Angstmörder: Thriller

Rezensionen zu "Angstmörder: Thriller"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 17. Nov 2017 

    Wer hat hier Angst?

    Anwalt Nicholas Meller ist ein echter 'Underdog', also ein Typ, dem niemand große Heldentaten zutrauen würde. Dann stolpert er jedoch mitten hinein in die Ermittlungen eines Mordfalls, den die Polizei schon so gut wie geklärt wähnt, und muss über sich hinauswachsen, um die Wahrheit aufzudecken, die niemand sonst sehen will. Dazu kommen ein paar zwielichtige Freunde aus dem kriminellen Milieu, ein hochintelligenter Serienkiller und eine hübsche Frau, die Nicholas unterstützend zur Seite steht. Plus ein bisschen SM, häusliche Gewalt und die ein oder andere Szene, wo es verdammt knapp wird für unsere Helden.

    Konnte ich mir super um 20:15 im deutschen Fernsehen vorstellen! (Was durchaus seinen Grund hat, mehr dazu weiter unten.) Aber ist das auch originell? In meinen Augen: ja, denn die Mischung machts!

    Nicholas ist vielleicht ein Underdog, aber er ist darüber hinaus ein interessanter, authentischer Charakter. Sympathisch fand ich ihn am Anfang nicht – er ist nicht nur stinkfaul, sondern ein echter Chauvi. Das Buch beginnt damit, dass er eine Frau zum Vorstellungsgespräch für eine Praktikantenstelle bittet, weil sie auf ihrem Bewerbungsfoto attraktiv aussah, und irritiert ist, als sich herausstellt, dass sie nur einen Arm hat. Seine Gedanken sind da schonungslos ehrlich: nein, er hätte Nina wohl nicht eingeladen, wenn er das gewusst hätte. Nein, ausgehen würde er mit einer Frau mit ihr wahrscheinlich auch nicht. Er stellt sie ein, löchert sie mit persönlichen Fragen und reißt Witze darüber, dass sie die Quotenbehinderte ist. An dieser Stelle hätte ich ihm am liebsten eine gescheuert.

    Aber ja, er wächst im Verlaufe der Handlung an seinen Erlebnissen. Ein perfekter Mensch wird aus ihm nicht, aber einer, den man mögen kann.

    Nina dagegen ist von Anfang an eine Protagonistin nach meinem Geschmack. Sie ist eine starke Frau, die sich von so einer Kleinigkeit wie einem fehlenden rechten Arm nicht aufhalten lässt und eher genervt reagiert, wenn Nicholas meint, ihr beim Packen von Päckchen helfen zu müssen. Definitiv keine Prinzessin in Nöten, bravo!

    Auch die anderen Charaktere fand ich gut und überzeugend geschrieben. Besonders interessant fand ich die, die irgendwo zwischen gut und böse angesiedelt sind. Sollte man einem Mann die Daumen drücken, der mitgeholfen hat, einen Mord zu vertuschen? Wahrscheinlich nicht, aber ich habe mich dabei ertappt.

    Die Liebesgeschichte hätte es für mein Empfinden nicht unbedingt gebraucht, aber gut, wenn sie schon mal da war... Sie entwickelte sich für meinen Geschmack ein wenig zu schnell, war dafür aber (meist) nicht so kitschig und drängte die eigentliche Handlung nicht zu sehr in den Hintergrund.

    Die meisten Pluspunkte im Bereich "Originalität" gab es von mir für die Konstruktion der Mordfälle. Die Kriterien, nach denen der Mörder seine Opfer auswählt, und die Planung seiner Taten waren wirklich interessant und mal was Neues!

    Allerdings war ich am Ende von der Auflösung etwas enttäuscht, denn da erklärt der Autor meines Erachtens den Mörder zu Tode. Das kam mir ein bisschen vor wie eine Checkliste: Vorgehensweise, Psychopathologie, Trauma, und sobald das abgehakt war, ging alles sehr schnell. Am Schluss setzt das Buch zwar noch einmal eine unerwartete Wendung drauf, aber die hat mich nicht hunderprozentig überzeugt, sondern kam mir etwas zu konstruiert vor.

