Alchimie einer Mordnacht: Ein historischer Kriminalroman

Buchseite und Rezensionen zu 'Alchimie einer Mordnacht: Ein historischer Kriminalroman' von Benjamin Black
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4 von 5 (3 Bewertungen)

Ein spannender und kenntnisreicher Krimi um den exzentrischen Kaiser Rudolf II. Christian Stern, unehelicher Sohn des Bischofs von Regensburg, kommt im Winter 1599 nach Prag, um dort sein Glück zu machen. Doch gleich in der ersten Nacht findet er die Leiche eines Mädchens. Christian wird zum Ermittler wider Willen. Winter 1599: Christian Stern, ein ehrgeiziger junger Gelehrter und Alchimist, will am Hof des paranoiden und unberechenbaren Habsburgers Rudolf II Karriere machen. Doch schon in der ersten Nacht findet er die Leiche einer jungen Frau, Magdalena, gerade erst 16 Jahre alt, in einer Gasse gleich neben dem Schloss. Ihr wurde die Kehle durchgeschnitten, sie trägt ein Samtkleid und ein goldenes Medaillon und ist ganz offenbar von edler Herkunft. Christian gerät in Verdacht – und in den Bannkreis skrupelloser Höflinge, die durch finstere Machenschaften versuchen, sich Vorteile zu verschaffen. Bald zieht Christian die Aufmerksamkeit des Kaisers selbst auf sich. Doch mit der kaiserlichen Gunst wächst die Furcht, dass es in diesem Ränkespiel auch um sein eigenes Leben gehen könnte.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:384
EAN:9783462049190

Rezensionen zu "Alchimie einer Mordnacht: Ein historischer Kriminalroman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 15. Okt 2018 

    Eher historischer Roman als Krimi

    Den jungen Gelehrten Christian Stern, unehelicher Sohn des Bischofs von Regensburg, zieht es im Dezember 1599 nach Prag. Dort, am Hof des Kaiser Rudolfs II. will er es zu Ruhm und Ansehen bringen. Doch sein Schicksal nimmt eine unerwartete Wendung, als er in einer verschneiten Winternacht die Leiche der sechzehnjährigen Magdalena Kroll, Geliebte des Kaisers und Tochter des Hofarztes, findet. Nachdem Christian zunächst selbst verdächtigt wird, beauftragt ihn schließlich Rudolf II. damit, Magdalenas Mörder zu finden. Und so wird er hineingezogen in die Intrigen und Machenschaften des Kaiserlichen Hofs.

    Der junge Christian wirkt zunächst sehr von sich eingenommen, was ihm unsympathischen Zug gibt. Interessant ist aber, dass er als ich-Erzähler seine eigene Geschichte in der Retrospektive erzählt. Und so bewertet er sein eigenes Handeln und Verhalten auch nicht immer positiv, sondern mit dem Abstand der Zeit und des Alters.

    Die Sprache ist an den historischen Kontext angelehnt und erschien mir dadurch auf den ersten Seiten doch etwas mühsam zu lesen. Andererseits wird der Geschichte so an Authentizität verliehen und es nicht schwer, sich in das lebhafte Prag der Habsburger mit all seinen Intrigen und Verschwörungen hineinversetzten. Vor allem die detaillierten Beschreibungen der Umgebung und der Situationen sind beeindruckend. Auch treten zweifellos interessante Charaktere auf, die wie ihre Umgebung sehr präzise charakterisiert und beschrieben werden.
    Es handelt sich auf jeden Fall mehr um einen historischer Roman als um einen Krimi. Die Spannung schien mir gegenüber der wortgewaltigen Beschreibung der Kulisse einzubüßen. Die Auflösung des Mordfalls steht teilweise nicht mehr im Fokus.

    Daher eine Leseempfehlung für alle, die sich über einen historischen Roman im deskriptiven Stil freuen und sich auch an Schachtelsätzen nicht stören - wer nach einem klassischen Krimi sucht, wird wohl eher enttäuscht werden.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 15. Okt 2018 

    Prager Nächte

    Prag im Winter 1599/1600: Der 25-jährige Christian Stern, ein unehelicher Sohn des Bischofs von Regensburg, ist gerade neu in die Stadt gekommen. Der ehrgeizige Gelehrte und Alchimist will am Hof des Habsburgers Rudolf II Karriere machen. Aber ein Mord kommt ihn in die Quere: Schon in der ersten Nacht findet er die Leiche der erst 16-jährigen Magdalena Kroll im Schnee. Ihre Kehle wurde brutal aufgeschlitzt. Das Opfer scheint aus gutem Hause zu sein. Als Fremder gerät Christian sofort in den Verdacht, der Killer zu sein. Dann jedoch wird er zum Ermittler wider Willen. Und als er die Aufmerksamkeit des Kaisers auf sich zieht, könnte auch sein eigenes Leben in Gefahr sein…

    „Alchimie einer Mordnacht“ von John Banville alias Benjamin Black ist ein historischer Kriminalroman.

