Anna O.

Rezensionen zu "Anna O."

  1. tolles Thema ,leider zu überfrachtet für meinen Geschmack

    Dieses Buch lässt mich ehrlich gesagt ein wenig verwirrt zurück.
    Auf der Positiv – Liste steht natürlich das unkonventionelle Thema; Morden unter Somnambulismus. Ist es möglich, und wenn ja , kann und darf der Täter bestraft werden? Ebenfalls positiv, sind die kurzen Kapitel und dass man als Leser jederzeit weiß, wo man ist, in Zeit, Raum und Protagonist. Alle Kapitel tragen Überschriften, und verschiedene Erzählperspektiven. Auch springen die Kapitel in der Zeit hin und her und beleuchten den Fall aus den verschiedenen Erzählperspektiven und einem geheimnisvollen Tagebuch. Es gibt einige, auch spektakuläre, Ereignisse und Wendungen, die dem Buch zum Ende hin ein wenig Spannung einhauchen.

    Leider bleiben alle Protagonisten merkwürdig flach, zumal einer der Hauptcharaktere, Anna O nämlich, dreiviertel des Buches nicht bei Bewusstsein ist. Auch hier ist das Thema: Resignationssyndrom, sehr spannend zuweilen sogar ein wenig wissenschaftlich aufbereitet, bedauerlicherweise fehlt durch dieses Syndrom jegliche Interaktion mit der Protagonistin. Das macht das Buch für meinen Geschmack ein wenig fade, da Ben zwar ausreichend Ecken und Kanten hat, jedoch keine großen Sympathiepunkte hat , wodurch er dann als absolute Hauptfigur des Buches nicht interessant genug ist um die Spannung alleine zu tragen.
    Alle anderen Nebencharaktere sind seltsam blass, ja geradezu wissenschaftlich beschrieben und da es nicht so viele sind , bleiben nicht viele Täteralternativen über.
    Außerdem passte für mich der wissenschaftliche Rahmen und der dazugehörige Sprachstil nicht zur Handlung. In vier Jahren hätte wohl irgendein Arzt dieselben extrem simplen Methoden angewandt , wie Dr. Prince. Da hatte ich sonst was für eine bahnbrechende Innovation erwartet.
    Ich muss auch sagen, dass der Autor, für mein persönliches Empfinden, die Fäden nicht aufgelöst hat.
    Zack, Anna O. wach. Und jetzt? Folgt doch in meinem medizinischen Verständnis erst einmal: Reha, Muskelaufbau etc.pp. Das fiel alles unter den Tisch, stattdessen wurde ständig auf eine Haftstrafe angespielt um Anna O. anzuklagen. Auch der Vorfall mit Dr. Bloom gibt Rätsel auf, und ist für mein Empfinden merkwürdig konstruiert. Auch hier finde ich, dass die Personenbeschreibungen, (nach Wichtigkeit des Plots), nicht zur Geschichte an sich passen. Spoilern kann und will ich hier nicht, aber die Auflösung hatte für mich leider keinen WOW Effekt, sondern nur ein müdes Hä????, weil (für mich persönlich) der vorangegangene Sprachstil und die Charakterisierungen nicht zu dieser Auflösung gepasst haben. Außerdem fehlt mir nach jedem Cliffhanger (von denen es einige gibt) die dazugehörige , fortführende Konsequenz. (Siehe Aufwachen Anna.O.z.B.).

    Fazit: Ein tolles Thema für einen Thriller, enttäuschenderweise konnte mich dieses Buch nicht fesseln, da mir der Schreibstil zu beschreibend, hölzern und flach war. Weniger Trara um Anna, Therapieansätze und ggf. auftretenden Medienrummel, stattdessen mehr Ausarbeitung des Plots hätte mir für dieses Buch besser gefallen.
    Aber nicht jedes Buch trifft jeden Geschmack, für Menschen, die gerne beschreibende Psychothriller mögen ist es dennoch empfehlenswert.

