1933 war ein schlimmes Jahr: Roman

Buchseite und Rezensionen zu '1933 war ein schlimmes Jahr: Roman' von John Fante
4.85
4.9 von 5 (7 Bewertungen)

Fante war mein Gott. Charles Bukowski.

Die Geschichte eines persönlichen und eines Klassenkampfes in der Zeit der großen Wirtschaftskrise, ist dies ein bewegender und komischer Roman über die Jugend und ihre Auflösung im Erwachsenenleben. Gefangen in einer armen Kleinstadt in den Dreißiger Jahren wünscht sich der 17-jährige Dominic Molise nichts mehr, als ein Sport-Star zu werden. Die großen Siege, die große Anerkennung, die große Liebe. Aber er kämpft stattdessen mit der italienischen Herkunft seiner Eltern und dem Druck, im Familienbetrieb mitzuarbeiten. Ziegelsteine zu stapeln ist nichts für ihn. Sein Vater hingegen versucht ihn vor dem unausweichlichen Scheitern zu bewahren und zu überzeugen, statt des Baseballschlägers doch lieber eine Maurerkelle in die Hand zu nehmen, Seine Mutter weiß sich nicht besser zu helfen, als zu beten.

John Fantes Romane gehören zum Besten, was die amerikanische Literatur je hervorgebracht hat. Charles Bukowski.

Durch Bukowski kam ich auf Fante, ich las und las. Benjamin von Stuckrad-Barre.

1933 war ein schlechtes Jahr ist ein umwerfender kurzer Roman. The New Yorker

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:144
Verlag: Blumenbar
EAN:9783351050313

Rezensionen zu "1933 war ein schlimmes Jahr: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 07. Feb 2017 

    „Der Arm weiß, wo’s langgeht“

    1933 war ein schlimmes Jahr muss man lesen! Zum einen droht angesichts grassierender Potentatitis auch das Jahr 2017 so zu werden. Zum anderen stellt John Fante (1909-1983) das Schicksal von Einwanderern in den Mittelpunkt seines Romans.

    Der in Colorado geborene Schriftsteller aus einer Familie italienischer Migranten kannte deren Träume und Sehnsüchte ebenso so gut wie das Gefühl des Fremdseins in einem anderen Land. Diese universellen Themen der Migration bestimmen seit jeher die Geschichte der Menschheit, die durch permanente Ein- und Auswanderung erst richtig in Schwung kam und kommt. Darüber lohnt es sich nachzudenken. Einen guten Anstoß bietet dieses schmale, vom Blumenbar Verlag in Signalgelb getauchte und von Alex Capus übersetzte Buch.

    Capus, der auch andere Werke Fantes ins Deutsche übertragen hat, ist nicht nur ein Kenner dieses Schriftstellers. „Fante war der Held meiner Jugend“ bekennt er im Nachwort. Damit ist er ganz nah dran an Bukowskis „Fante was my God“. Bukowski wurde in den 70er Jahren auf Fantes Werk aufmerksam und verhalf ihm zu Neuauflagen und Erstveröffentlichungen. Dazu zählte auch „1933 war ein schlimmes Jahr“, eine Information, die man im umfangreichen Nachwort Capus’ vergeblich sucht. Dafür lässt sich manch anderes, aber auch Überflüssiges wie Details von Fantes Krankheitsgeschichte, erfahren.

    Als Sohn italienischer Einwanderer wuchs John Fante in Boulder auf, suchte als junger Mann in Los Angeles sein Glück und fand es, wenn man dies am finanziellen Erfolg misst, nicht mit seinen Romanen, von denen viele erst von Bukowski aus der Schublade gekramt wurden, sondern mit dem Verfassen von Drehbüchern. Die acht Romane, so Capus, spiegeln, wie Handlungsorte, Figuren und deren Konflikten zeigen, Fantes eigene Erfahrungen.

    Den vorliegenden Roman hat er allerdings erst im Jahr 1963 mit 54 Jahren verfasst. Die Einsichten eines erfahrenen Menschen merkt man dem Buch an, denn die Gedanken des 17-jährigen Ich-Erzählers sind aufbrausend, skurril, empfindsam, bisweilen aber auch weise.

