Alles Licht, das wir nicht sehen: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Alles Licht, das wir nicht sehen: Roman' von Anthony Doerr
4.65
4.7 von 5 (3 Bewertungen)

Saint-Malo 1944: Marie-Laure, ein junges, blindes Mädchen, ist mit ihrem Vater, der am "Muséum National d'Histoire Naturelle" arbeitet, aus dem besetzten Paris zu ihrem kauzigen Onkel in die Stadt am Meer geflohen. Einst hatte er ihr ein Modell der Pariser Nachbarschaft gebastelt, damit sie sich besser zurechtfinden kann. Nun ist in einem Modell Saint-Malos, der vielleicht kostbarste Schatz aus dem Museum versteckt, den auch die Nazis jagen.
Werner Hausner, ein schmächtiger Waisenjunge aus dem Ruhrgebiet, wird wegen seiner technischen Begabung gefördert, auf eine Napola geschickt und dann in eine Wehrmachtseinheit gesteckt, die mit Peilgeräten Feindsender aufspürt, über die sich der Widerstand organisiert. Während Marie-Laures Vater von den Deutschen verschleppt und verhört wird, dringt Werners Einheit nach Saint-Malo vor, auf der Suche nach dem Sender, über den Etienne, Marie-Laures Onkel, die Résistance mit Daten versorgt &
Kunstvoll und spannend, mit einer wunderschönen Sprache und einem detaillierten Wissen um die Kriegsereignisse, den Einsatz des Radios, Widerstandscodes, Jules Verne und vieles andere erzählt Anthony Doerr mit einer Reihe unvergesslicher Figuren eine Geschichte aus dem zweiten Weltkrieg, und vor allem die Geschichte von Marie-Laure und Werner, zwei Jugendlichen, deren Lebenswege sich für einen folgenreichen Augenblick kreuzen.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:519
Verlag: C.H.Beck
EAN:9783406680632

Rezensionen zu "Alles Licht, das wir nicht sehen: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 28. Mai 2016 

    Zwei ungewöhnliche Schicksale - in Saint-Malo 1944

    Vorne weg
    Der Roman, der im 2.Weltkrieg spielt, stand lange auf der Spiegel-Bestsellerliste und erhielt 2015 den Pulitzer-Preis für Belletristik.

    Inhalt
    Die Geschichte beginnt im August 1944 in Saint-Malo (Bretagne) während und nach der Bombardierung der Stadt. Die Schicksale zweier Personen treffen an diesem Ort zusammen:
    Das der 16jährigen blinden Marie Laure und des 18jährigen Waisenjungen Werner Hausners, der nach dem Bombardement mit seiner Einheit in einem Keller eingeschlossen ist.

    Im Rückblick wird abwechselnd in kurzen Kapiteln erzählt, auf welchem Weg die beiden jeweils nach Saint-Malo gelangt sind, eingeschoben werden immer wieder die Ereignisse nach der Bombardierung.

