Alles was glänzt: Roman

Rezensionen zu "Alles was glänzt: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 01. Nov 2018 

    - und doch kein Gold ist.

    Eine positive Überraschung, denn Gamillscheg erzählt subtil, in leisen Tönen und aus unterschiedlichen Perspektiven, wie die Menschen in einem Dorf, das am Hang eines Berges, in dem Erz abgebaut wurde, mit dem allmählichen "Niedergang" leben.

    Das Bergwerk ist inzwischen stillgelegt und Risse bereits am Rand des Berges auszumachen, wie die Schülerin Teresa, eine der Protagonisten bemerkt. Nur noch wenige Familien leben im Dorf, nachdem ein Journalist den Untergang vorhergesagt hat - da der Berg irgendwann "zusammenbreche":

    "Überall Gänge, Löcher. Höhlen. Stollen und Schächte." (8)

    "Der rote Knopf im Schaubergwerk funktioniert nicht mehr, und niemand repariert ihn." (7)

    Denn niemand besucht das Dorf, außer Merih, dem Regionalmanager, der den Ortskern neu beleben soll. Aus seiner Sichtweise erfahren wir, dass er die Bewohner überreden will, in die verlassenen Häuser um die Ortsmitte zu ziehen. Unterschriften für ein Landschulheim sammelt, das Museum auf Vordermann bringen will. Insofern steht er für einen Neuanfang - sofern dieser noch möglich ist.

    Vor seiner Ankunft ist Martin, ein junger Mann aus dem Dorf, aus einer der Serpentinen am Berg geflogen und tödlich verunglückt. Symbolisch steht er für die Zukunft, er sollte Esther heiraten, Teresas Schwester. Eigentlich will Teresa aufs Konservatorium in der Stadt, nun hat sie Angst, dass es Esther sein wird, die den Ort verlässt und das Gleichgewicht stört.

    Eine weitere Perspektive ist die Susas, Wirtin der einzigen Gaststätte "Espresso" und heimliche "Herrscherin" über das Dorf. Sie hält am Status quo fest und arbeitet gegen Merih, während "Wenisch", ein ehemaliger Bergarbeiter, die Erfahrung macht, dass er allein, ohne seine Tochter, die in die Stadt gezogen ist, im Dorf nicht mehr zurechtkommt. Er grübelt darüber nach, ob sein Nachbar Martin seinem Leben willentlich ein Ende gesetzt hat.

    Die vier Perspektiven spiegeln die unterschiedliche Sicht auf das Dorf wider, das vom Erzabbau gelebt, den Berg dadurch ausgehöhlt hat, so dass sein Ende bevorsteht (?): Status quo, Neuanfang, Flucht und Einsamkeit treffen aufeinander. Im Raum steht die Frage, ob man verantwortungsvoller mit der Natur hätte umgehen können und müssen.

    Interessant sind die Einschübe, die die sagenhafte Geschichte der Entstehung des glänzenden Erz erzählt, am Ende bleiben die Serpentinen, die durch den Abbau entstanden sind und die Namen tragen:
    Diese bilden jeweils die Kapitelüberschriften, von (0,0) bis (1555,3) zurück zu (0,0), wobei das erste und letzte Kapitel insofern einen Rahmen bilden, da sie aus keiner bestimmten Perspektive erzählt werden.
    Die Sprache ist sehr reduziert, Gedanken, Wünsche, Ängste werden angedeutet, die Leser*innen sind gefordert, sich ihren Reim auf die Handlungen der Figuren zu machen - es wird wenig erklärt. Erinnert hat mich der Roman an "Bevor alles verschwindet" von Annika Scheffel, da auch dort ein Untergangsszenario im Vordergrund steht, ein Dorf, aus dem die Bewohner flüchten, da es geflutet werden soll. Auch sprachlich und stilistisch gibt es Parallelen.

    Lese-Empfehlung!

  1. bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 15. Apr 2018 

    Konnte mich nicht überzeugen

    Inhalt:
    Tief in den Stollen des alten Bergwerks tut sich was – und alle im Dorf können es spüren. Die Wirtin Susa zum Beispiel, wenn sie im „Espresso“ nachts die Pumpen von den Ketchup-Eimern schraubt. Oder der alte Wenisch, ihr letzter Stammgast. Sogar der Bürgermeister, wenn er nicht gerade auf Kur ist. Zuallererst aber hat es der schweigsame Martin gespürt, bis er dann eines Morgens die Kontrolle über sein Auto verlor. Es ist, als würde der Berg zittern, als könne er jeden Augenblick in sich zusammenbrechen. Für die junge Teresa und den Neuankömmling Merih ist die Sache klar: Sie will sich endlich absetzen aus dem maroden Ort, er hingegen sucht einen Neuanfang - ausgerechnet hier.

