Andorra: Stück in zwölf Bildern

Buchseite und Rezensionen zu 'Andorra: Stück in zwölf Bildern' von Max Frisch
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5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Andorra: Stück in zwölf Bildern"

Die Kernzelle von Andorra findet sich in Max Frischs Tagebuch als Eintragung des Jahres 1946. Andorra ist der Name für ein Modell: Es zeigt den Prozeß einer Bewußtseinsveränderung, abgehandelt an der Figur des jungen Andri, den die Umwelt so lange zum Anderssein zwingt, bis er es als sein Schicksal annimmt. Dieses Schicksal heißt in Max Frischs Stück »Judsein«. Das Schauspiel erschien als Buchausgabe zuerst 1961.

Autor:
Format:Kindle Edition
Seiten:124
EAN:

Rezensionen zu "Andorra: Stück in zwölf Bildern"

  1. Ein Wiederlesen nach Jahren...

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 04. Jul 2014 

    Der junge Andri wird aufgrund eines Gerüchtes von seinen Mitmenschen ausgegrenzt und misshandelt. Er dient als Projektionsfläche für Ängste und Ressentiments und identifiziert sich schließlich mit dem Bild, das die anderen von ihm haben. Andorra, veröffentlicht 1961, stellt nach Frisch einen "Anfängerkurs in der Beschäftigung mit dem Phänomen Vorurteil" dar und nimmt am Beispiel des Antisemitismus die Auswirkungen gesellschaftlicher Klischees in den Blick.

    Vor etlichen Jahren habe ich das Buch als Deutschlektüre lesen müssen, und wie den meisten anderen in dieser Situation gefiel es mir nicht besonders. Nun fiel mir dieses Buch wieder in die Hand, und spontan habe ich beschlossen, es nach all den Jahren einfach noch einmal zu lesen, und ich muss sagen, ich bin sichtlich beeindruckt.

    Andorra ist ein Drama des Schweizer Schriftstellers Max Frisch. Frisch thematisiert am Beispiel des Antisemitismus die Auswirkung von Vorurteilen, die Schuld der Mitläufer und die Frage nach der Identität eines Menschen gegenüber dem Bild, das sich andere von ihm machen.

    Der männliche Protagonist Andri sowie die weibliche Hauptfigur Barblin befinden sich im Unwissen, dass sie Halb-Geschwister sind. Andri lebt im Glauben, dass sein Pflegevater, der Lehrer, ihn als "Judenkind" vor dem Nachbarvolk gerettet und groß gezogen hat. Andri wird als "Jude" abgestempelt, obwohl er gar keiner ist. Er wird immer wieder mit bestimmten Klischees seiner angeblich jüdisch-ethnischen Herkunft konfrontiert. Alle machen sich ein falsches Bild von ihm, er wird nur von Vorurteilen umgeben und letztendlich fängt er an, sich diese Eigenschaften selbst zu eigen zu machen und wird damit seiner Identität beraubt.

    Das "Andorra" von Max Frisch ist ein fiktiver Staat, mit dem nicht der reale Kleinstaat Andorra gemeint ist.
    Das 1961 uraufgeführte Bühnenstück von Max Frisch zeigt viele Parallelen zur Situation der Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Auch dort war Antisemitismus weit verbreitet, und eine große Zahl aus Deutschland flüchtender Juden wurde an der Grenze abgewiesen. Frischs Andorra ist gleichwohl als Modell zu verstehen: Jedes Land kann zu einem Andorra werden.

    Das Buch hat mich wirklich ausgesprochen beeindruckt und mich mit einer Gänsehaut zurück gelassen.
    In jedem Fall empfehlenswert!

    © Parden