  1. Wer haftet im Schlaf?

    Durchschnittlich verbringen die Menschen 1/3 ihres Lebens mit schlafen. Doch was passiert, während wir schlafen? Und sind wir auch im Schlaf für unser Handeln verantwortlich? Der Thriller „Anna O.“ von Matthew Blake untersucht exemplarisch, ob eine junge Frau ihre besten Freunde im Schlaf umgebracht hat.
    Anna O. wurde mit blutverschmierter Kleidung und der möglichen Tatwaffe in der Hand aufgefunden. Doch auch nach vier Jahren kann der Fall nicht geklärt werden, denn Anna liegt seit der Tat im Koma. Der Psychiater Ben Prince versucht, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Und dann wacht Anna auf…
    Die Story beginnt vier Jahre nach der Tat. Hauptsächlich Ben beschreibt in einem lebendigen und detaillierten Stil den Fall und die aktuelle Lage, wodurch ein Kontrast zur schlafenden Anna entsteht. Allerdings hat Ben keine Vorurteile, was man von einigen Nebencharakteren nicht behaupten kann. So sieht Lola beziehungsweise Harriet die Schuld nicht bei Anna, während Annas Mutter Anna für krank hält. Durch die voreingenommenen Nebencharaktere entsteht viel Verwirrung, gepaart mit jeder Menge Fragen. Nicht alles kann zum Schluss geklärt werden.
    Ein Thema, was mich sehr in den Bann zieht und in Anna O. behandelt wird, ist das Thema „Schlaf“. Dank Ben erfahre ich sehr viel über Schlaf und Schlafwandeln. Nicht immer verstehe ich alles, aber vieles leuchtet ein. So kann ich zu einem gewissen Punkt nachvollziehen, dass Anna freigesprochen wird- beim Schlafwandeln ist man nicht zu 100% zurechnungsfähig und somit nur vermindert Schuldfähig. Trifft das auch für Anna zu? Leider bleibt diese Frage nicht geklärt, viel mehr wird Anna als ihr eigenes Opfer präsentiert.

    Mir ist vor allem der Start in die Geschichte leicht gefallen, was an Ben und seiner Art, zu erzählen, liegt. Durch Bens Fragen entsteht ein Spannungsbogen, der kontinuierlich steigt. Unterbrochen wird dieser Spannungsbogen jedoch, wenn Lola oder eine andere Person erzählen. Auch Annas Notizen tragen nur bedingt zur Spannung bei, da dieser Sachverhalt teils verwirrend ist. Das Ende ist dann mangels Auflösung sehr enttäuschend. Insgesamt kann ich den Thriller eingeschränkt weiter empfehlen und vergebe vier Sterne.

  1. Nicht jeder ist, der er zu sein vorgibt

    In dem Roman “Anna O.“ geht es um die 29jährige Anna Ogilvy, die seit vier Jahren aus einem komaähnlichen Tiefschlaf nicht mehr aufwacht und in einer speziellen Einrichtung untergebracht ist. Sie soll bei einem nächtlichen Spiel von Jägern und Gejagten, an dem Mitglieder ihrer Familie und zwei Freunde teilnahmen, diese beiden Freunde ermordet haben. Der Fall spaltet die Menschen in zwei Gruppen: diejenigen, die die Freilassung von Anna fordern und denjenigen, die ihre Verurteilung wegen Mordes verlangen. Es geht außerdem um den Schlafforscher Dr. Benedict Prince, der Theorien entwickelt hat, wie man solche Patienten aufwecken kann. Seine Chefin Dr. Virginia Bloom und das Justizministerium beauftragen ihn, in einer Spezialklinik seine Theorien in die Praxis umzusetzen, damit man Anna Ogilvy endlich vor Gericht stellen kann und nicht freilassen muss. Bei seiner Therapie arbeitet er mit der Pflegerin Harriet Roberts zusammen, die Anna seit vier Jahren betreut. Der Psychologe begreift zu spät, dass er nicht nur seine Ehe mit der Polizistin, die damals in dem Fall ermittelte, ruiniert hat. Er bringt sich auch selbst in Lebensgefahr.
    Die Geschichte enthält nicht nur zahlreiche überraschende Handlungsumschwünge, vor allem in der zweiten Hälfte, sondern immer wieder ausführliche Erörterungen von psychischen Störungen und diversen Behandlungsmöglichkeiten sowie juristische Fragen wie die Schuldfähigkeit von Tätern, denen gar nicht bewusst ist, was sie tun, zum Beispiel, weil sie schlafwandeln. Das ist zwar gut recherchiert und recht informativ für den Laien, macht den Roman aber nicht spannender, sondern sorgt für etliche Längen. Das ist kein Buch, das lange im Gedächtnis bleibt. Ich bin ziemlich enttäuscht.

