Achtsam morden im Hier und Jetzt

Buchseite und Rezensionen zu 'Achtsam morden im Hier und Jetzt' von Karsten Dusse
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4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Achtsam morden im Hier und Jetzt"

Björn Diemel will reden: sowohl über die Einschulung seiner Tochter als auch über das Tantra-Seminar, das er aus Versehen mit seiner Ex-Frau besucht hat. Leider hat ein Unbekannter Björns Achtsamkeitstrainer, Joschka Breitner, krankenhausreif geprügelt – bei dem Versuch, dessen Tagebuch an sich zu bringen. Björn entwendet kurzerhand selbst die Aufzeichnungen seines Therapeuten und macht sich auf die Suche nach dem Täter. Als er entdeckt, dass Joschka Breitner in den frühen 1980er Jahren ein Anhänger Bhagwans war, wird das Tagebuch das Ticket zu einer Reise in die Kinderstube der Achtsamkeit. Der Weg führt nach Indien und in die USA, zu Lebensfreude und Todesgefahr, zu zeitlos erhellenden Weisheiten und den ganz normalen Abgründen der menschlichen Seele.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:480
Verlag: Heyne Verlag
EAN:9783453273863

Rezensionen zu "Achtsam morden im Hier und Jetzt"

  1. 4
    16. Sep 2022 

    Schulkind

    Wie doch die Zeit verrinnt. In ein paar Tagen soll Emily, die Tochter des Anwalts Björn Diemel, eingeschult werden. Ein Anlass dies zum Thema für die Sitzung bei seinem Achtsamkeitscoach zu machen. Doch zum erstem Mal ist der Therapeut offensichtlich abgelenkt und er bittet Björn, die Stunde zu verschieben. Die Einschulung muss Björn nun alleine, gemeinsam mit seiner Ex-Frau durchstehen. Doch weil er die Zeitschrift auf dem Tisch seines Therapeuten für einen Hinweis hielt, besucht Björn mit Katharina ein Tantra Seminar. Total überrascht ist er, als er dort ein Bild seines Achtsamkeitstrainers entdeckt; zusammen mit dem Seminarleiter und Bhagwan.

    Mit seinem vierten Roman um seinen Anwalt Björn Diemel, in dessen Umfeld schon etliche Tote aufgetaucht sind, zu überraschen. Dass noch mal was von Bhagwan zu lesen sein würde, nachdem man in den 1980ern am ehesten die Bhagwandiscos kannte, war nicht unbedingt zu erwarten. Nun lernt man also etwas mehr zu Joschka Breitners Hintergrund. Vielleicht hat man sich eh schon mal gefragt, wo das mit der Achtsamkeit herkommt oder weshalb Breitner zum Therapeuten wurde. Das wird jetzt auf interessante Weise geklärt. Lustig ist dann auch das Tantra-Seminar, das zwar zu Lach- und Ekelanfällen bei Björn und Katharina führt, aber nicht spürbar zu einer Annäherung.

    Der Roman regt an, nochmal kurz über die Bewegung von Bhagwan nachzulesen. Man kann feststellen, dass diese noch nicht so tot ist, wie immer gedacht. Möglicherweise erinnert man sich noch an die orange gekleideten Menschen oder die Bhagwandiscos, die einem sehr exotisch erschienen. Überraschend, dass Breitner dazugehörte. Björn Diemels Begegnung mir Joschka Breitners Vergangenheit führt mal wieder zu einer Leiche im Keller. Das und auch das Tantra-Seminar sind humorvoll beschrieben. Die Widersinnigkeit des Settings macht genau seinen Reiz aus. Möglicherweise nehmen die Lehren Bhagwans und wie Breitner dazu gekommen ist so viel Raum ein, dass die gegenwärtige Geschichte etwas aus dem Blick gerät. Da könnte man ein wenig hin und her gerissen sein, ob das stört oder nicht sogar für den Verlauf unverzichtbar ist. Interessant ist dieser Ausflug in die Vergangenheit allemal.

    Die witzige Krimihandlung gepaart mit dem Wachrufen von Erinnerungen an eine Bewegung, die wie so viele mit nachvollziehbaren Gedanken begann, dann wegen persönlicher Belange Einzelner etwas eigenartig wurde und die dann aus dem allgemeinen Blick verschwand, ergibt eine überraschend schlüssige Kombination.

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