    Marie Laure lebt vor der Besetzung Frankreichs mit ihrem Vater in Paris, der als Schlosser im "Muséum National d´Histoire Naturelle" arbeitet. Dort zwischen all den Exponaten in den Sammlungen fühlt sie sich wohl und kann sich stundenlang damit beschäftigen, versteinerte Meerestiere zu ertasten. Ihr Vater baut ihr ein maßstabgetreues Abbild des Quartiers, in dem sie leben, damit sie den Weg bis zum Museum findet, das den sagenumwobenen Diamanten "Meer der Flammen" beherbergt , der bei der Besatzung Paris in die Hände von Marie Laures Vater gerät. Von Paris aus fliehen sie nach Saint-Malo zu Étienne, ihrem kauzigen Großonkel, der gemeinsam mit seinem Bruder, der im 1.Weltkrieg gefallen ist, Radiosendungen über Technik und Physik aufgenommen hatte. Jene Sendungen erreichen Anfang der 1930er Jahre den Waisenjungen Werner, der mit seiner Schwester Jutta in einem Waisenhaus des Zollvereins im Ruhrgebiet lebt.
    Aufgrund seiner besonderen technischen Begabung und seiner Fähigkeit Radioapparate zusammenzubauen und zu reparieren, erhält er die Chance in einer Nationalpolitischen Erziehungsanstalt (Napola), die die Elite für das Deutsche Reich ausbilden soll, seine Schullaufbahn zu absolvieren. In Schulpforta, in Sachsen gelegen, steht er unter dem besonderen Schutz des Physiklehrers Prof. Hauptmann und des "Riesen" Volkheimers, der später mit ihm gemeinsam in Saint-Malo in einem Keller (1944) eingeschlossen sein wird. Werner leidet in der Schule, da sein bester Freund Frederik, ein zarter Junge und Vogelliebhaber, von den anderen als Schwächling drangsaliert wird und dem militärische Drill nicht standhält. Werner vermag ihm nicht zu helfen und hat Angst, offen für Frederik einzutreten, bis jener so verletzt wird, dass er die Schule verlassen muss und lebenslang unter den Folgen leiden wird.
    Marie Laures Vater wird unterdessen zurück ins Museum beordert, auf der Reise aber verhaftet und in ein Gefangenenlager nach Deutschland verschleppt. Sporadisch erreichen Marie Laure Briefe, in denen er andeutet, dass in dem Modell, das er ihr auch von Saint-Malo gebaut hat, etwas versteckt ist.

    Nach diesem "Etwas" ist der Diamantenexperte Major Rumpel auf der Jagd. Als er im Naturkundemuseum nur die Kopie vorfindet, setzt er sich zum Ziel das Meer der Flammen zu finden und auch er ist nach Irrungen und Wirrungen 1944 in Saint-Malo unterwegs, um seine Begierde nach dem "Stein" endlich stillen zu können.

    Während sich die Haushälterin Étiennes der Résistance anschließt und mit dem Radioapparat, mit dem einst Étienne und sein Bruder wissenschaftliche Radiosendungen in den Äther schickten, Nachrichten übermittelt, wird Werner zu einer Spezialeinheit der Wehrmacht berufen, die die Feindsender der Widerstandskämpfer aufzuspüren versucht. Er gelangt über die Ukraine und Österreich schließlich nach Saint-Malo und lauscht dort Marie-Laures Stimme, die nach der Bombardierung aus dem Haus ihres Großonkels heraus ihren Lieblingsroman von Jules Verne, "20000 Meilen unter dem Meer" vorliest, während Major Rumpel verzweifelt nach dem Diamanten in ihrem Haus sucht. Die Wege Werners und Marie Laures kreuzen sich für eine kurze Zeit. Doch der Roman endet nicht mit dieser Begegnung, sondern wirft einen Blick auf die Zeit nach der Bombardierung und schildert, was aus den einzelnen Protagonisten wie Marie Laure, Werner, Jutta, Volkheimer und auch Frederik geworden ist und natürlich auch aus dem "Meer der Flammen."

    Bewertung
    Eine spannende Geschichte, die auf mehreren Ebenen begeistert.
    Erzähltechnisch führen die Rückblicke zielgerichtet auf die Begegnung der Protagonisten und es ist ein kluger Schachzug, die Geschichte danach weiterzuführen und nicht der Versuchung eines süßlichen Happy Ends zu erliegen. Mit der Suche von Major Rumpel nach dem kostbaren Diamanten wird die Spannung zusätzlich erhöht.
    Geschichtlich gesehen gibt der Roman einen Einblick in das Leben in Saint-Malo unter der Besatzungsmacht und den Versuch, Widerstand zu leisten. Gleichzeitig schildert er die Bombardierung der Stadt und ihre Folgen. Zudem erfährt man etwas über das Leben eines Jungen in den "Napolas" und den militärischen Drill dort, der zielgerichtet auf den Krieg vorbereiten sollte.

