der Schreibstil mit vielen Sprüngen, die nicht immer gleich zu erkennen sind, machte es mir nicht leicht. Doch dann hat mir das Buch gefallen und ich konnte mich auch gut auf die philosophischen Aspekte einlassen. Dabei geht es nicht vorrangig um Religion, sondern in erster Linie um das Leben.
    Lukas ist ein grüblerischer Mensch. Er hat einst eine Entscheidung getroffen und wird nun durch den Weggang seines Freundes dazu gebracht, darüber nachzudenken ob er wirklich den richtigen Weg gewählt hat. Dabei schweift er aber auch immer wieder ab und macht sich über alles Mögliche Gedanken.
    Eine interessante, nachdenklich stimmende Geschichte.

  1. Grandios

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 28. Mär 2021 

    !ein Lesehighlight 2021!

    Klappentext:

    „Eine Benediktinerabtei, idyllisch an einem See gelegen. Ihr Gastflügel ist gut besucht, doch die meisten Mönche nähern sich dem biblischen Alter. Gerade hat einer der jungen das Kloster verlassen und eine Familie gegründet. Seither stellt auch Lukas, Ende dreißig, seinen Lebensweg in Frage. Da taucht Sarah auf, aufmerksam, zugewandt und körperlich. Um zu einer Entscheidung zu finden, überlässt sich Lukas dem See: Beim Schwimmen öffnen sich Körper und Geist.“

    Moritz Heger hat mit „Aus der Mitte des Sees“ einen unheimlich ruhigen Roman geschaffen. Man muss erst mit Lukas warm werden, ihn versuchen zu verstehen...das fällt nicht immer leicht für den Leser, denn die Ruhe, die Hegers Zeilen ausstrahlen, sind schon fast unheimlich. Fragt sich, ob die Menschheit mit dieser Ruhe überhaupt noch umgehen kann?! Ich konnte es sehr gut, aber es wird mit Sicherheit auch andere Leser geben, die das anders sehen...Protagonist Lukas zeigt es uns jedenfalls mit gekonnter Art und Weise wie es sich für ein Klosterleben eben gehört...bis Sarah auftaucht...Als Leser ahnt man was kommen könnte, man vermutet was passieren könnte und wird schlussendlich dann doch vom Autor eines besseren belehrt. Chapeau! Natürlich ist dieser Roman ruhig! Aber wie sonst geht es denn in einem Kloster zu bzw. was machen denn die Mönche den ganzen Tag hauptsächlich?! Eben! Schweigen, mit sich selbst sein/reden/denken, mit sich ins reine kommen etc. und genau diese Stimme hat Moritz Heger für meine Begriffe äußerst gekonnt und stilsicher hier zusammengesetzt und mit Lukas einen perfekten Darsteller inszeniert. Seine Monologe sind der rote Faden und der stillste Faden zugleich. Diese Geschichte ist wie ein Meditation für die Seele - 5 von 5 Sterne!

  1. Wenn lesen sich wie Meditation anfühlt...

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 27. Mär 2021 

    Mich hat die ruhige Ausstrahlung des Romans angesprochen, weshalb ich mehr erfahren wollte. Gespannt begann ich zu lesen.

    In der Geschichte geht es um den jungen Mönch Lukas, dessen Mitbruder Andreas gerade das Kloster verlassen hat. Was macht das mit ihm? Bekommt er Zweifel, ob seine damalige Entscheidung richtig war? Und dann taucht plötzlich eine Frau auf, die seine Welt auf den Kopf stellt.

    Das Besondere an dem Roman ist seine enorme Ruhe, die er ausstrahlt. Da kann man gut bei runterkommen und sich vom stressigen Alltag ablenken. Allerdings sorgte dies gleichzeitig dafür, dass kein richtiger Lesefluss aufkommen wollte. Auch die ständigen Gedankensprünge trugen nicht dazu bei, dass man im Flow bleibt.