    Das größte Pfand dieses Dominic Molise ist sein Arm, dessen Schlagkraft ihn trotz geringer Körpergröße zum begehrten Pitcher der örtlichen Baseball-Mannschaft macht. Der Arm könne ihn gross machen, meint Ken Parrish, sein bester Freund, Sohn des reichsten Mannes von Roper. Dieser besitzt eine Eisenwarenhandlung, während Doms Vater nur einen alten Betonmischer hat, der ihm seine Existenz als Mauerer sichert. Kens Familie residiert in einer Villa mit Pool, die Molises hausen mit Großmutter und vier Kindern auf engstem Raum. Auch das treibt den Vater abends aus dem Haus.

    In schnellem Tempo schildert der Pubertierende seine widerstreitenden Gefühle. Er spürt Verzweiflung und Wut über seine Situation, sein Aussehen, das mangelnde Geld, das Verhalten der Erwachsenen. Gleichzeitig empfindet er Empathie, er hat Mitleid mit der aus ihrer Heimat herausgerissenen Großmutter und mit seiner Mutter, die sich im Glauben tröstet. Sogar den Hang des Vaters zu Billard, Frauen und Alkohol versteht er, schließlich wird der es nie schaffen und immer der arme Maurer bleiben. So will Dom nicht enden. Er hat seinen Traum, die Baseballkarriere, zu der ihm der Arm verhelfen wird. Sein „gesegneter, heiliger, (...) von Gott gegebener Arm“ ist seine Hoffnung und Baseball seine Zukunft.

    Dom will raus, raus aus Roper, raus aus der Armut, raus aus diesem Leben. Er hat nichts mehr, was ihn hält, auch nicht Dorothy, Kens attraktive, ältere Schwester, die ihn bis zum Übergriff provoziert. Kens Idee sich als Pitcher bei den Colorado Cubs zu bewerben, scheint perfekt, würden ihm nicht 50 Dollar fehlen.

    Mir gefällt der schnelle Ton und die Sprache, die Fante seinem Helden gibt. Sie spiegeln den jugendlichen Tatendrang seines Erzählers wie dessen Ambivalenz zwischen Geborgenheit und Aufbruch. Seine Gedanken zeigen seine verletzliche Seite. Besonders wenn Fante für sie poetische Metaphern wählt, wie „Ihre verstörte Seele flatterte hinter ihr her wie ein zerschlissener Brautschleier“. Die Zwiegespräche mit dem Arm, dem Alter Ego Doms, zeigen sein Ringen mit sich selbst.

    Neben dem eigenen Stil sind es die unerwarteten Wendungen, die den Roman auszeichnen. Manche gehen bis an die Grenze des Kitschs, doch kurz davor kriegen sie, genauso wie Dom, noch die Kurve.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 30. Jan 2017 

    Eine Entdeckung

    1933 ist das Jahr der großen Depression in den USA. Dominic Molise, 17, spürt die Auswirkungen ganz unmittelbar. Sein Vater ist seit Monaten arbeitslos und verbringt seine ganze Zeit in Billardsalons, die Mutter und Großmutter suchen Trost in endlosen Gebeten und Rosenkranzklappern.
    Dominic ist ein begabter Baseballspieler und sieht sich in seinen Gedanken schon fast an der Seite von Babe Ruth und anderen legendären Größen, die auch aus ärmlichen Verhältnissen kamen. Ein fast inbrünstiges Gefühl hegt er für seinen Wurfarm, DEN ARM, wie er ihn selbst nennt. Er hegt und massiert hin, hört auf jedes Zwicken seines Muskels, Sloan’s Massageöl - verehrt wie katholisches Salböl - hat er stets in Griffnähe. Es ist DER ARM, der es ihm ermöglichen wird, sich und seine Familie aus dem Elend zu ziehen.
    Der kurze Roman ist unterhaltsam, der fröhlich-offene Ton, mit dem Dom von diesem Jahr berichtet, zeigen ihn als etwas naiven, aber immer optimistischen Menschen. Er glaubt an seinen Traum und wenn nicht in Amerika, wo sonst kann man seinen Traum leben. Zwischen Aufbruchsstimmung und Verantwortung für seine Familie steckt er in einem Dilemma, das er mit seines Vaters Hilfe entscheiden kann. Es steckt wahrscheinlich einiges von John Fante in Dominic Molise. Auch er war Sohn italienischer Einwanderer und zog für seinen großen Traum nach Kalifornien, die Anerkennung für sein literarisches Werk erlebte er nicht mehr.
    Der Blumenbar Verlag hat dieses Buch von John Fante für die deutschen Leser wieder entdeckt und in einer neuen Übersetzung von Alex Capus auf den Markt brachte. Ein kenntnisreiches Nachwort des Übersetzers rundet die Neuedition ab.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 29. Jan 2017 