    Auf der Figurenebene erlaubt die Geschichte einen tiefen Einblick in die Seele des jungen Werner, der eigentlich "nur" von der Funktechnik begeistert ist und sich von der Wehrmacht instrumentalisieren lässt, obwohl aus ihm etwas anderes hätte werden können - wie Volkheimer immer wieder betont, der seinerseits Zärtlichkeit für Werner empfindet. Werner kämpft mit seinen Gewissensbissen und ist doch nicht in der Lage, "Nein"zu sagen oder für seine Freunde einzustehen, bis er den Sender von Marie Laures und ihrem Großonkel entdeckt und sich für den mutigen Weg entscheidet.
    Begeistert hat mich auch die Protagonistin Marie-Laure, die sich trotz ihrer Blindheit und der Verhaftung ihres Vaters bewusst für die Résistance entscheidet und den Besatzern entgegenstellt und niemals aufgibt. Ihre außerordentliche Sensitivität und Sensibilität vermag der Autor mit seiner empathischen und bilderreichen Sprache besonders gut zum Ausdruck zu bringen.

    Beim Hören braucht man am Anfang etwas Zeit, in die Geschichte zu finden, da die Kapitel recht kurz sind und man immer wieder zwischen Werners und Marie Laures Leben unterscheiden muss. Aber hervorragend vorgelesen von Frank Arnold findet man schließlich in die Geschichte hinein.

    Ein absolut empfehlenswerter Roman!

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Apr 2016 

    Vielschichtig, philosophisch, bildgewaltig...

    2015 bekam dieses Buch den Pulitzer-Preis für Literatur zugesprochen, was beinahe logisch war, da Anthony Doerr mit "All the Light We Cannot See" in den USA einen überragenden Erfolg gefeiert hat. Doch auch hierzulande hat es der Roman auf die Bestsellerlisten geschafft - und zahlreiche positive Rezensionen haben mich letztlich neugierig werden und zum Buch greifen lassen.

    Die Erzählung spielt im Wesentlichen auf drei Ebenen zu unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Orten. So erhält der Leser Gelegenheit, die beiden Hauptcharaktere - das französiche Mädchen Marie-Laure LeBlanc sowie den deutschen Jungen Werner Hausner - kennenzulernen und von Kindesbeinen an ab 1934 in ihrer Jugend zu begleiten. Das wundervolle ist: Kindern steht die Welt offen, ungezählte Möglichkeiten bieten sich ihnen, nichts ist undenkbar. "Was du alles sein könntest", ist dementsprechend ein Satz, der in diesem Roman immer wiederkehrt. Doch die Lebensbedingungen und die Umstände der Zeit lassen die Zahl Möglichkeiten rasch schwinden, führen auf eine Spur, die keine Rücksicht nimmt auf Träume, Wünsche, Talente - und Werte. Marie-Laure und Werner wachsen zu einer Zeit auf, in der Hitler in Deutschland die Macht ergreift und geraten schließlich auch in die Wirren des Zweiten Weltkrieges.

    Marie-Laure erblindet im Alter von sechs Jahren und lebt mit ihrem Vater in Paris. Dieser arbeitet im 'Muséum National d'Histoire Naturelle', wohin er seine kleine Tochter häufig mitnimmt. Um ihren Orientierungssinn zu schärfen, unternimmt der Vater mit Marie-Laure tägliche Spaziergänge durch das Pariser Viertel, in dem sie wohnen und fordert das Mädchen stets von einem anderen Startpunkt aus auf, nach Hause zurückzufinden. Aus anfänglicher Verzweiflung wird zunehmende Sicherheit, so dass sich Marie-Laure schließlich kaum noch hilflos fühlt. Auch sonst bemüht sich der Vater sehr darum, seine Tochter in Welten einzuführen, die ihr ansonsten womöglich verschlossen blieben. So erkundet sie ganze Abteilungen in dem Museum, wobei es ihr vor allem die Muscheln und Schnecken angetan haben, die sie erstasten kann. An Geburtstagen hat das Mädchen knifflige Rätsel zu lösen, und immer wieder einmal gibt es ein neues Buch von Jules Verne in Blindenschrift. Als Paris von den Deutschen besetzt wird, flieht der Vater mit Marie-Laure in die Bretagne nach Saint-Malo, zu einem kauzigen Onkel, der in der Stadt am Meer ein großes Haus bewohnt. Mit sich führt der Vater den wohl kostbarsten Schatz des Museums: einen wertvollen, sagenumwobenen Edelstein, das 'Meer der Flammen'.