    Fazit:
    Inhaltlich scheint das Buch auf den ersten Blick interessant zu sein - jedoch konnte mich die Umsetzung des Themas absolut nicht überzeugen.
    Und erschwerend hinzu kommt auch der schwierig zu lesende Schreibstil - der Schreibstil ist sehr ungewöhnlich - kurze und abgehackte Sätze. Oft musste ich einige Absätze zwei mal Lesen, weil es schwierig zu verstehen ist, was ausgedrückt werden soll.
    Auch ist nicht alles Nachvollziehbar für mich. Ich bin mir aber auch gar nicht sicher, ob ich das Buch so richtig verstanden habe.

    Leider keine Empfehlung von mir für dieses Buch.

    Inhalt:
    Tief in den Stollen des alten Bergwerks tut sich was – und alle im Dorf können es spüren. Die Wirtin Susa zum Beispiel, wenn sie im „Espresso“ nachts die Pumpen von den Ketchup-Eimern schraubt. Oder der alte Wenisch, ihr letzter Stammgast. Sogar der Bürgermeister, wenn er nicht gerade auf Kur ist. Zuallererst aber hat es der schweigsame Martin gespürt, bis er dann eines Morgens die Kontrolle über sein Auto verlor. Es ist, als würde der Berg zittern, als könne er jeden Augenblick in sich zusammenbrechen. Für die junge Teresa und den Neuankömmling Merih ist die Sache klar: Sie will sich endlich absetzen aus dem maroden Ort, er hingegen sucht einen Neuanfang - ausgerechnet hier.

    Fazit:
    Inhaltlich scheint das Buch auf den ersten Blick interessant zu sein - jedoch konnte mich die Umsetzung des Themas absolut nicht überzeugen.
    Und erschwerend hinzu kommt auch der schwierig zu lesende Schreibstil - der Schreibstil ist sehr ungewöhnlich - kurze und abgehackte Sätze. Oft musste ich einige Absätze zwei mal Lesen, weil es schwierig zu verstehen ist, was ausgedrückt werden soll.
    Auch ist nicht alles Nachvollziehbar für mich. Ich bin mir aber auch gar nicht sicher, ob ich das Buch so richtig verstanden habe.

    Leider keine Empfehlung von mir für dieses Buch.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 06. Apr 2018 

    Deprimierende Schicksale in einem trostlosen Dorf

    Seitdem ein Journalist dem Bergdorf den Untergang vorhersagte, ging es nur noch bergab. Die Touristen blieben aus, Menschen zogen weg, die Häuser begannen zu verfallen. Die die blieben, halten stur am Bestehenden fest, hoffen auf bessere Zeiten oder warten nur darauf, wegzukommen. Da geschieht ein großes Unglück und zeitgleich kommt Merih, ein Regionalmanager, der einen Anfang machen möchte: für das Dorf und für sich.
    Im Großen und Ganzen ist dies schon die gesamte Handlung des etwas mehr als 200 Seiten umfassenden Buches. Der Schwerpunkt liegt auf der Darstellung der einzelnen Bewohner, aus deren Sicht abwechselnd ihre eigene Situation geschildert wird. Alle vereint Resignation, was das Dorf betrifft. Was sie unterscheidet, ist der Umgang damit. Da ist Therese, die unbedingt weg möchte; Wenisch, der darauf hofft, dass seine Tochter mit Familie zu ihm zieht; Susa, die alles so lassen möchte wie es ist. Und Merih, der Neuhinzugekommene, der ebenfalls die Trostlosigkeit sieht, aber auch ein Potential - weshalb er ja hier ist. Ihre Wege kreuzen sich, aber außer Oberflächlichkeiten findet kein Gespräch statt.
    Marie Gamillscheg erzählt dies in einer sehr speziellen Sprache. Kurze Sätze, mit einem Blick für Kleinigkeiten, sehr detailliert; überdurchschnittlich viele Aufzählungen; Gedanken wechseln sich ab mit Beschreibungen ohne Kennzeichnungen. Anfangs empfand ich diesen Stil als ungewöhnlich und passend für diesen Ort und die Atmosphäre; für dieses Unglück, das sich gleich zu Beginn ereignet. Doch da die Handlung praktisch vor sich hin plätschert, wurde dieser Stil zusehends ermüdend. Die Charaktere waren mir fern, sie kamen mir mit keiner Seite näher und als ich das Buch beendet hatte, verlor ich keinen weiteren Gedanken an die beschriebenen Personen. Wenn es der Autorin gelungen wäre, ihren ProtagonistInnen richtiges Leben einzuhauchen und nicht nur von außen zu betrachten, wäre es wirklich tolles Buch geworden.