Arzt der Hoffnung

Buchseite und Rezensionen zu 'Arzt der Hoffnung' von Ralf Günther
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Arzt der Hoffnung"

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:308
EAN:

Rezensionen zu "Arzt der Hoffnung"

  1. Fisch im Wasser

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 21. Okt 2021 

    Aus dem Urlaub auf Sylt heraus wird im Jahr 1892 Dr. Robert Koch nach Hamburg gerufen. Dort breitet sich die Cholera aus und die Freie und Hansestadt hat die Lage bisher nicht im Griff. Schweren Herzens lässt Koch seine Geliebte Hedwig zurück. In Hamburg angekommen versucht sich Robert Koch eine Überblick zu verschaffen. Seine Erkenntnisse sind niederschmetternd, die gesamte Stadt scheint versucht. Das angrenzende Altona, auf preussischem Gebiet belegen, bleibt dagegen weitgehend verschont. In Hamburg füllen sich die Krankenhäuser schneller als Platz geschaffen werden kann und gegen die Cholera gibt es keine Behandlungsmethode.

    Dr. Robert Koch sowohl als engagierter Wissenschaftler als auch als empfindsamer Liebender. Während der Cholera Epidemie in Hamburg steht der Forscher in Koch im Vordergrund, doch seine Liebe zu der jüngeren Hedwig Freiberg verursacht einigen Aufruhr in der feinen Hamburger Gesellschaft, schließlich ist die Scheidung von seiner ersten Frau noch nicht ausgesprochen. Als Hedwig unerwartet in Hamburg auftaucht, ist Robert nicht so begeistert. Das ändert sich jedoch schnell als er merkt, welche Unterstützung sie bei der Pflege der Kranken ist. Derweil sucht Robert Koch nach der Ursache, wieso Hamburg so viel stärker von der Seuche betroffen ist. Dass im Hamburger Frischwasser manchmal kleine Fische auftauchen, gibt ihm schon zu denken.

    Geschrieben zu Beginn der laufenden Pandemie war für den Autor erstaunlich, welche Parallelen er zwischen damals und heute fand. Die Stadtväter Hamburgs unterstützen Dr. Koch nicht immer bei seinen Forschungen. Politik und Wissenschaft haben wohl nur bedingt die gleichen Ziele. Die Bekämpfung der Cholera und die Suche nach den Ursachen für die schnelle Ausbreitung, ist fesselnd beschrieben. Man fühlt sich hineingezogen in die Handlung. Man sieht förmlich den gewissenhaften Forscher, die verzweifelten Menschen, die am Rande der Erschöpfung arbeitenden Ärzte und Schwestern. Wie eine Dunstglocke hängt die Krankheit über der Stadt und den Senatoren scheint doch die Wirtschaft wichtiger als die Gesundheit. Aber was wird mit der Wirtschaft, wenn so viele sterben, dass es keine Wirtschaft mehr gibt? Gespannt verfolgt man, ob Dr. Robert Koch es schafft, der Epidemie etwas entgegen zu setzen. Dieser historische Roman packt ungemein, gerade auch nach den aktuellen Erfahrungen.

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  1. Wenn die Seuche kommt…

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 20. Okt 2021 

    Klappentext:

    „Hamburg, im August 1892: Verdächtige Krankheitsfälle häufen sich in den Siechenhäusern. Der Erste Bürgermeister vermutet die Cholera – und schweigt. Also schickt die Reichsregierung den kompetentesten Seuchenfachmann nach Hamburg, den sie aufzubieten hat: Robert Koch.

    Natürlich ist der berühmte Arzt nicht willkommen. Als er die Erreger im Hamburger Trinkwasser nachweist, beginnt für ihn ein Kampf an mehreren Fronten.

    Da erreicht mit einem der letzten Dampfschiffe von Sylt Hedwig, Kochs Geliebte, die abgeriegelte Hansestadt. Er ist zornig und glücklich zugleich. Denn sie darf nicht offiziell bei ihm sein.

    Als ein junger Assistenzarzt auf Hedwig aufmerksam wird und Koch die Eifersucht befällt, muss er kühlen Kopf bewahren …“

    Ralf Günther zählt mittlerweile zu meinem festen Autorenrepertoire und auch dieses Mal würde ich wahrlich beglückt! Beglückt von einer höchst interessanten Geschichte rund um Robert Koch. Wer die TV-Serie rund um die Charité gesehen hat, hat bereits ein gewisses Bild von diesem Herrn vor Augen und kannte bereits die junge Hedwig. Wer sie nicht verfolgen konnte, wird hier aber ebenfalls sehr gekonnt und stimmig von Günther in deren Welt entführt. Mit einer wunderbaren Wortwahl und einem feinen Gespür geht Günther hier nicht nur in die Medizingeschichte sondern eben auch ein wenig in die Biografie Koch‘s ein. Seit der aktuellen pandemischen Lage in der Welt dank Corona kennt mittlerweile jeder das Robert-Koch-Institut, aber welche Geschichte hinter diesem Meisterforscher steckt ist nur wenigen bekannt. Günther nimmt den Leser hier sehr entspannt an die Hand und bringt uns Koch und seine Intentionen, seine Denkweisen, seine Sucht nach Forschung näher aber eben auch seine große Liebe Hedwig. Diese Liebe fällt auf Grund des doch recht üppigen Altersunterschieds aus der Reihe - keiner würde es wagen dazu etwas zu äußern, aber hinter vorgehaltener Hand wird getratscht. Hedwig hat aber nicht nur Schönheit am Leib, sie ist auch zugleich Muse und Ideenstiftern für Koch und bringt ihm eine gewisse Frische ins Leben, die er braucht. Sie wirkt wie eine Lebensader für ihn und sie war vom Kopf viel weiter als die damalige Zeit reif war. Freigeist eben.

    Günther zeigt hier sehr geschickt die Entwicklung der Stadt Hamburg in deren Cholera-Seuche auf und schlussendlich ist man als Leser erstaunt, wieviele Ebenen es zur heutigen Lage doch gibt bzw. es in der Forschung ebensolche Entwicklungen und Forschungen vorantreibt. Erschreckend auf der einen Seite und faszinierend (durch Koch‘s immensen Forscherdrang) auf der andern, einen Wirkstoff gegen eine verdammte Seuche/ einen Virus zu finden…

    Ein Buch, welches zum rechten Zeitpunkt auf den Markt gekommen ist, Wahrheit und Fiktion sehr gut gepaart hat und mehr als gekonnt eine ganz besondere Geschichte erzählt - 5 von 5 Sterne hierfür!

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