Abgesang

Buchseite und Rezensionen zu 'Abgesang' von Anna Hope
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Drei Frauenschicksale, verbunden durch einen furchtbaren Tag in den Schützengräben an der Somme...Ein bewegendes Debut für alle, die «Der Außenseiter» von Sadie Jones oder «Abbitte» von Ian McEwan gelesen haben.


London, Herbst 1920: Eine Neuigkeit bewegt die Gemüter. Die englische Regierung lässt - zum ersten Mal in der Geschichte - die Überreste eines Unbekannten Soldaten exhumieren. In fünf Tagen soll er mit allen militärischen Ehren in der Westminster Abbey bestattet werden. Feierlich wird der Leichnam von den Schlachtfeldern an der Somme nach London gebracht.
In diesen fünf Tagen der Überführung müssen drei Frauen mit ihrer eigenen Trauer fertig werden. Ada hat ihren 18-jährigen Sohn im ersten Weltkrieg verloren und nie erfahren, unter welchen Umständen er eigentlich gestorben ist. Die beinahe 30-jährige wohlhabende Lady Evelyn wendet nach dem Tod ihres Geliebten dem Leben den Rücken zu und arbeitet in der Behörde, die Kriegsversehrten ihre Renten zuteilt. Die 19-jährige Hettie ist im glamourösen "Palais" für einen Sixpence als Tanzpartnerin zu mieten. Sie träumt davon, sich zu verlieben und dem tristen Leben mit ihrer verwitweten Mutter und dem traumatisierten Bruder zu entfliehen.
Ein packender Roman über die Folgen des Krieges und den Beginn einer neuen Zeit, in der sich die Frauen veränderten – für immer.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:416
Verlag: Kindler
EAN:9783463403229

Rezensionen zu "Abgesang"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 01. Dez 2015 

    Abgesang - Abschied und der Remembrance Day

    Ich habe mich mit dem Buch etwas schwer getan.
    Es ist durch das hin und her leiten der unterschiedlichen Charakteren der Frauen Hettie,Evelyn und Ada nicht einfach ist in das Buch hinein zu kommen.
    Auch so ganz bin ich mit der Überführung der Überreste des Soldaten nicht klar gekommen, da er eigentlich ja nichts mit den 3 Frauen zu tun hatte. Das einzige war das er nachher als Bezugspunkt für den bevorstehenden Tag zu ehren der gefallenen Soldaten vorkommt wo dann alle 3 Frauen hingehen.
    Es war mir einfach zu viel durcheinander mit den unterschiedlichen Abschnitten.
    Eigentlich ist es auch keine Lebensschilderung der 3 Damen sondern eher die Schilderung ihrer Trauerarbeit.
    Jede Frau geht anders mit der Verarbeitung um.
    Hettie muss den Unterhalt in Tanzlokalen verdienen, da ihr Bruder völlig verstört aus dem Krieg zurück am und nicht arbeiten kann.
    Ada die ihren Sohn verloren hat, diese jedoch nicht begreifen will und immer noch hofft das er zurück kommt.
    Evelyn die ihren Verlobten verlor und seither verbittert mit ihrem Leben ist das sie in einem Büro tristet, die ehemaligen Soldaten berentet.
    Und im Laufe des Buches sieht man dann auch die Verbindung die alle 3 irgendwie miteinander haben.

    Für mich wie gesagt war das Buch einfach zu langatmig bis es dann mit dem Höhepunkt der Beisetzung des Soldaten endete dem Remembrance Day, der wohl auch noch heute jedes Jahr in England gefeiert wird.

