The Accident on the A35

Rezensionen zu "The Accident on the A35"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 17. Nov 2018 

    Unbekannter Vater

    Bei einem Unfall auf der A 35 stirbt der angesehene Anwalt Betrand Barthelme. Der Polizeichef des kleinen französischen Ortes Saint-Louis Inspektor Georges Gorski wird zum Unfallort gerufen. Alles scheint unauffällig, eine Beteiligung Dritter ist nicht erkennbar. Doch Gorski hat die schwierige Aufgabe, den Angehörigen die Todesnachricht zu überbringen. Zu seinem Erstaunen scheinen weder die Witwe noch der 17jährige Sohn des Opfers sehr betroffen zu sein. Dennoch bittet Lucette Barthelme den Beamten, die näheren Umstände des Unfalls zu ermitteln. Denn eigentlich hätte ihr Mann sich mit Freunden seines Clubs treffen sollen und dazu wäre eine Fahrt auf der Autobahn nicht nötig gewesen.

    Eigentlich gibt es nichts zu ermitteln und doch sind die Umstände dieses Todesfalls etwas seltsam. Gorski, der in seinem eigenen Team ein Außenseiter ist, der gerne mal dem Alkohol zuspricht und der vielleicht nicht von ungefähr von seiner Frau getrennt ist, fängt an, nachzubohren. Dabei bekommt er eine unerwartete Konkurrenz vom Sohn des Verstorbenen. Zufällig entdeckt dieser eine Anschrift im Schreibtisch seines Vaters und fängt an, eigene Nachforschungen anzustellen.

    In diesem abgeschiedenen kleinen Örtchen gestaltet es sich schwierig, irgendwelche Sympathien zu entwickeln. Der verstorbene Vater war in seiner Zweckehe kaum vorhanden. Die Mutter wohl froh, versorgt zu sein, hat sich mit der Langeweile abgefunden. Und der Sohn Raymond ist zwar verständlicherweise schon aus der Bahn geworfen, das gibt ihm doch nicht das Recht, sich zu benehmen wie die Axt im Wald. Und schließlich der Inspector Gorski, der zwar eine echte Spürnase ist, der sich kein X für ein U vormachen lässt, aber doch etwas sehr viel an der Flasche hängt, selbst wenn man bedenkt, dass der Roman in den 1970ern angesiedelt sein dürfte.

    Obwohl es wie berichtet schwierig erscheint, Sympathieträger zu finden, kann man doch von diesem Buch nicht lassen. Die Geschichte fesselt einfach. Man ist einfach zu neugierig, was der Anwalt auf der Autobahn zu suchen hatte. Und es ist schon eine Nummer für sich, wie der Autor es schafft, das Geheimnis auch in seinen Auswirkungen nach und nach zu enthüllen. Graeme Macrae Burnet ist sicher ein Autor, den man sich merken wird.