    Zu Lukas fand ich nur bedingt Zugang. Lange lässt er den Leser im Dunklen bezüglich seiner Gefühle. Natürlich hat er dadurch etwas Mysteriöses, aber mich konnte das nicht so recht catchen.

    Mein persönliches Highlight war das Auftauchen von Sarah. Sie bringt endlich Schwung in das ruhige Klosterleben und Lukas mächtig ins Wanken. Ich mochte sehr wie sie durch ihre Natürlichkeit und ihre kecke Art den Mönch um den Finger wickelt.

    Besonders empfand ich die Zeit am See. Nur zu gern würde man selbst ins kühle Nass abtauchen. Und mir ist es auch sehr oft so ergangen, dass ich beim Schwimmen gut abschalten und entspannen konnte.

    Fazit: Ein Roman, der auf sehr leisen Sohlen daher kommt. Das muss man mögen, sonst liest es sich schnell langweilig oder etwas fad. Ich kann daher nur bedingt eine Leseempfehlung aussprechen.

  1. Aus der Mitte des Sees sind alle Ufer gleich weit entfernt.

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Mär 2021 

    Was habe ich mir von diesem Buch erwartet, das die "wesentlichen Dinge des Lebens in einem Benediktinerkloster [in der Eifel] zur Sprache bringen will"? Große Weltproblemlösungsstrategien wohl kaum, doch eher eine persönliche Entscheidung des fast vierzigjährigen Bruder Lukas, dessen Leben vor einem Scheideweg steht. Soll er Führungsaufgaben in der aussterbenden Bruderschaft übernehmen, oder soll er, wie sein bester Freund und Mitbruder, austreten und eine Familie gründen?

    Der Schritt seines Freundes in die Außenwelt bringt Lukas festgefügte Welt ins Wanken. Seine Auszeiten am See, in denen er beim Schwimmen seinen Gedanken Raum gibt, werden jäh unterbrochen von Sarah. Sie erzählt Lukas von ihrem Leben und in seine Seelsorgeaufgaben mischen sich plötzlich Sehnsüchte.

    Der Autor fokussiert sich in seiner Geschichte fast ausschließlich auf Lukas Gedankenwelt, die in nacherzählten Ergeignissen, aber hauptsächlich in inneren Monologen stattfindet und an seinen Freund Andreas, dessen Frau Juliane, dann aber fast ausschließlich nur noch an Sarah gerichtet sind.

    Moritz Hegers Sprache pflegt so schöne Sätze wie "Schritte ohne Strecke, sind Tritte.", oder "Ein Abstand, den man leugnet, ist ein Abgrund.", können aber, bei allen sonstigen Kalamitäten im Kloster, nicht darüber hinwegtäuschen, dass es im Wesentlichen wohl auf die Debatte des Zölibats hinausläuft. Zwiegespalten zwischen homoerotischen Betrachtungen, körperlicher Begierde und Verpflichtung in einer Partnerschaft, wartet das Ende mit einer Überraschung auf, welches zumindest meine Fragen nicht alle beantworten konnte.

    Ein streitbares und zugleich kontemplatives Buch, voller schöner Betrachtungen, aber auch eben einer sehr "männlichen" Sicht auf das Leben, mit all seinen Konsequenzen. Und ein Buch, welches erst im Nachhinein seine volle Wirkung entwickelt, wie ich finde.

  1. Ein etwas anspruchsvollerer Roman

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 25. Feb 2021 

    Lukas der in einem Benediktinerkloster als Mönch lebt stellt das Leben so wie er es führt in Frage . Sein Mitbruder Andreas , der jüngste , hat vor kurzem wegen der Liebe das Kloster verlassen . Jetzt sind nur noch sechzehn Mönche übrig , davon die meisten im gesetzteren Alter . In diesen Tagen lernt Lukas Sarah kennen .

    Der Schreibstil ist mir sofort aufgefallen : Ruhig , fast schon poetisch , sehnsuchtsvoll und im Briefstil . Die Spannung zieht sich wie eine gespannte Schnur durch das Buch , es gab für mich kein auf und ab . Die Protagonisten sind glaubwürdig dargestellt .

