Apollokalypse: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Apollokalypse: Roman' von Gerhard Falkner
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Apollokalypse: Roman"

Georg Autenrieth ist eine zwielichtige Gestalt in zwiegesichtigen Zeiten, immer wieder taucht er auf in Berlin, der Mann aus Westdeutschland, hält Kontakt mit der Szene, durchsucht die Stadt und zelebriert Laster, Lebensgier und Liebeskunst. Wohin aber verschwindet er dann? Wer ist der »Glasmann«? Und welche Rolle spielen seine Verbindungen zur RAF?
Gerhard Falkners »Apollokalypse« ist ein Epochenroman über die 80er und 90er Jahre, eine apollokalyptische Zeit, in der das Apollinische mit dem Dionysischen verschmolz im Tiegel der aufregendsten Stadt der Welt. Dem Vergeuden von Jugend, der Ausschweifung jeglicher Couleur und der Hypermobilität stellt er einen rauschhaften Rückverzauberungsversuch der Welt entgegen. Bulgakows »Meister und Margarita« begegnet dem »Ferdydurke« von Gombrowicz und Oskar Matzerath schrammt an Tyron Slothrop, Bruno Schulz und Wilhelm Meister. Die Hauptrolle spielt die Stadt Berlin selbst, haufenweise gehen Künstlerexistenzen an ihrer magischen Gestalt in die Brüche. Und wenn die RAF sich über den BND mit der Stasi berührt, gerät die Zeitgeschichte unter das Messer der Psychiatrie. Am Schluss nimmt der Teufel leibhaftig das Heft in die Hand. Ein mythologischer Roman von unvergleichlicher Sprachmächtigkeit, ein literarisches Ereignis, das alles auf den Kopf stellt, verfasst von einem »der großen deutschen Sprachzauberer«. (Gustav Seibt, Süddeutsche Zeitung)

Format:Taschenbuch
Seiten:432
EAN:9783492311861

Rezensionen zu "Apollokalypse: Roman"

  1. Tolle Sprache mit einer eher lauen Geschichte

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 22. Jan 2018 

    Eines ist auf jeden Fall sicher: Gerhard Falkner ist ein Sprachkünstler. Egal, wo man das Buch aufschlägt, auf fast jeder Seite findet man Sätze oder Beschreibungen, die es wert wären, im Gedächtnis zu bleiben (leider sind es einfach zu viele). Zum Beispiel: 'Freundschaft ist ein autochthones Relikt. Geht zurück auf ein Bündnis von Dorfbewohnern. Sie wird von der Mobilität zusammen mit allen anderen hemmenden Werten gerade in großem Umfang entsorgt.' Oder 'Seine überspannten Nerven, das leicht aus dem Ruder geratene Feuern seiner rund hundert Milliarden Neuronen mit ihren bis zu tausend Spikes pro Sekunde, spiegelten exakt die nervösen Energien und die schizoaktiven Schübe einer Stadt (Berlin) wider, die zwischen Wiedervereinigungstaumel, historischer Verstörung, symbolischer Demütigung und Hauptstadtrausch einen genauso durchgedrehten Moment erlebte wie er selbst.' Doch ob der Autor auch ein guter Geschichtenerzähler ist? Hm, tja, ich finde da gibt es Bessere, deutlich Bessere.
    Denn die Geschichte um Georg Autenrieths Leben und das seiner FreundInnen in den 80er und 90ern ist zwar schön schräg und durchgeknallt, aber manchmal doch so sehr, dass ich nicht mehr recht wusste, was jetzt eigentlich Sache ist. Georg, die Hauptfigur, hat einen Doppelgänger oder auch nicht, ist in irgendeiner Form kriminell - oder auch nicht. Und scheint selbst nicht so richtig zu wissen, was jetzt ist oder nicht. Besser folgen kann man dem Leben seiner verschiedenen FreundInnen, die aus unterschiedlichen Milieus stammen. Es gibt eine gewisse chronologische Reihenfolge, die jedoch wiederholt unterbrochen wird von Rückblenden, Erinnerungen, Träumen, Phantasien usw. So entsteht immer wieder der Eindruck, es handle sich eher um ein Sammelsurium von Geschichten, als um den Lebensbericht des Georg Autenrieth.
    Dennoch werde ich mir den Autor merken und mir auch sein zweites Buch anschauen. Denn seine Sprache ist faszinierend, hat Witz und fordert zum Mitdenken auf. Nicht das Schlechteste, was man von einem Schriftsteller sagen kann. Und wenn er dann irgendwann auch noch eine gute Geschichte erzählet ... ;-)