    "Das Gehirn ist natürlich in völlige Dunkelheit eingeschlossen, Kinder. Es treibt in klarer Flüssigkeit im Inneren des Schädels, nie im Licht. Und doch leuchtet die Welt, die es in unseren Gedanken schafft. Sie fließt über mit Farbe und Bewegung. Und wie, Kinder, erschafft uns das Gehirn, das ohne einen Funken Licht lebt, diese helle, strahlende Welt? (...) Öffnet eure Augen und seht was ihr sehen könnt, bevor sie sich für immer schließen."

    Werner lebt mit seiner jüngeren Schwester in einem kleinen Waisenheim im Ruhrgebiet, nachdem sein Vater beim Bergbau verschüttet wurde. Durch ihre französische Erzieherin lernen die beiden Kinder auch etwas Französisch, wodurch sie Radiosendungen verfolgen können, auf die sie eines Tages zufällig auf ihrem selbstgebauten Weltempfänger stoßen. Die wissenschaftlichen Sendungen, kindgerecht aufbereitet, wecken bei Werner die Neugierde. In einem Notizbuch sammelt er Fragen über die Welt, von denen er sich eines Tages erhofft, die Antworten zu finden. Neben der Neugierde zeichnet Werner aber auch eine außerordentliche Intelligenz aus und ein technisches Talent, das sich in der Nachbarschaft herumzusprechen beginnt. Schließlich wird ein hochrangiger Nationalsozialist auf den Jungen aufmerksam - und verschafft ihm einen Platz in Schulpforta, ein Internatsgymnasium zur Förderung Begabter. Dort werden allerdings nicht nur Talente gefördert, sondern auch nationalsozialistisches Gedankengut gehegt und eingeimpft. Werner gerät in eine Maschinerie, die er nicht aufzuhalten vermag, und selbst als er der Schule durch einen vorzeitigen Eintritt in eine Spezialeinheit der Wehrmacht entkommen kann, entflieht er damit nicht der gnadenlosen Ideologie. Feindsender von Widerstandskämpfern sollen von ihm und seiner Einheit aufgespürt werden - in Russland, Polen, Österreich und schließlich: in Saint Malo in Frankreich.

    Während der Leser Marie-Laure und Werner in den Jahren ihres Heranwachsens begleitet, gibt es einen dritten Erzählstrang, der 1944 in Saint-Malo spielt. In eben dem Ort, in dem Marie-Laure nach wie vor lebt und in dem ihr Onkel mit einem Sender die Résistance mit Daten versorgt. Und in demselben Ort, in den Werners Einheit schließlich vorgedrungen ist, um eben jenen Sender ausfindig und die Betreiber unschädlich zu machen. Als die Bomber der Alliierten im August 1944 über Saint-Malo auftauchen, ist Werner noch genau fünf Straßen von Marie-Laure entfernt...

    Eine vielschichtig und kunstvoll gewobene Erzählung präsentiert Anthony Doerr hier. Perspektiven, Zeitebenen, Themen unterschiedlichster Art wechseln einander ab, ohne dass es wie ein unangemessener Bruch wirkt und ohne dass ein Detail unpassend dominiert: ein Kaleidoskop kleiner Momentaufnahmen. Wie die Wellen des Meeres überlagert dabei jede Bewegung der Erzählung das vorherige - und doch sind die Schichten darunter nur überdeckt, nicht aber verschwunden. Alles ist miteinander verwoben, und jeder Erzählstrang steuert schließlich auf das Geschehen 1944 in Saint-Malo zu, wo Lebenswege sich kreuzen - wie und auf welche Art auch immer.

    Bildgewaltig kommt die Erzählung daher, philosophisch durchzogen der Text, poetisch oftmals die Sprache. Auch wenn sich der Roman viel Zeit lässt beim Erzählen, sorgen die vielschichtige Handlung, die komplexe Entwicklung der Charaktere sowie die realitätsnahen Beschreibungen des Kriegsalltags mit authentischem Zeitkolorit trotz einiger Längen dafür, die Spannung aufrechtzuerhalten und lassen den Leser neben all der Brutalität und den Schrecken auch Oasen der Menschlichkeit erleben. Ein kleines Licht in dunkler Zeit.