    Fazit : Es wird aus Sicht des Benediktiner Lukas erzählt und zwar so als ob er einen langen Brief an die mitwirkenden Personen schreibt . Auf den ersten Seiten musste ich mich erst mal auf den doch für mich ungewöhnlichen Schreibstil einstellen . Ich war erst ein wenig skeptisch deswegen aber nach und nach bin ich immer besser hineingekommen . Zwischendurch zieht sich dieser Roman aber in die Länge . Es gibt insgesamt wenige Protagonisten die mitwirken so bleibt die Geschichte sehr übersichtlich .
    Die einzelnen Kapitel umfassen vierzehn Tage .
    Es ist ein Buch das außer der Reihe liegt . Es ist eine Erzählung die tiefgründig und voller Fragen ist . Lukas liegt vieles auf der Seele . Unter anderem auch welchen Weg der junge Mönch einschlagen will oder soll . Er ist im Zwiespalt mit sich und der Welt und dem Leben was er gerade führt . Ich habe mich auf diese Geschichte ganz unvoreingenommen eingelassen aber mir hat sie dann doch nicht gelegen . Ich habe lange überlegt wie viel Sterne ich geben soll . Es war gar nicht so einfach , weil das Buch doch anspruchsvoller ist aber meine Richtung war es leider nicht .

  1. Zweifel und Suche

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 24. Feb 2021 

    Als ein Mitbruder das Kloster verlässt und eine Familie gründet, gerät Lukas nach 16 Jahren als Benediktiner in eine Sinnkrise.

    Benediktinermönch Bruder Lukas hat einen Freund und Mitbruder an die Welt verloren. Seit Andreas das Kloster verlassen hat und eine Familie gründete, ist Lukas im inneren Zwiespalt. Auf Nachrichten und Fotos von Andreas sucht er eine Antwort. Wie kann er unbeschwert schreiben, ihm Glück wünschen, wenn er sich doch alleingelassen, ja fast verraten fühlt?

    Diesen inneren Monolog beschreibt dieses Buch. Ich spüre die Kränkung, die Lukas fühlt, aber auch das Verstehen von Andreas‘ Entscheidung und damit auch einen Zweifel an der eigenen Existenz als Mönch. Rückzugsort für Lukas, der im Kloster als Gästebetreuer fungiert, ist der See mit seinem Steg, Dort schwimmt er nun täglich allein seit Andreas nicht mehr Teil der Gemeinschaft ist. Im Wasser, das ihn trägt, wie die Liebe Gottes, wie er erkennt, ringt er mit sich. War seine Entscheidung für das Klosterleben richtig, ist da nicht auch bei ihm ein Wunsch nach Familie, nach weltlicher Liebe, nach Zweisamkeit?

    Man taucht sehr intensiv in die Welt von Bruder Lukas ein, spürt sein Ringen mit Gott und das wirkt niemals aufgesetzt oder frömmlerisch. Es ist ein stilles Buch, das existenzielle Fragen zum Leben aufwirft, nie auf schnelle Erkenntnis setzt. Diesen Prozess, denn Lukas durchläuft, darf der Leser begleiten. Dazu kommen schöne, poetische Landschaftsbeschreibungen und Erinnerungen an Begegnungen mit Mitbrüdern und Weggefährten. Überhaupt hat mich die Sprache des Autors begeistert, da ist kein Wort, keine Beschreibung zu viel oder belanglos. In diese Geschichte kann man eintauchen.

    Was ist Klosterleben in unserer Zeit, wo Lukas mit knapp 40 der jüngste der Brüder ist und die Zahl der Mönche von Jahr zu Jahr sinkt. Ist es noch Hingabe und Kontemplation oder ist man ein Teil eines – wenn auch besonderen – Wirtschaftsbetriebs, mit Gästeflügel und Klosterladen?

    14 Tage lang begleitet der Roman Bruder Lukas und seine innere Kämpfe bis zu seiner Entscheidung. Eine stilles, lang nachwirkendes Buch, das viele Denkanstöße gibt.