    ein großes Herz und ein größerer Traum

    "Ein Kultautor und sein vergessener Roman"! Das ist John Fante mit seinem Roman 1933 war ein schlimmes Jahr. Sogar das sonst so gespaltene Literarische Quartett war sich im Dezember bei der Bewertung dieses Romanes einig und hat sich zu einer 4:0-Wertung herabgelassen. Zu Recht. Selten hat mich ein Buch so begeistert.

    Schauplatz dieses Romanes ist eine amerikanische Kleinstadt am Fuß der Rocky Mountains in den 30er Jahren. Dominic Molise, 17 Jahre, säbelbeinig, sommersprossig, rothaarig, etwas größer als ein Hobbit, lebt hier mit seiner italienischstämmigen Familie in sehr einfachen Verhältnissen. Das Geld ist immer knapp. Die Zukunftsaussichten sind hundsmiserabel. Dom träumt von einer Baseball-Karriere. Baseball ist sein Lebensinhalt, dafür tut er alles. Er trainiert wie ein Besessener, hätschelt seinen Wurfarm und gibt sich seinen Fantasien hin, eines Tages in der Profiliga mitzuspielen.
    Doch sein Weg ist vorbestimmt. Sein Vater, der die Familie mehr schlecht als recht als Maurer ernährt, erwartet von seinem Sohn, dass dieser in seine Fußstapfen tritt und ihn zukünftig bei dem Unterhalt der Familie unterstützt. Von Dom's Traum möchte er zunächst nichts wissen.

    "Das war's also. Das ganze Buch. Die tragische Geschichte von Dominic Molise, geschrieben von seinem Vater. Teil eins: Nervenkitzel Steineklopfen. Teil zwei: Spiel und Spaß im Sägewerk. Teil drei: Wie man sich vom eigenen Vater das Leben verderben lässt. Teil vier: Hier ruht Dominic Molise, gehorsamer Sohn." (S. 32)

    Dom's Eltern führen eine Ehe, die mehr Schein als Sein ist. Die Mutter gibt sich ihrer Frömmigkeit hin, der Vater flüchtet vor seiner bigotten Frau, indem er viel Zeit mit seiner Geliebten verbringt. Hier bekommt er scheinbar die Geborgenheit und Zuneigung, die ihm seine Frau vorenthält. Dom ist zwiegespalten. Einerseits hat er gelernt, Vater und Mutter zu ehren, und dass die Ehe seiner Eltern eine Verbindung ist, die anhalten sollte, bis dass der Tod sie scheidet. Doch erkennt er auch, dass die beiden ihre Liebe zueinander schon längst verloren haben.

    Dom hat auch genug mit sich selbst zu tun. Als pubertärer 17-Jähriger lebt er in einem ständigen Gefühlschaos. Oftmals spielen seine Hormone verrückt. Insbesondere dann, wenn er in die Nähe des Objektes seiner Begierde kommt: die Schwester seines besten Freundes Ken ist zwar älter als er, lässt aber seine Fantasien zur Höchstform auflaufen. Ken's Familie gehört zur reichen Gesellschaft der Stadt. Trotzdem verbindet die beiden Jungen eine tiefe Freundschaft. Ken teilt Dom's Traum von einer Baseball-Karriere und überredet ihn, zusammen auszureißen und ihr Glück gemeinsam bei einem Profiverein suchen.

    "Mit spätestens 19 werde ich bereit sein für den großen Erfolg, entweder bei den Cubs oder bei den Phillies, das ist mir egal. Schenk mir die Zeit bis dahin und noch zehn Jahre dazu, lieber Gott, ein knappes Dutzend Jährchen insgesamt, mehr brauche ich nicht, dann kannst du mich gerne totschlagen, wenn es dir gefällt; die zwölf Jahre werden genug für jede Menge Baseball sein, zwölf Baseball-Meisterschaften zu je dreißig Partien, das macht dreihundertsechzig Spiele, viele tausend Würfe und reichlich Gelegenheit für Dom Molise, seinen Namen in der Ruhmeshalle der Unsterblichen zu verewigen." (S. 12)

