Alles bleibt anders

Buchseite und Rezensionen zu 'Alles bleibt anders' von Siegfried Langer
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4 von 5 (1 Bewertungen)

Nominiert für den Deutschen Phantastik Preis.
Nominiert für den Kurd Laßwitz Preis.


Schlimm genug für Frank Miller, dass er sein Gedächtnis verloren hat. Doch nicht nur das - er wurde offiziell für tot erklärt! Als ihn nicht einmal seine Verlobte Claire wiedererkennt, verwandelt sich sein rätselhaftes Schicksal endgültig in eine Tragödie.
Es ist das Jahr 2008 und Franks langsam zurückkehrende Erinnerungen konfrontieren ihn mit einer unglaublichen Realität: mit einem Dritten Reich, das das Jahr 1945 überlebt hat, mit einer NSDAP, die mächtiger und grausamer ist als jemals zuvor. Über ganz Europa weht die Flagge mit dem Hakenkreuz. Franks Suche nach seiner Identität führt ihn in die deutsche Hauptstadt Germania, erbaut nach den tollkühnen Entwürfen Hitlers und Speers.
Dort erfährt er, dass er kämpfen muss - um sein Leben, um seine Liebe zu Claire und um das Schicksal vieler anderer.


Pressestimmen:


Tageszeitung Der Standard, Wien (Online-Ausgabe): "Der aus dem Allgäu stammende und mittlerweile in Berlin lebende Autor legt einen spannenden Debütroman vor, der mehrfach mit Schauplatz- und Handlungswechseln überrascht."

Magazin phantastisch!: "Atmosphärisch dicht, stilistisch flüssig ... zeigt Siegfried Langer, dass man nicht immer lauten Kanonendonner braucht, um warnend seine Leser zu mahnen, ob der Gefahr die unauffällig schlummert und sich immer einmal wieder regt - die Gefahr der Intoleranz, der Indoktrination und des Radikalismus, die unabhängig welche Ideologie sich dahinter versteckt die Menschen in den Untergang reißt."

Fantasyguide.de: "Alles in allem bietet "Alles bleibt anders" eine interessante und ungewöhnliche Science Fiction-Geschichte, die Unterhaltung und Anspruch gelungen miteinander zu verbinden weiß ..."

SF-Notizen: "Schön, dass hier mal wieder ein kleiner Verlag so ein starkes Werk in die phantastische Szene einbringt, preiswürdig ..."

Brigitte Grothum im Magazin treffpunkt: "Spannend und lesenswert"

Format:Kindle Edition
Seiten:343
Verlag:
EAN:

Rezensionen zu "Alles bleibt anders"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 15. Okt 2014 

    Der Flügelschlag eines Schmetterlings...

    Frank Miller ist vollkommen verwirrt, als er plötzlich angeschrieen wird - barsch wird er aufgefordert, gefälligst von den Gleisen herunterzukommen. Ohne zu wissen, wie er überhaupt dorthin gekommen ist, leistet er der Aufforderung Folge und irrt danach durch die Straßen Berlins. Die Verwirrung will sich einfach nicht legen. Er kann sich nur noch an seinen Vornamen erinnern, ansonsten weiß er nichts mehr über sich. Eine der Straßen kommt ihm jedoch plötzlich bekannt vor, und bei einer Hausnummer macht er halt. Seine Wohnung. Oder etwa nicht?
    Ein Bewohner des Hauses, der gerade aus dem Fenster schaut, erkennt Frank tatsächlich wieder und bittet ihn hinein. Doch irgendwie ist alles anders, als Frank es sich gedacht hat. Früher einmal hat er tatsächlich mit seinen Eltern hier gewohnt. Doch sie sind schon vor langen Jahren fortgezogen - und als der ehelmalige Nachbar Franks Mutter das letzte Mal begegnete, war das auf dem Friedhof. Sie kam gerade vom Grab ihres Mannes - und dem ihres Sohnes Frank! Verwirrt macht sich Frank wieder auf den Weg, sammelt Erinnerungen, oft vermittelt von anderen Menschen, die er eigentlich kennen sollte, erinnert sich tatsächlich an manches - und doch ist alles mysteriös und vieles unerklärlich. Manche der Menschen, auf die er trifft, sind nicht nur erstaunt oder verunsichert, als Frank wieder auftaucht, sondern reagieren richtiggehend feindselig. Weshalb?

