Arrowood - In den Gassen von London

Rezensionen zu "Arrowood - In den Gassen von London"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 03. Jan 2019 

    Holmes origineller schmutziger Konkurrent

    Wir schreiben das Jahr 1895. In den Gassen Londons wird der junge französische Konditor Thierry vermisst. Seine Schwester beauftragt den Detektiv Arrowood mit der Suche nach ihm. William Arrowood und sein Assistent Barnett sind bald verstrickt in die kriminellen Machenschaften Mr. Creams, ihrem Feind und Widersacher, und dessen Handlangern. Der Fall des verschwundenen Franzosen weitet sich zusehends aus, doch Arrowood vermag auf seine ausgefuxte Art meist nur Barnett und andere Gehilfen in Gefahr zu bringen.

    Mick Finlay hat mit William Arrowood einen wunderbaren, originellen vulgären, schmutzigen Konkurrenten zu Sherlock Holmes geschaffen. Kein gutes Haar lässt der beleibte, trinkfreudige Choleriker Arrowood an seinem blasierten Branchenkollegen, verachtet dieser doch Holmes Methoden und interpretiert einige der Fälle Holmes auf neue amüsante Weise.

    Atmosphärisch und dicht beschreibt der Autor die viktorianische Szenerie, man meint nahezu mittendrin im Schmutz der verkommenen Hinterhöfe zu sein, in den schäbigen Pubs mitzutrinken und mit Ettie, Arrowoods strenger Schwester, gegen die Armut zu kämpfen.

    Dieser historische Krimi bereitete mir großes Lesevergnügen, ich glaube man darf auf mehr hoffen.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 05. Aug 2018 

    Ein Ärgernis

    sind diese elenden Lobhudeleien über Sherlock Holmes für den Privatdetektiv William Arrowood. Er, Arrowood, steht dem weitaus bekannteren Holmes in Nichts nach, einige Fälle hätte er sogar besser oder schneller gelöst. Aber er fristet sein Dasein als Nebenfigur der Ära Holmes. Arrowood hat auch keinen Chronisten wie sein berühmtes Nichtvorbild, sondern nur seinen Gehilfen Barnett. Als nun eine junge Französin auftaucht, die ihren Bruder vermisst, ergreift Arrowood die Chance, obwohl er es wieder mit seinem alten Feind zu tun bekommt. Zunächst einmal ist es Barnett, den er an die Front schickt, nicht ohne zu äußerster Vorsicht zu mahnen.

    Eine coole Idee, daran zu erinnern, dass es neben dem Meister Sherlock Holmes auch noch andere gegeben haben könnte. Andere, die unter weniger günstigen Umständen leben, die weniger Hilfe von der Polizei bekommen, die vielleicht ebenso gut kombinieren können, zu denen aber nicht die Mandanten finden, die sie in die Presse bringen würden. Und da ist er nun dieser Arrowood, im Privatleben etwas gebeutelt, das Angesicht von der Natur nicht begünstigt und charakterlich ist ihm der Neid nicht fremd. Und doch hat er auch liebenswerte Züge, wenn es um den Straßenjungen Neddy geht, den er ein wenig unter seine Fittiche genommen hat. Auch für Barnett gibt es Momente, in denen die Grenzen zwischen Arbeitsverhältnis und guter Bekanntschaft verschwimmen.

    Manchmal möchte man Arrowood schon mal durchschütteln, wenn er gar zu egoistisch ist, wenn er lieber in die Kneipe geht anstatt in sich. Dann wünscht man, würde über seine eigenen Unzulänglichkeiten nachdenken als über andere herzuziehen. Doch wie er nach und nach den Fall durchdringt, wie er seine Mandantin ein ums andere Mal entlarvt, wenn die Geschichten, die sie erzählt zwar logisch klingen, aber doch nicht der Wahrheit entsprechen, das hat schon was. Bedenkt man auch, dass es sicher nicht leicht ist, von besseren Zeiten zu wissen und nun von der Ehefrau verlassen worden zu sein und doch klarkommen zu müssen. Dann gewinnt Arrowood doch Respekt und Sympathie. Klug setzt er die Mosaiksteine zusammen und es entwickelt sich ein Fall, der es in sich hat. Der Autor vermag es mit seinen Worten eine kluge Schilderung des Londons des späten 19. Jahrhunderts abzugeben und gleichzeitig einen spannenden Krimi zu kredenzen. Aus der Konkurrenz mit Sherlock Holmes, von der dieser gar nichts weiß, bezieht dieser Roman seinen besonderen Reiz.

    Mit Arrowood, Barnett und Neddy möchte man gerne noch so manchen weiteren Fall lösen.