    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus zwei Teilen: Der erste spielt im Dezember 1599, der zweite im Januar 1600. Untergliedert ist er außerdem in 27 Kapiteln von einer angenehmen Länge. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Christian. Dieser Aufbau funktioniert gut.

    Der Schreibstil ist eher anspruchsvoll, aber dennoch flüssig, detailliert und anschaulich. Die Sprache wirkt durchaus authentisch. Der Einstieg in die Geschichte fällt leicht.

    Mit Christian Stern steht ein Hauptprotagonist im Mittelpunkt, den ich nicht auf Anhieb sympathisch fand, zu dem ich jedoch im Laufe des Romans einen Zugang erhalten habe. Auch viele weitere Charaktere sind reizvoll angelegt und differenziert gezeichnet.

    Die Handlung ist nicht durchgehend spannend und die Ermittlungen stehen weniger im Vordergrund als bei einem klassischen Krimi. Dennoch kommt beim Lesen keine Langeweile auf, denn es gibt mehrere Wendungen und ich bin gerne in das atmosphärisch geschilderte Prag früherer Zeiten eingetaucht. Die Auflösung erscheint mir plausibel.

    Zum Lesegenuss trägt bei, dass die Geschichte einige historische Aspekte vermittelt. Gekonnt werden Fakten und Fiktion miteinander verwoben. Interessant finde ich auch die Nachbemerkung des Autors, in der er den Wahrheitsgehalt der Geschichte erläutert und auf die historischen Figuren eingeht. Hier zeigt sich die fundierte Recherche.

    Das stimmungsvolle Cover und die hochwertige Aufmachung der gebundenen Ausgabe gefallen mir sehr gut. Der deutsche Titel ist allerdings nicht so treffend gewählt wie das englische Original („Prague Nights“), das ich inhaltlich für passender halte.

    Mein Fazit:

    Obwohl „Alchimie einer Mordnacht“ von John Banville alias Benjamin Black für mich weder ein Krimi noch ein klassischer historischer Roman ist, hat mir das Buch unterhaltsame Lesestunden beschert.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Okt 2018 

    Alchimisten und Astrologen

    Prag im Winter 1599. Voller Optimismus und mit einer gut gefüllten Börse kommt der junge Gelehrte Christian Stern in der Stadt an. Er möchte unbedingt eine Audienz bei Kaiser Rudolf, der bekannt dafür ist, ein offenes Ohr für Alchimisten, Astronomen und andere Gelehrte zu haben. Rudolf ist eher Exzentriker als Regent und die geheimen Wissenschaften faszinieren ihn.
    Doch schon in der ersten Nacht seines Aufenthalts stolpert Stern über die Leiche der jungen und schönen Magdalena Knoll. Gleich darauf wird er in den Kerker geworfen und kann nur seine Unschuld beteuern. Er wird nicht nur aus dem Gefängnis entlassen, nein, er erhält sogar die Gelegenheit bei Hof seine Gelehrsamkeit und Beweis zu stellen und Kaiser Rudolf selbst engagiert ihn, den Tod der jungen Frau – die seine Favoritin war – aufzuklären.
    Aber Christian Stern spürt bald, auf welch dünnem Eis er sich bewegt. Höflinge und Hofbeamte machen ihm das Leben schwer. Überall lauern Intrigen und Fallstricke.
    Blacks Roman ist mehr historischer Roman als Krimi. Es ist kein Kriminalroman wie ich erwartet habe, mehr ein, sehr beeindruckendes Zeitbild des frühen 17. Jahrhunderts. Sehr interessant fand ich die Schilderungen von Kaiser Rudolfs Hof. Viele historische Persönlichkeiten bereichern das Tableau des Buches. Mit Christian Stern begegnet man den berühmten Astronomen Johannes Kepler und Tyche Brahe. Das Wissen der Zeit wirkt heute manchmal obskur, Rudolfs Wunderkammer ist ein Beispiel dafür. Man spürt aber auch schon die Zeitenwende, es ist schließlich nicht mehr lange hin zum Prager Fenstersturz.
    Diese sehr detailreichen Geschichten haben mir gut gefallen, die Schilderungen des alten Prags ebenso. Ich fand auch die etwas altertümliche, der Zeit angepasste Sprache sehr schön. Es war mir ein Vergnügen diesen Roman zu lesen. Auch wenn es weniger Krimi war, als ich mir vorgestellt habe und ein wenig mehr Ermittlung und Spannung noch das Tüpfelchen auf dem „I“ gewesen wäre.