Acht Berge: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Acht Berge: Roman' von Paolo Cognetti
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5 von 5 (2 Bewertungen)

Gebundenes Buch
Eine unerschütterliche Freundschaft. Ein Aufbruch ins Ungewisse. Die Sehnsucht nach Heimat

Wagemutig erkunden Pietro und Bruno als Kinder die verlassenen Häuser des Bergdorfs, streifen an endlosen Sommertagen durch schattige Täler, folgen dem Wildbach bis zu seiner Quelle. Als Männer schlagen die Freunde verschiedene Wege ein. Der eine wird sein Heimatdorf nie verlassen, der andere zieht als Dokumentarfilmer in die Welt hinaus. Doch immer wieder kehrt Pietro in die Berge zurück, zu diesem Dasein in Stille, Ausdauer und Maßhalten. Er ringt mit Bruno um die Frage, welcher Weg der richtige ist. Stadt oder Land? Gehen oder Bleiben? Was zählt wirklich im Leben?

Vor der ehrfurchtgebietenden Kulisse des Monte-Rosa-Massivs schildert Paolo Cognetti mit poetischer Kraft die lebenslange Suche zweier Freunde nach dem Glück. Eine eindringliche archaische Geschichte über die Unbezwingbarkeit der Natur und des Schicksals, über das Leben, die Liebe und den Tod.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:256
EAN:9783421047786

Rezensionen zu "Acht Berge: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Okt 2017 

    Geschichte einer Männerfreundschaft vor beeindruckender Kulisse

    Angezogen hat mich dieses Buch nicht zuletzt seiner optischen Schönheit wegen: Wenn man den Roman fertig gelesen hat, ist das Cover nicht nur schön, sondern auch absolut passend gewählt.

    Es geht im Kern um die lebenslange Freundschaft von Bruno und Pietro. Beide freunden sich im Bergdorf Grana an, in dem Bruno zu Hause ist und Pietro regelmäßig seine Sommerferien verbringt. Was als gemeinsames abenteuerliches Erkunden der Umgebung beginnt, begleitet die Freunde das ganze Leben lang.
    Sie verlieren sich auch für einige Jahre aus den Augen, ein Todesfall bringt sie als Erwachsene jedoch wieder zusammen, die einmal geschaffene Freundschaftsbasis hält den Widrigkeiten des Lebens stand. Ohne viele Worte versteht und respektiert man sich.

    Es geht aber auch um Lebensentwürfe, Vaterbeziehungen, Familie und Heimat in diesem Roman.

    Der Ich-Erzähler ist Pietro. Auch wenn er in der Stadt aufgewachsen ist, verbindet ihn schon früh eine ganz besondere Beziehung zu den Bergen, sie lassen ihn nicht los, auch wenn er in die Welt hinausgeht. Bruno wird seine Heimat indessen nie verlassen.

    „Acht Berge“ ist ein ruhiges Buch. Beeindruckend die Sprachgewalt, die die Welt der Berge wunderbar beschreibt. Auch Charaktere und Beziehungen sind treffend dargestellt.

    Mich hat das Buch restlos überzeugt.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 17. Sep 2017 

    Grandios

    Den Vater haben die Berge nie losgelassen, aber er hatte eine besondere Art sie zu erobern, gar zu bezwingen. Er schaute beim Gehen nicht nach rechts oder links, er machte keine Pausen, er hatte nichts als den Gipfel im Blick. Sobald Pietro alt genug ist, wird er vom Vater mitgenommen, die Touren länger und härter und die Höhenkrankheit, die ihn überfällt, übersieht der Vater meist.
    So hätte Pietro nie die Berge lieben gelernt, wenn nicht die Mutter gewesen wäre. Sie ist eine Frau, die die Mitte liebt, sie braucht keine Gipfel, es genügen ihr die Almen und die Bergdörfer. Grana wählt sie als sommerliches Feriendorf aus, sie mieten eine Wohnung und verbringen viele herrliche Wochen dort, auch wenn der Vater oft nur kurze Zeit aus Mailand kommen kann. Dort lernt Pietro auch Bruno kennen. Der Bub lebt als Hütejunge bei seinem Onkel, der Vater ist ein meist abwesender gewalttätiger Säufer, die Mutter hat sich ganz in sich zurückgezogen.
    Zwischen Bruno und Pietro entwickelt sich eine Freundschaft, die ohne viel Worte auskommt. Sie vertrauen einander, sind fast Brüder im Geist und wenn der Sommer endet, gehen sie auseinander und wissen doch, dass sie bald wieder zusammen sein werden.
    Viel später haben sich die Lebenswege endgültig getrennt, Pietro hat mit seinem Vater gebrochen und sein Studium aufgegeben. Er reist als Dokumentarfilmer ruhelos um die Welt. Bruno ist im Tal geblieben. Das Angebot der Gualdis, Bruno nach Mailand zur Ausbildung mitzunehmen, hat der Vater und auch der Onkel verhindert. Als Maurer verdient Bruno nun gutes Geld, aber es ist nicht der Weg, den er sich erträumte.
    Der Tod von Pietros Vater bringt die zwei wieder zusammen, eine Almhütte sollen sie als Rückzugsort wieder aufbauen, das Grundstück bekommt Pietro mit dieser Bitte vererbt. In diesem Sommer werden die zwei wieder eins. Eine Männerfreundschaft, innig und vertrauensvoll, trotz unterschiedlicher Lebenswelten eine Einheit.
    Eine Freundschaft, die über viele Jahre und Unterbrechungen felsenfest bleibt, die Beschreibung der Landschaft und der Bergwelt, die mich tief beeindruckt hat und dazu die Figuren Bruno, Pietro und die Eltern Gualdi, die mich berührten, das alles hat mir dieses Buch sehr ans Herz wachsen lassen. Dabei wird nicht verschwiegen, dass es die Bergwelt der Kinder nicht mehr gibt, Straßen haben die Täler durchzogen und Skilifte die Berghänge erobert. Die Gefahren lauern nicht mehr nur in Gletscherspalten, sondern in einer Welt, in der Berge zum Erlebnisfaktor geworden sind. Das müssen auch Bruno und Pietro schmerzhaft erfahren.
    Es gibt nicht viele Bücher, die in ihrer Einfachheit grandios sind. Für mich zählen die „Acht Berge“ von Paolo Cognetti dazu. Das Buch lässt mich berührt, traurig und gleichzeitig auch glücklich zurück und ich weiß, dass ich es noch oft zur Hand nehmen werde. Ich bedaure nur, dass ich mit meinen Worten diesem Roman nicht gerecht werden kann.