    Der Roman vermittelt von Anfang an eine melancholische Stimmung. Natürlich ist er aus der Sicht von Dom geschrieben. Schon mit den ersten Sätzen hat man ihn in ins Herz geschlossen. Er ist sensibel, kümmert sich um seine Familie, ist sogar bereit, seinen Traum hintenan zu stellen. Das macht aus ihm eine tragische Figur. Denn letztendlich wünscht man ihm, dass es ihm gelingt, seinen Traum zu leben, weiß allerdings auch, dass seine Herkunft der Erfüllung seines Traumes im Wege steht.
    Stellenweise ist der Roman sehr komisch. Insbesondere die Darstellung der pubertären Irrungen und Wirrungen von Dom sind ein echtes Highlight. Sehr lustig ist auch die Beschreibung von Grandma Bettina, die kein Wort Englisch spricht, Englisch nur dann versteht, wenn sie muss und allem Amerikanischen gegenüber misstrauisch ist. Dabei hält sie mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg - auf Italienisch natürlich!

    John Fante war 54 Jahre alt, als er "1933 war ein schlimmes Jahr" geschrieben hat. Er hat in diesen Roman viel von seiner eigenen Geschichte einfließen lassen. Als Kind italienischer Einwanderer ist er selbst in einer Kleinstadt in Colorado aufgewachsen. Das eindrucksvolle Nachwort von Axel Capus, der diesen Roman übersetzt hat, liefert viele Informationen zu John Fante, beschreibt seinen Lebensweg und gibt einen Einblick in das Werk des Autors. John Fante starb 1983. Dieser Roman ist posthum veröffentlicht worden.

    © Renie

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 28. Jan 2017 

    Herzzerbrechend mit aller Komik und allem Schmerz der Jugend

    John Fante ist eine Wiederentdeckung des Blumenbar-Verlags, und ich hatte mich gefragt, warum es gerade jetzt neu erscheint. Vielleicht, weil unsere Zeit so oft mit den Dreißigern verglichen wird? Oder einfach, weil der Autor ein literarisches Juwel ist? Wie auch immer, ich habe jede Seite genossen - in der großartigen Übersetzung von Alex Capus.

    Erzählt ist die Geschichte aus der Perspektive des siebzehnjährigen Dominic Molise - stark autobiografisch - der in einer italienischen Familie in einer Kleinstadt am Fuß der Rocky Mountains lebt und davon träumt, ein großer Baseballstar zu werden.

    Dieser Traum und die Liebe zur Schwester seines Freundes Kenny sind das Wichtigste in seinem Leben, das ansonsten von der Eintönigkeit und Tristesse seiner stark religiösen Familie bestimmt wird. Sein Vater will, dass er mit ins Maurerhandwerk einsteigt, seine Mutter ist die Unzufriedenheit in der Ehe deutlich anzusehen - sie leidet zwar still, aber sichtbar, sicher auch ein religiöses Motiv.

    Dominic vertraut zwar nicht sich selbst, aber seinem linken Arm, den er nur Den Arm nennt, so als sei es Der Herr, also Gott. Kein Wunder, dass Fante seinem Helden den Namen Dominic gibt, bedeutet dieser doch "zum Herrn gehörend".

    Die Geschichte entfaltet sich, eine unerfüllte Liebe bindet Dom noch an die Stadt, und als diese in einer Katastrophe endet, ist er frei, seine Fluchtpläne zu schmieden, um sich bei den Cubs als Nachwuchsspieler zu bewerben.

    Sein Plan soll hier nicht verraten werden, aber so viel: Für Dominic beginnt und endet vieles. Ich fand das Ende großartig! Fante bietet alles auf, was ein Coming-of-Age zu bieten hat: Den rebellischen Jungen, den Familienzusammenhalt und die Familiengeschichte, die Abneigung gegen das simple Leben des Vaters wie auch seine Bewunderung dafür.

    Das Ende kann einem das Herz brechen. Ich war betroffen von der Ausweglosigkeit der eigenen Wunscherfüllung des Helden. Darin steckt der Verrat an der Herkunft und die Liebe der Familie. der Drang, etwas aus sich zu machen, und die Vernunft, zu warten. Selbstvertrauen und Selbstzweifel in einem. In eins gefasst: Zukunft und Vergangenheit. Wow.