  1. Wow, was für ein Rätsel

    Wow, was für ein Rätsel

    Anna O. ist ein Thriller Debüt, vom Fischer Verlag auf dem deutschen Markt im Juni 2024, veröffentlicht worden.

    Der Autor
    Matthew Blake hat seine Recherche aufgrund persönlicher Neugier begonnen und darauf folgend einen Thriller ins Leben gerufen, der mehr als nur Spannung verspricht. Beruflich befasst er sich mit Recherche und als Redenschreiber für das britische Parlament tätig, dürfen wir von ihm sorgfältig, vorgebrachte Zusammenhänge erwarten. (So die Fachpresse, meine Interpretation)

    Deutsche Übersetzung
    Andrea Fischer

    Zum Inhalt
    Es ergibt sich eine knifflige Frage für Ermittler und den Psychologen und Schlafexperten Dr. Benedict Prince.
    Ist die komatöse Anna O, Opfer oder Täterin? Vor vier Jahren lag sie, mit einem blutverschmiertem Messer in der Hand, ohne Bewusstsein neben den Leichen ihrer Freunde aufgefunden worden.
    Das Cover
    besticht durch sein puristisches Design. Nur der Name der Hauptprotagonistin & ihren geschlossenen Augen, gebe einen Hinweis. Gerade durch diesen zurückhaltenden Stil wurde meine Neugier entfacht. Nur bei der Betrachtung war mir nicht klar, worum es sich in diesem Roman handeln könnte. Um meine Neugier zu befriedigen, war ich also, fast - gezwungen - mich mit dem Buch auseinanderzusetzen.

    Mein Leseerlebnis
    Aufbau - Logik - Protagonisten - Finale
    Mir gefiel besonders der Einstieg in die Geschichte. Ohne großen Anlauf war ich mitten im Geschehen. Die Charaktere waren sehr gut gezeichnet, es fiel leicht sich deren Eigenheiten zu merken und auch ihre individuelle Ausdrucksweise ist trotz deutscher Übersetzung sehr gut gelungen.
    Der Themenkern war extrem spannend und neu für mich. Die sich stellenden Fragen sind auch mir im Kopf hängen geblieben. Es ist das erste Mal, dass ich mich mit dem Schlafphänomen auseinandergesetzt habe.
    Die Zusammenhänge und somit auch die Aufklärung des Falls ist dem Autor in seinem Erzählverlauf sehr gut gelungen.
    Fazit
    Ein ungewöhnliches, für mich neues Thema spannend vorgebracht und glaubhaft präsentiert. Dieser Thriller ist genau das: ein Buch, das Thrill und Nervenkitzel für seinen Leser parat hat.
    Ich vergebe 5 ausgezeichnete Lesesterne für einen besonderen Roman, der sicher viele Fans rund um den Globus finden wird.
    Jeder, der sich für spannende Unterhaltung mit Anspruch begeistern kann, wird diesen Thriller mit Freude lesen.

    ISDN: 978-3651001268
    Seitenzahl: 480
    Formate: elektr., Hörbuch, MP3, Taschenbuch