    Das Schreiben ist Lorenz Stassen als langjährigem Drehbuchautor nicht fremd, und diesen Hintergrund merkt man auch: viele Passagen konnte ich mir gut als Filmszenen vorstellen. Gelegentlich fehlten mir nähere Erklärungen oder mir erschien nicht alles schlüssig – in einem Film sieht man darüber leichter hinweg. Ein paar Entwicklungen waren mir auch zu praktisch: unsere Helden sind zum Beispiel in einer Notlage, und prompt tauchen ein paar harte Kerle aus dem Nichts auf, um sie zu retten, und reiten dann in den Sonnenuntergang. (Oder so ähnlich.)

    Der Schreibstil war mir oft etwas zu einfach, mit kurzen Sätzen. Spannend und unterhaltsam fand ich das Buch jedoch durchweg, ich hatte es sehr schnell durch!

    Fazit:
    Lorenz Stassen liefert mit "Angstmörder" ein solides Thriller-Debüt ab, das mich trotz kleiner Schwächen und Kritikpunkte überzeugen konnte. Der größte Pluspunkt ist in meinen Augen, wie originell und interessant die Taten des Mörders konstruiert sind – das kann für mich auch ein leicht schwächelndes Ende ausgleichen! Ich werde den Autor definitiv im Auge behalten.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 25. Okt 2017 

    Mandantenlos

    Nicholas Meller schlägt sich als Anwalt eher schlecht als recht durch, eine richtige Sekretärin hat er nicht. Wenn er mal einen Mitarbeiter braucht, darf es auch gerne ein Referendar sein. Und so gibt er der Studentin Nina eine Chance, die sich auf die Prüfung vorbereiten möchte. Mellers letzter Mandant wird beschuldigt, seine Frau getötet zu haben. Die Indizienlage ist erdrückend und eine Verurteilung ist kaum zu vermeiden. Eine Freilassung auf Kaution wird abgelehnt und der Mandant beteuert verzweifelt seine Unschuld. Nina und Meller sind zwar geneigt, ihrem Mandanten zu glauben, aber aus dem Nichts heraus gibt es keinerlei Beweis für dessen Unschuld.

    Sie sind schon ein cooles Team, der Anwalt, der das Leben genießen kann, und die Studentin, die nicht ganz überzeugt ist, dass die Jurisprudenz wirklich das Richtige für sie ist. Vielleicht sind sie nicht die Besten in ihrem Beruf, aber sie haben einen Riecher für die Wahrheit und deshalb glauben sie ihrem Mandanten und beginnen nach Informationen zu graben, die die Indizienkette durchlöchern könnten. Mit akribischen und gleichzeitig phantasievollen Nachforschungen gehen Nina und Nicholas ihre durchaus schwierige Aufgabe an. Wie sollen Sie die Staatsanwältin überzeugen, dass es vielleicht doch einen anderen Mörder gibt. Ist es nicht manchmal so, dass wenn etwas offensichtlich erscheint, offiziell nur noch in diese Richtung ermittelt wird?

    Gleich mit seinem Debüt schafft es der bisher schon als Drehbuchautor für bekannte TV-Serien tätige Autor gekonnt eine schnelle und spritzige Story zu kreieren. Seine Hauptfiguren Nicholas und Nina sind sympathisch gezeichnet und sie bringen die nötige Gewitztheit auf, um einen perfiden Mörder Paroli zu bieten. Denn ein Mörder treibt ein äußerst geschicktes Verwirrspiel mit Spuren, Hinweise und Alibis. Unheimlich, wie er häufig seinen Mitspielern immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Mit seiner ausgesprochen spannenden Geschichte macht Lorenz Stassen Lust auf mehr. Im Verlauf ihres ersten gemeinsamen Auftritts werden Nicholas und Nina ein richtig gutes Team, wäre da nicht ein Stolperstein auf dem Weg zu einer gemeinsamen Praxis.

