Asphaltseele: Thriller

Buchseite und Rezensionen zu 'Asphaltseele: Thriller' von Gregor Weber
3.6
3.6 von 5 (5 Bewertungen)

»Mein Name ist Ruben Rubeck. Ich bin siebenundvierzig, sehe aus wie siebenundfünfzig und fühle mich manchmal wie siebenundachtzig. Geschieden, kinderlos und Kriminalkommissar, was in meinem Alter ein lächerlich niedriger Dienstgrad ist, aber das geht mir am Arsch vorbei. Ich komme zurecht. Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist mein Revier. Viele denken, ich würde da wohnen, weil es bei mir für mehr nicht reicht, weil ich mich im Dreck wohlfühle und mit meinem Gesicht sowieso nirgends sonst in Frankfurt eine Wohnung bekäme, aber das stimmt nicht. Ich hab’s einfach gerne nah zur Arbeit.«

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:240
Verlag: Heyne Verlag
EAN:9783453270206

Rezensionen zu "Asphaltseele: Thriller"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 29. Mär 2017 

    Raubein Ruben Rubeck

    Hier gilt die Devise, entweder mag man Ruben Rubeck, oder man hasst ihn. Etwas dazwischen wird es, glaube ich, nicht geben. Und ich? Ich mag ihn.
    Ruben qualmt wie ein Schornstein und säuft wie ein Loch. Am liebsten sitzt er seine Arbeitszeit im Büro ab und wehe ihm kommt einer quer, der hat nichts zu lachen. Dafür musste ich beim Lesen "leider" sehr viel lachen. Da ich viele Jahre in Frankfurt gelebt habe, weiß ich wie es im Bahnhofsviertel zugeht. Dieses Umfeld hat Gregor Weber ganz gut getroffen, wenn ich auch den "Schlabbekicker" nicht kenne, kann ich mir sehr gut vorstellen, wie diese Kneipe aussieht und das entsprechende Klientel das sich dort den Tag, den Abend oder die Nacht vertreibt. Leider lässt das frankforderische Gebabbel (der Dialekt), manchmal sehr zu wünschen übrig. Zudem sollte man wissen, das die rauhe Ausdrucksweise hier sehr hervor sticht, also ein Bahnhofsviertel-Jargon. Aber es passt hervorragend zur Umgebung des Thrillers und zu Rubeck's Sprüchen und seinem ganzen Verhalten.
    Das Buch ist in zwei Ebenen aufgeteilt. Einmal hier und heute in Frankfurt und dann erfolgen Rückblicke ins Jahr 1999 in einen KFOR-Einsatz im Kosovo. Ich hatte erst keinen richtigen Zusammenhang gesehen zwischen diesen Kapiteln, bis mit einem Satz und einer Namensnennung mir auf einmal alles klar wurde. Letztendlich hat sich ein logischer und runder Schluss gebildet. Sehr spannend fand ich, das ich beim Lesen der Geschichte keine Ahnung hatte, wie sie am Ende ausgehen sollte.
    Durch die relativ kurze Satzbildung und die schnellen Szenenwechsel lässt sich die Geschichte gut und flüssig lesen.
    Ich würde mich sehr freuen, noch mehr von Ruben Rubeck zu erfahren, da ich schräge und nicht alltägliche Ermittler klasse finde, wenn hier vielleicht auch ein klitzekleines bisschen übertrieben wurde.
    Empfehlenswert für alle, die nicht diese 08/15 Kommissare mögen, sondern einen Ermittler mit Kanten, Ecken, lustigen Sprüchen und der oftmals "alle Fünfe gerade sein lässt"

  1. bewertet:
    1
    (1 von 5 *)
     - 07. Nov 2016 

    Leider so gar nicht mein Fall

    "Mein Name ist Ruben Rubeck. Ich wohne seit 15 Jahren in Frankfurt und bin hier genauso lange Bulle. Das Bahnhofsviertel ist mein Revier und meine Gegend. Viele denken, ich würde da wohnen, weil es bei mir für mehr nicht reicht, weil ich mich im Dreck wohlfühle und mit meinem Gesicht sowieso nirgends sonst eine Wohnung bekäme, aber das stimmt nicht. Ich hab's einfach gerne nah zur Arbeit. Haha."
    Mit seiner Lesung entführt Gregor Weber seine Hörer in eine raue, spannende Wirklichkeit. (Quelle Amazon)

    Ganz ehrlich? Mich konnte dieses Hörbuch so überhaupt nicht begeistern. Ich weiß nicht ob es daran liegt, dass das Hörbuch gekürzt ist, oder ob es einfach nicht meinen Geschmack trifft.

    Wir haben hier mal wieder einen Ermittler mit psychischen Problemen. Alleine das hat mir schon den Spaß an der Geschichte genommen. Rubeck säuft wie ein Loch, raucht wie ein Schlot treibt sich im Rotlichtviertel herum und sollte dringend mal einen Rhetorikkurs belegen. Wenn man schon einen Kommissar mit hessischen Dialekt spricht, sollte man diesen auch beherrschen.