  1. 3
    09. Jun 2024 

    Kein atemberaubender Thriller

    Anna Ogilvy, 29 wacht seit vier Jahren nicht mehr auf, seit man sie nach einem Paintballspiel mit Jägern und Gejagten auf einer Farm im Wald schlafend und blutverschmiert gefunden hat. Seitdem gilt sie als die Mörderin ihrer zwei Freunde, mit denen sie die Zeitschrift Elementary gegründet hatte. Sie selber recherchierte zu einem zwanzig Jahre zurückliegenden Verbrechen, bei dem eine inzwischen verstorbene Frau namens Sally Turner ihre Stiefsöhne ermordet haben soll. Der forensische Psychologe Dr. Benedict Prince ist Schlafforscher. Unter anderem hat er auch Theorien entwickelt, wie man mögliche Täter aus dem komaähnlichen Schlaf wecken könnte. Deshalb wird er von seiner Chefin Dr. Virginia Bloom und einem Vertreter des Justizministeriums für ein geheimes Projekt in der Klinik The Abbey verpflichtet, wohin man Anna Ogilvy verlegt hat. Ben versucht mit Unterstützung der Pflegerin Harriet Roberts, die Anna seit vier Jahren betreut, seine Idee der sensorischen Stimulation in die Praxis umzusetzen. Wenn es ihm gelingt, Anna aufzuwecken, wird ihr der Prozess gemacht. Die Regierung will verhindern, dass Anna O. für schuldunfähig erklärt und aus humanitären Gründen freigelassen wird. Bei der Behandlung wird er von allen Seiten beobachtet. Irgendwann begreift er, dass er viel riskiert und alles verloren hat. Seine Ehe ist zerbrochen, der Kontakt zu seiner Tochter stark eingeschränkt, sein Ansehen als Wissenschaftler zerstört. Um seine Familie und sich selbst zu schützen, nimmt er einen Lehrauftrag auf Grand Cayman an.
    Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Vor allem kommt Ich-Erzähler Ben zu Wort, aber auch andere Personen und Quellen spielen eine Rolle. Wie alles zusammenhängt, erfährt der Leser nach etlichen Handlungsumschwüngen erst ganz zum Schluss. Der Roman hat mir nicht den Schlaf geraubt. Immer wieder gibt es detaillierte psychologische Ausführungen, die die Spannung mindern, außerdem werden ethische und juristische Fragen wie Schuldfähigkeit und extreme, an Folter grenzende Experimente bei der Behandlung von Straftätern in speziellen Einrichtungen erörtert. Der Roman ist nicht uninteressant, aber alles andere als ein nervenzerfetzender Thriller und von daher enttäuschend.

  1. Vexierspiel in einer Albtraumwelt

    Kurz: Spannend komponierte Mördersuche mit Hitchcock-Anleihen.

    Wer ist Anna O.? Mit dem gleichnamigen Roman führt Matthew Blake den Leser in die psychoanalytischen Verflechtungen des Schlafes und zu der spannenden Frage, ob ein Schlafender schuldig sein kann. Frei nach der alten Lebensweisheit Wer schläft, sündigt nicht. Hier kommen wir auf Anna, die im Verdacht steht, zwei Menschen ermordet zu haben und anschließend durch das medizinisch rätselhafte Resignationssyndrom in einen vierjährigen Schlaf fällt. Der Psychologe Dr. Benedict „Ben“ Prince aus der renommierten Schlafklinik The Abbey in der Harley Street hat den Auftrag, Anna zu wecken und diese Frage für die britische Regierung zu klären, um Anna vor Ablauf der Verjährung den Strafprozess machen zu können.
    Der Roman wird stilistisch weitestgehend in der Ich-Form erzählt, was den Leser sehr dicht an die Figuren heranrücken lässt. Durch einige Perspektivwechsel gelingt es Blake, die Geschichte Stück für Stück zusammenzusetzen, wieder zu zerpflücken und neu zusammenzusetzen. Diese Teile fungieren bis zum Ende, der Auflösung in einer Lösung, wie Bruchstücke in einem Vexierspiel.
    Vor allem Bens Suche nach der Wahrheit, um sich selbst in seinem verkorksten Leben zurechtzufinden, wird zum Katalysator der Story. Wird er es schaffen und Annas Geheimnis lüften? Ein raffinierter, ausgeklügelter Krimi mit Thriller-Elementen, in dem die Vorliebe des Autors für Hitchcock-Stoffe und Tatsachenromane, allen voran Kaltblütig von Truman Capote, mehrfach durchschlägt. Allerdings hätten manche wortgewandten und bildungsklugen Passagen kürzer ausfallen dürfen. Hier protzt Blake zu sehr mit einfallsreichen Formulierungen, die den Lesefluss etwas hemmen.
    Das Ende – so viel sei verraten – steht für ein logisches Konstrukt, das um des Überraschungswillen etliche Wendungen bereithält, dafür aber die Glaubwürdigkeit des Lesers stark strapaziert. Es scheint wie die Handlung selbst einem Labor entsprungen, in dem es keinen Zufall gibt, sondern ein festes Arrangement, das sich erst zuletzt erschließt.
    Spannende Unterhaltung, ein flüssiger, experimentierfreudiger Schreibstil und der Wille des Autors, eine ungewöhnliche Idee zu Papier zu bringen, stehen für einen rundum gelungenen Roman.
    Von mir viereinhalb von fünf Sternen.