    Sehr gekonnt vorgetragen ist dieses Hörbuch von Uwe Teschner und Oliver Brod, wobei die Stimme des Killers einem mitunter eiskalte Schauer über den Rücken jagen kann. Ein Hörbuch, dass schon einige Male dazu verleitet, noch ein wenig im Auto sitzen zu bleiben, wenn es gar zu spannend ist und man einfach noch wissen muss, was die nächsten paar Minuten bringen.

    4,5 Sterne

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 21. Okt 2017 

    Ein Mörder, der mit unseren Ängsten spielt

    "Hast du Angst, machst du Angst, fürchtest du sie, vergrößerst du sie, fliehst du vor ihr, jagt sie dich." (Manfred Hinrich)
    Nicholas Meller ein erfolgloser Kölner Anwalt, der hauptsächlich von Aufträgen seiner russischen Landsleute lebt, lernt die junge Nina Verhoegen kennen. Sie hat sich bei ihm als Referendarin beworben, sofort fällt Nicholas auf das bei Nina etwas anders ist, den unter ihrem Mantel fehlte der rechte Arm. Doch Nina ist eine starke Frau, die kein Mitleid fordert, sondern Meller alles offen darlegt, das gefällt ihm. Deshalb stellt Nicholas Nina bei sich an und die beiden bekommen es recht schnell mit ihrem ersten Mordfall zu tun. Wolfgang Rölscheid ein ehemaliger Mandant von Meller soll seine Frau ermordet haben, in dem er sie zuvor brutal gefoltert und dann lebendig begraben hat. Vor Nicholas und Nina beteuert er aber vehement seine Unschuld, auch wenn alle Fakten die ihm von Kommissar Rongen vorliegen, das Gegenteil bestätigen. Doch Meller glaubt an Rölscheids Unschuld und sucht nach Fehlern bei der Polizei, damit die Ermittlungen in dem Fall wieder aufgenommen werden. Was Nicholas Meller und Nina nicht wissen ist, das sie dadurch in ein Wespennest gestochen haben. Den der Angstmörder hat längst sein neues Opfer ausgesucht und er ist schlau und präzise, ihn zu schnappen wird nicht einfach werden.

    Meine Meinung:
    Mit "Angstmörder" ist Lorenz Stassen ein wahrlich guter Debütroman gelungen. Dieses Buch ist schon alleine dadurch, das es ein sehr eigenes Ermittlerduo, nämlich ein Anwalt und seine eingeschränkte Referendarin hat, sehr außergewöhnlich. Mir hat es gut gefallen das auch endlich ein Autor vor dem Thema Behinderung keine Hemmungen hat. Ich finde, dass ihm dieses Duo sehr gut gelungen ist und sie gut zusammen passen. Deshalb hoffe ich, dass es noch weitere Fälle mit den beiden geben wird. Nicholas Meller ist mit seiner Klaustrophobie und der russischen Herkunft ein Anwalt mit Ecken und Kanten, dadurch waren mir beide sofort sympathisch. Die Schreibweise ist sehr gut, durch die kurzen Kapitel fliegt man nur so durch dieses Buch. Gut fand ich auch das man nicht nur den Täter, sondern auch die Opfer näher kennenlernt und mit ihnen bangt und zittert. So bleibt die Spannung in dem Buch zwar nicht kontinuierlich hoch, jedoch durch die Ermittlungen außerordentlich spannend. Am Ende gibt es natürlich noch einen grandiosen Showdown. Man merkt, dass dieser Autor schon diverse Drehbücher für viele Krimiserien geschrieben hat. Ich kann dieses Buch nur jedem weiterempfehlen und gebe 5 von 5 Sterne und freue mich auf eine Fortsetzung.