ALLES WAS ICH DIR GEBEN WILL: Roman

Rezensionen zu "ALLES WAS ICH DIR GEBEN WILL: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 08. Apr 2019 

    Tragisch, aktuell, allerdings zum Schluss etwas überfrachtet

    Ich bin ja bekanntlich Fan von spanischer Literatur oder Romanen, die ebendort spielen. Es war mir zwar bisher nicht vergönnt, diesem Land mal einen persönlichen Besuch abzustatten (wenn man mal vom 2-wöchigen Besuch des 17. deutschen Bundeslandes absieht *g*), aber mit dem Alter wächst die Hoffnung *hust*.

    Wie dem auch sei: mit „Alles was ich dir geben will“ von Dolores Redondo habe ich mal wieder einen Glückstreffer gelandet.

    Ein schwuler Schriftsteller erhält die Nachricht, dass sein Mann bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Nach anfänglichem (nachvollziehbaren) Schock will er natürlich herausfinden, warum sein Mann an einem Ort ums Leben gekommen ist, an dem er zu dem Zeitpunkt gar nicht hätte sein sollen…

    Und so gerät Manuel in einen Strudel von Familiengeheimnissen, Verbrechen, Mord – die Story ist voll davon. Zum Ende hin wird es mir sogar etwas ZU viel, was in der adligen Familie an Rachsucht, Drogen- und anderen Missbräuchen vorkommt.

    Dennoch hat Dolores Redondo mich mit ihrer Geschichte gepackt. So beschreibt sie neben der immer weitere Kreise ziehenden (Krimi)-Story in poetischen Worten die Vorzüge Galiciens, nimmt uns mit auf steile Weinberge, in tiefe Schluchten – hach, ich will jetzt meine Koffer packen und dort hin. Leider sagt der Alltag etwas Anderes…

    Nun gut. Es ist jedenfalls schon länger her, dass ich eine so gelungene Melange aus Krimi, Liebes- und Familiengeschichte und poetischer Naturbeschreibung gelesen habe und vergebe trotz schwerer Story luftig-lockere 5*.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 24. Mär 2019 

    Familiengeheimnisse

    Ich habe in den letzten Tagen dieses spannende Buch von Dolores Redondo gelesen und ich bin weitestgehend begeistert. Der Schriftsteller Manuel Ortigosa erfährt in Madrid von der Polizei, dass sein Ehemann Alvaro Muniz de Davila einen Autounfall hatte und verstorben ist. Diese niederschmetternde Nachricht ist allein schon schrecklich, aber er muss sich dazu noch mit der Tatsache befassen, dass dieser Unfall nicht in Barcelona war, wo er seinen Mann verortete, sondern im fernen Galicien. Zu dem allein schon furchtbaren Verlust kommt nun noch der Verdacht eines Betrugs. Manuel ist vollkommen aufgelöst, verwirrt, schockiert und tieftraurig. Diese Darstellung der Gefühlswelt des Protagonisten gelingt Frau Redondo äußerst überzeugend, sehr intensiv und unglaublich berührend. Manuel macht sich auf den Weg nach Galicien, um herauszufinden was vor ihm geheim gehalten wurde. Und er erfährt, dass Alvaro Angehöriger einer alten Adelsfamilie war, und schon seit Jahren im intensiven Kontakt mit dieser Familie gestanden hatte und dies vor Manuel verheimlicht hat. Manuel ist verletzt und tief getroffen, zweifelt an ihrer gemeinsamen Liebe, zweifelt an ihrer tiefen Verbundenheit. Er wird mit der sehr unfreundlichen Familie Alvaros konfrontiert, den Muniz de Davilas, und muss mit einer tiefen Gefühlskälte klarkommen, die absolut nicht zum Charakter seines Alvaro passt. Gleichzeitig entdeckt er noch Ungereimtheiten im Unfallgeschehen, wird misstrauisch, erfährt aber Hilfe durch einen ehemaligen Polizisten und einen Pfarrer. Und alle drei fangen an zu ermitteln, versuchen Licht in das Dunkel alter Familiengeheimnisse zu bringen. Neben dieser sehr spannenden Kriminalgeschichte werden in ausgefeilter Weise die Charaktere geschildert und in literarischer Art wichtige Fragen des Lebens erörtert, es geht um Gedanken zu den Themen Liebe, Beziehungen, Ehrlichkeit, Verrat, familiäre Bindungen und Wichtigkeiten des Lebens. Und auch Manuel erfährt in der Geschichte einen gewissen Prozess der Veränderung. Und die ganze Schilderung der Ereignisse ist in einem so hohen Spannungsbogen gehalten und erzeugt einen sehr starken Sog, dass man das Buch kaum weglegen kann. Die Beschreibung der Landschaften und Örtlichkeiten Galiciens hat einen stark magnetischen und bildhaften Charakter, am liebsten möchte man den Koffer packen und hinfahren. Bei dem in meinen Augen sehr kleinen Manko, manchmal gerät die Geschichte etwas gefühlüberfrachtet, da spricht wahrscheinlich mein deutsches Herz, was mit dem spanischen Temperament etwas überfordert scheint, kann man getrost ein Auge zu drücken. Ganz oft beim Lesen habe ich mich an den Schatten des Windes erinnert gefühlt, obwohl nichts in der Geschichte daran erinnert, es ist wohl eher die Art des Schreibens, die da etwas in mir triggert. Auf jeden Fall haben wir hier ein tolles Buch, was mich in der letzten Zeit wunderbar unterhalten hat und was beim Lesen die reale Welt verschwinden lässt. Man möchte eigentlich gar nicht mehr auftauchen.

    Ich gebe eine Leseempfehlung!