    Beeindruckend.

    © Parden

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 08. Apr 2015 

    Schnecken im Licht

    Mit seiner jüngeren Schwester Jutta wächst Werner Hausner in den 1930er Jahren in einem Kinderheim im Ruhrgebiet auf. Werner ist ein überaus begabter Techniker, der schon als Kind Radios repariert. Natürlich hat er für sich und Jutta einen eigenen Empfänger gebaut. Gebannt lauschen die Kinder den Klängen aus der fernen Welt, besonders Sendungen über Physik haben es ihnen angetan. Etwa zur gleichen Zeit wächst Marie-Laure Leblanc in Paris auf. Schon als Kind ist sie erblindet, doch ihr Vater erklärt ihr die Welt so gut er es kann. Er ist der Herr der Schlüssel im Naturkunde-Museum und er genießt das Vertrauen des Kurators. Für seine Tochter baut er ein genaues Modell der Umgebung ihrer Wohnung, damit sie sich auch alleine zurechtfinden kann und keine Angst mehr haben muss, die Wohnung zu verlassen.

    Über die Jahre begleitet der Autor seine beiden Helden, die eigentlich nie zu Helden bestimmt schienen. Die zunächst noch relativ ruhigen beinahe glücklichen Zeiten, die nach und nach das Licht verlässt. Immer mehr Einschränkungen gilt es auszuhalten, Entbehrungen zu überstehen. Näher und näher rückt der Krieg, der Marie-Laure nach St. Malo führt, und Werner nach seiner abgebrochenen Schulzeit in einer Napola-Schule in Schulpforta nach Russland. Beide Jugendliche haben Unsägliches auszuhalten, sei es die Ungewissheit über den Verbleib der Lieben oder die Gewissheit über die Zerstörung eines Freundes. Marie-Laure geht dabei den Weg des Lichts, obwohl sie das Licht nicht sieht. Sie wirkt rein und unberührt, manchmal kurz vor dem Verzweifeln, findet sie den Weg. Werner dagegen scheint der Dunkelheit anheim zu fallen, mit Eifer besucht er die Schule, Wissen in sich aufsaugend und seinem einzigen Freund dort nicht beistehend. Nur langsam fast zu spät schleicht sich die Erkenntnis ein, dass Juttas Warnungen eine Wahrheit in sich trugen.

    Mit zauberhaft berührenden Worten beschreibt der Autor Anthony Doerr die Welt der beiden Jugendlichen. Viel zu früh gezwungen, erwachsen zu werden, wissen sie die kurzen Augenblicke des Einsseins mit der Welt zu schätzen. Müssen aber auch die Schlingen aushalten, die sich durch die Entwicklung der Zeit immer enger um sie zu ziehen scheinen. Genauso eng wird es dem Leser ums Herz, wenn er Marie-Laure zurufen möchte, halte durch!, wenn er Werne wünschen möchte, Fange an, zu denken!, bevor es zu spät ist. So viel Leid bringt der Krieg, so viele Unschuldige müssen ihr Leben lassen. Anlässlich einer Lesereise besuchte der Autor die Stadt St. Malo, deren historischer Kern an drei Seiten vom Wasser umspült ist. Er erfuhr von der Bombardierung durch die Amerikaner im August 1944, bei der die Stadt in großen Teilen zerstört wurde. Und so entstand der Grundgedanke, die Idee zu diesem wunderbaren Roman, der mit Wehmut daran denken lässt, was hätte sein können, was zurückbleibt, was zerstört wird und welche Hoffnung bleibt, wenn Menschen vielleicht auch gestärkt aus dem Leid hervorgehen. Ein Buch in dem man eintauchen kann, dass man erfühlen kann. Eine herausragende Lektüre, ein Leseerlebnis, das nachwirkt und in dem kein Wort verschwendet ist.