    "Wer sind Sie? Und was wollen Sie?" Sie fragte hart und unerbittlich. (...) "Ich weiß es nicht", gestand er nach einer Pause. "Ich weiß es wirklich nicht." Und Claire glaubte dem Unbekannten, der da neben ihr saß.

    Erst ab etwa einem Drittel des Buches erfährt Frank - und mit ihm der Leser - nach und nach, was wirklich los ist. Oxford und Germania im Jahr 2008, Physik und Mathematik, die Naziherrschaft, die 1945 überstanden und sich europaweit ausgebreitet hat - und immer wieder Berlin. Mehr zu verraten würde die Überraschung verderben und die Spannung, wohin das Geschehen um Frank wohl führen mag.

    Leben heißt fliehen, dachte Frank. Doch wohin?

    Ich bin froh, dass ich die Gelegenheit erhielt, das Debüt Siegfried Langers lesen zu können. Ich kannte bereits seine drei Thriller, die nach diesem Buch entstanden, und diese haben mir wirklich sehr gefallen. Doch dieses Buch ist anders. Spannend, durchaus - vor allem zu Beginn, weil man wie Frank vollkommen im Dunkeln tappt und immer nur so viel weiß wie er. Später dann eher überraschend, wenn man merkt, wohin die Reise nun plötzlich geht - und welche Welten Langer dort aufzeigt. Gegen Ende dann wieder unglaublich spannend, so dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen mag, weil man wissen will, wissen muss, wie es nun ausgeht.
    Ich bin ehrlich: Cover und Titel waren für mich eher wenig ansprechend, düster und dunkel gehalten, fast trist. Und doch passt der Titel unglaublich gut zum Buch, er ist durchaus wörtlich zu nehmen. Denn die überraschenden Wendungen wollen einfach kein Ende nehmen. Und selbst die Farbe des Einbandes ist überaus passend, gemahnt sie doch an den braunen Sumpf, in den Langer seine Personen geraten lässt.

    Wer die Schrift kontrolliert, kontrolliert die Geschichtsschreibung. Und wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert auch die Vergangenheit, so einfach ist das.

    Langer hat gut recherchiert hinsichtlich der historischen und wissenschaftlichen Fakten, die er da präsentiert - und doch ist alles anders. Von welchen Zufällen mag es abhängen, dass sich etwas in die eine Richtung entwickelt - oder aber in eine ganz andere? Auch die Chaostheorie spielt hier eine gewichtige Rolle ('der Flügelschlag eines Schmetterlings'), und Langer schafft so eine gelungene Mischung aus phantastischen Elementen, historischen Fakten, wissenschaftlichen Erkenntnissen und spannenden Entwicklungen. Selbst der Humor kommt unerwartet im letzten Drittel noch hervor, wo ich plötzlich mehr als einmal schmunzeln und laut lachen musste. Zu komisch war die Vorstellung, die Langer da präsentierte, und dabei in dem geschilderten Kontext unglaublich authentisch. Die Bilder dazu standen mir deutlich vor Augen.
    Allein das Ende hat mich persönlich nicht so ganz überzeugt. Nicht, weil ich ein unbedingter Freund von 'Happy Ends' bin, sondern weil ich es eher als abrupt und viel weniger liebevoll ausgestaltet empfand als den Rest der Geschichte.

    Selbst jetzt noch weigerst du dich, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Bewahre sie, deine Träume; vielleicht ist es der bessere Weg.

    Für mich ein gelungenes Debüt des Autors, das sich nicht hinter dessen Thrillern zu verstecken braucht. Es hat mich gut unterhalten, zum Nachdenken gebracht, mitfiebern lassen, amüsiert - und bereits hier zeigte sich das Talent Langers zum Schreiben.

    Langer selbst schrieb im Rahmen eines Interviews zu dem Roman:
    "Beinahe jedes Gebäude, jeder Straßenzug in meiner Wahlheimat Berlin strahlt Geschichte aus. Das Dritte Reich fasziniert mich dahingehend, dass ich mir immer wieder Fragen stelle wie beispielsweise 'Wie hättest du damals gelebt?' oder 'Welche Rolle hättest du gespielt? Opfer? Mitläufer? Täter?'. Ich bin unendlich dankbar, dass dies für mich lediglich ein Gedankenspiel darstellt. Aus dieser Motivation heraus wollte ich einen Roman schreiben, keinen mit erhobenem Zeigefinger, aber der Gewichtigkeit der Thematik angemessen."

    Ich jedenfalls freue mich schon auf mehr von Siegfried Langer!

    © Parden