    Ich konnte auch nichts mit dem Wort Abgesang anfangen, er jetzt als ich im Duden las das es ein Synonym von Abschied ist kann ich den Titel verstehen.
    Trotz allem hat sich die Autorin viele Gedanken gemacht und von daher
    4 von 5 Sternen.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Apr 2014 

    Tolle Geschichte um 3 Frauen in der Nachkriegszeit

    Es ist der Herbst im Jahre 1920, als die englische Regierung auf die Idee kommt, einen unbekannten Soldaten in allen Ehren zu bestatten, stellvertretend für alle Soldaten die im Krieg fielen und von denen keine Gräber vorhanden sind. Am Tag des Waffenstillstandes soll es soweit sein und es wird eine große Menschenmenge erwartet. Durch die Augen von 3 verschiedenen Frauen erleben wir dieses Ereignis.

    Ada, die ihren 18-jährigen Sohn in den Krieg ziehen sah und der nie wieder zurück kehrte. Trotz einem unpersönlichen Brief, der sie von seinem Ableben unterrichtet, ist sie davon überzeugt, dass Michael noch lebt. Mit ihrer Unfähigkeit um ihren Sohn zu trauern und danach abzuschließen gefährdet sie ihre Ehe, denn ihr Mann kann das kaum noch ertragen.

    Die fast 30-jährige Evelyn hat ihren Verlobten im Krieg verloren. Obwohl sie aus reichem Hause kommt fängt sie in einer Munitionsfabrik an zu arbeiten. Möchte sich dafür bestrafen, dass sie noch am Leben ist. Später nimmt sie einen Job in einer Behörde an, die für die Rentenzuteilung zuständig ist. Sie will nicht mehr glücklich sein. Genau wie ihr Bruder Edward, der durch die Schrecken des Krieges anfängt zu trinken. Auch er kommt, wie so viele mit dem Grauen nicht zurecht, das er erlebt hat.

    Hattie ist mit ihren 19 Jahren die Jüngste. Kurz nach dem ihr Vater starb, kam ihr Bruder schwer traumatisiert vom Krieg nach Hause. Körperlich unversehrt, kann er doch keiner Arbeit mehr nachgehen, weil seine Seele so zerstört wurde. Hattie kündigt ihren Job und fängt in einem Tanzpalast als Miettänzerin an. Sie hofft, dadurch vielleicht einen reichen Mann kennenzulernen der sie aus der Verzweiflung und die Notwendigkeit ihre Familie Finanziell versorgen zu müssen, herausholt.

    Was für eine Geschichte. Das Buch erfasst nur 5 Tage, aber die haben es in sich. Die Autorin schafft es perfekt die Stimmung der Nachkriegszeit aufzufangen und dem Leser die Melancholie dieser Zeit nahe zu bringen. Ihre Beschreibungen der "Helden des Krieges" haben mir sehr zu schaffen gemacht. Arme zerbrochene Männer, oft Körperlich versehrt müssen bei der Regierung um finanzielle Unterstützung betteln. Müssen sich erniedrigen obwohl sie Tag für Tag ihr Leben für ihr Land aufs Spiel gesetzt haben. So hatte ich das vorher noch nie gesehen. Es gab kaum Arbeit für diese Männer, die wieder nach Hause zurückgekehrt waren.

    Wie egoistisch und klein kamen mir dagegen Hatties Probleme vor. Sie konnte nicht verstehen, warum diese Männer sich so hängen ließen. Warum ihr Bruder nachts schreit und am Tag ins Leere starrend am Tisch sitzt. Sie will Leben, tanzen, alles einfach hinter sich lassen. Von vorne beginnen. Vergessen was war.

    Das können Evelyn und Ada nicht so einfach. Sie wollen auch gar nicht vergessen, nicht nach vorne schauen, denn das bedeutet Leben.

    "Abgesang" ist mit Sicherheit kein Buch für mal schnell zwischendurch, trotzdem möchte ich eine absolute Leseempfehlung aussprechen.. Schon alleine dafür, weil es der Autorin gelungen ist, mich an der Verzweiflung Teil haben zu lassen, die die Menschen kurz nach dem Krieg befallen hatte . Ich fand das Buch großartig und darum vergebe ich 5 von 5 Punkten und den Favoritenstatus.

    © Beate Senft