    Von der Geschichte ist auch nicht allzu viel hängen geblieben. Da hat mich wohl die Schnodderschnauze des Kommissars zu sehr abgelenkt. Auch werden hier wieder sämtliche Klischees bedient und die Geschichte ist sehr vorhersehbar. Für mich war das auch kein Thriller sondern ein langsam dahinplätschernder Krimi. Ich denke, Liebhaber von Schimanski könnte das Buch vielleicht gefallen, mich hat es einfach nur genervt.

    Es tut mir unglaublich leid, aber ich kann nicht mehr als einen Punkt vergeben. Es gab für mich nichts positives, das ich hervorheben könnte. Ich hasse es, solche Bewertungen zu schreiben und es fällt mir auch sehr schwer, denn der Autor hat sich viel Arbeit gemacht und Herzblut in das Buch gesteckt und dann komme ich und mache das Buch runter. Aber was für einen Sinn machen Bewertungen, wenn man nicht ehrlich ist? Ich hoffe, ich kann das nächste Buch des Autors besser bewerten. Leider keine Leseempfehlung von mir.

    © Beate Senft

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 04. Nov 2016 

    Wenn Schimanski mit John McLane...

    Wie kann man es sich wohl vorstellen, wenn eine Frankfurter Version von Kodderschnauze Schimanski auf John McLane trifft? Das Ergebnis könnte Ruben Rubeck heißen, welcher der Hauptprotagonist des Thrillers „Asphaltseele“ ist.

    Zugegeben, am Anfang fiel es mir relativ schwer, mich auf das Buch einzulassen. Der Roman geht zu Beginn ziemlich in die Vollen und gibt eine Menge Gas. Dann passiert jedoch lange Zeit wenig bis gar nichts. Weber nimmt sich Zeit, um seine Hauptfigur einzuführen. Etwas zu viel Zeit für meinen Geschmack, denn streckenweise gab es schon die eine oder andere Länge, wenn man Rubeck beim Joggen oder im Boxclub begleitet, ohne dass man dadurch in der Geschichte voran käme. Ach ja, die Saufexzesse und Vögelei im Puff darf man auch nicht vergessen. Das alles ist wenig gehaltvoll und verpasst dem Spannungsbogen einen merklichen Dämpfer. Wenn das Buch dann wieder in die Pötte kommt, geht alles ganz schnell. Es gibt eine Menge Action und ein Ende, welches sehr abrupt kommt. Ich hatte ein bisschen das Gefühl, als ob ich etwas verpasst hätte. Auch der finale Twist von „Asphaltseele“ ist leider nicht so überraschend, wie er vielleicht hätte sein sollen.

    Was die Figuren angeht, kann sich Gregor Weber zumindest auf die Fahne schreiben, einen untypischen Protagonisten erfunden zu haben. Ruben Rubeck (die arme Sau tut mir schon wegen des Namens irgendwie leid) ist alles, aber kein klassischer, sauberer Bulle. Während des Lesens fühlte ich mich ein ums andere Mal an das Unikat Horst Schimanski erinnert, dazu gibt es eine Prise „Stirb Langsam„. Glücklicherweise bleibt dabei die Eigenständigkeit der Figur aber nicht ganz auf der Strecke. Alles in allem führt diese Mischung aus unterschiedlichen Charakteren aber leider dazu, dass Rubeck mitunter schon etwas zu cool rüber kommt. Hier wäre etwas mehr Bodenständigkeit wünschenswert gewesen.
    Vollständig überzeugen konnte mich „Asphaltseele“ aber zumindest mit dem Schreibstil. Analog zur Hauptfigur ist der nämlich ebenfalls alles andere als typisch Thriller. Weber verpasst seinem Erstling eine äußerst rotzige Stimme, die sehr umgangssprachlich daher kommt und das eine oder andere Mal für ein Schmunzeln bei mir sorgte. Sicher, zu Beginn musste ich mich daran erstmal gewöhnen, aber mit jeder Seite hat diese Art zu schreiben mir mehr Spaß gemacht.

    Fazit:

    „Asphaltseele“ von Gregor Weber ist ein ordentliches Debüt. Der frische, rotzige Stil und die Hauptfigur mit Schimmi-Attitüde sind mal was anderes. Allerdings bleibt dafür auch eine Menge auf der Strecke. Die Geschichte stockt besonders auf den ersten 100 Seiten immer mal wieder und ist mit vielen Klischees beladen. Auch hätte Rubeck insgesamt etwas bodenständiger sein können. Trotzdem, ich würde gerne mehr von Weber lesen, in der gleichen markanten (Straßen-)Sprache, aber mit einem konstanteren Spannungsbogen.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 24. Okt 2016 

    Roter Himmel

    Die Karriere des Polizisten Ruben Rubeck - sein Vater war etwas speziell - hat nie wirklich stattgefunden. Und nun fristet er sein Dienst in den weniger angesagten Vierteln Frankfurts. Nach einer Kneipentour auf dem Weg nach hause, erwischt Rubeck genau den einen Moment, in dem er die Möglichkeit hat, einen Menschen zu retten, der von zwielichtigen Gestalten beschossen wird. Natürlich schließt sich eine interne Untersuchung an die Ereignisse an. Mehr als erstaunt ist Rubeck jedoch als ein höherer LKA-Beamter an ihn herantritt und ihn bittet, eine Art Überwachung des angeschossenen Opfers zu übernehmen, der inzwischen im Krankenhaus angekommen ist.

    Was ist mit Ruben Rubeck passiert? Bevor er Polizist wurde, war er als Zeitsoldat im auch im ehemaligen Jugoslawien stationiert. Nicht immer leicht zu ertragen, sind die Erlebnisse in der Einheit. Aber das macht Rubeck nicht groß zum Thema. Auch wenn er als Polizist keine besonders auffälligen Leistungen bringt, ist er doch nicht unbeliebt auf der Wache und hat auch einigen Rückhalt bei den Kollegen. So langsam allerdings scheint sein Guthaben in die Nähe des Aufgebrauchtseins zu kommen. Und nun diese Sache mit der Schießerei. Doch da Rubeck offensichtlich in Notwehr und zum Schutz des Opfers gehandelt hat, wird die Sache nicht an die große Glocke gehängt. Und dann der Auftrag, was mag dahinter stecken, welches könnte das große Komplott sein? Wer zieht die Fäden?

    Der Lesung des Autors merkt man an, dass er Freude daran hatte, seinen Charakteren mit Betonungen und lokalen Ausprägungen der Sprachmelodie, jeweils eine eigene Stimme zu verleihen. Dadurch wirkt der Vortrag sehr lebendig und plastisch. Durch die verschiedenen Intonationen, die kurzen Sätze und die schnellen Szenenwechsel wird man fast des Atems beraubt. Doch in Andeutungen, Gedanken und Wünschen kommt auch die Emotion nicht zu kurz. Nur eine Kleinigkeit könnte man vermissen, der innere Zusammenhang. Da wecken Andeutungen und die verschiedenen Zeitebenen in denen die Handlung angesiedelt ist Erwartungen, die sich mitunter als trügerisch erweisen könnten.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Sep 2016 

    Ruben Rubeck, Kriminalkommissar, Frankfurt

    Dem 47jährigen Kriminalkommissar Ruben Rubeck kann man nicht nachsagen, dass er sehr ambitioniert seinen Beruf erfülle. Er tut, was er tun muss, aber keinen Handschlag mehr. Mit den meisten seiner Kollegen hat er es sich aufgrund seiner direkten und unverblümten Art bereits verscherzt. Auch sein Privatleben verläuft eher im Sande. Nach Feierabend sucht er regelmäßig seine Stammkneipe auf, die in seinem Revier dem Frankfurter Bahnhofsviertel liegt, zum Abendessen und Bier trinken, letzteres verzehrt er meistens zu viel. Einzige Abwechslung in diesem Trott bringt ihm seine Lieblings-Prostituierte Ina, die einzige, mit der er gerne seine Zeit verbringt, meist nur redend und dafür bezahlt er sie. Doch als er an diesem Abend die Kneipe „Schlabbekicker“ verlässt und sich auf den Weg zu Ina machen möchte, gerät er in eine Schießerei. Rubeck ist sicher nicht der sportlichste Kriminalist, doch schießen kann er. So rettet er auch die Situation und anwesende Passanten. Natürlich wird wegen dem Gebrauchs der Schusswaffe ein Verfahren eröffnet, das ist Routine. Aber Ruben hat sofort ein seltsames Gefühl, so als ob hier etwas gerade dabei ist, mächtig schief zu laufen ...

    Der Autor Gregor Weber hat mit Asphaltseele den ultimativen Thriller erschaffen. Seine Charaktere haben Tiefgang und sind exzellent durchstrukturiert, ihr Zusammenspiel ist als perfekt anzusehen. Die Schauplätze sind glaubwürdig und atmosphärisch dicht. Die dunkle Stimmung des Protagonisten Ruben Rubeck nahezu fühlbar. Den hoch gesetzten Spannungsbogen hält der Autor das gesamte Buch hindurch aufrecht. Das Tempo ist rasant und die Dinge nicht durchschaubar, ganz nach dem Geschmack von Thriller-Liebhabern wie mir.

    Von Herzen vergebe ich diesem Thriller seine wohlverdienten fünf von fünf möglichen Sternen und hätte gerne noch einen sechsten Stern zur Verfügung für „Klasse“, unbedingt empfehle ich es weiter an Leser, die gerne anspruchsvoll lesen. Gregor Webers Buch hat alles, was ein Thriller haben muss, einen erstklassigen Plot, einen Kommissar, der Ecken und Kanten hat sowie glaubwürdige Schauplätze und vor allem: Hochspannung.