    Das Nachwort von Capus fand ich ebenfalls sehr gut, hier scheint dann wieder dessen eigener Stil durch. Und er wählt die richtigen Fakten aus, die das Bild noch komplettieren. Bravo!

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 26. Jan 2017 

    1933 war ein schlimmes Jahr

    Wenn man 1933 liest, dann denkt man automatisch an das Dritte Reich Deutschlands. Nein, hier ist nicht das Dritte Reich Deutschlands gemeint, denn der Roman führt uns nach Amerika, wo zu dieser Zeit auch die Weltwirtschaftskrise grassierte.

    Der Roman behandelt die Geschichte eines 17-jährigen Schülers namens Dominic Molise, dessen Eltern recht einfache Leute sind und die schon in der dritten Generation in Amerika leben. Schon Doms Großeltern wanderten nach Amerika aus. Der Großvater ist mittlerweile verstorben. Seine Großmutter Bettina lebt mit Doms Familie im Haus. Eine recht engstirnige, geizige alte Dame, die nicht viel von Amerika hält, und an ihren Sehnsüchten Italiens hängen geblieben ist. Doms Vater ist selbständiger Maurer und ist von Armut gezeichnet, da er als Maurer nicht wirklich gut verdient, und hoch verschuldet ist. Die Weltwirtschaftskrise erschwert die finanzielle Lage um Weiteres. Der Vater wirkt ein wenig schräg, hält an Idealen fest, mit Dom eine Vater/Sohn-Maurerfirma zu gründen, sobald Dom die Schule hinter sich gebracht hat. Dom möchte aber kein Maurer werden, er träumt stattdessen von einer Karriere als Baseballspieler. Der Vater hält nicht viel von dieser Sportart ... Irgendwie wirkt der Vater recht unsympathisch. Vielleicht auch altmodisch. Außerdem begeht er Seitensprünge, verbringt die meiste freie Zeit im Billardclub, während Doms Mutter wie ein Opfer allein zu Hause sitzt und sich die beste Mühe gibt, ihm noch zu gefallen, da der Vater für sie kaum noch emotionales und sexuelles Interesse zeigt. Dom durchschaut seinen Vater, er weiß um die Seitensprünge …

    Ich fand das erste Kapitel total gut. Der Sarkasmus, die bildhafte Sprache und die Selbstreflexionen fand ich sehr bemerkenswert. Dies hat mich etwas an meine Jugendzeit erinnert. Mit 14 und 17 Jahren hatte auch ich komplett mein anerzogenes religiöses und gesellschaftlichen Weltbild auf den Kopf gestellt.

    Domenic hält Selbstgespräche:

    Zitat:
    "Zerbrich dir nicht den Kopf darüber, wieso es so viel Böses gibt, wo Gott doch so gütig ist, oder wieso unser allwissender Gott die Menschen nach seinem Ebenbild erschafft, um sie doch in die Hölle zu schicken. (...) Dann kannst du dich zurücklehnen und dir den Kopf darüber zerbrechen, wie Gott wohl aussieht und wieso verkrüppelte Babys zur Welt kommen und wer Hunger und Tod geschaffen hat." (2016,10)

    Zu seiner Grübelei hat mir dieses Bild gefallen, als er sich auch über das Sterben und über Tote Gedanken gemacht hat:

    Zitat:
    "Warum wälze ich solche Gedanken und machte die Welt zu einem Friedhof? Fiel ich von meinem Glauben ab? Oder war es, weil ich arm war? Unmöglich. Alle großen Baseballspieler waren Kinder armer Leute gewesen." (11)

    Und auf Seite 19 nimmt er die ganzen Klischees auf die Schippe. Interessant, wenn Menschen fraglos Klischees, die es in einer Gesellschaft gibt, übernehmen und damit sich selbst und andere diskriminieren. Das fand ich ganz klasse. Kennen wir ja auch von uns hier in Deutschland, Vorurteile anderen gegenüber. Für alles gibt es eine Schublade. Die Mutter des Jungen, die nie in Kalabrien und Sizilien gewesen ist, spricht so abfällig über diese Menschen. Da musste ich an Astrid Lindgrens Buch denken, die klischeehaft über Amerika, Italien und Paris geschrieben hat.

    Hierzu Doms Gedanken, der sich ein wenig über diese klischeehafte Denkweise seiner Großmutter und seiner Mutter belustigen tut:

    Zitat:
    "Nach Grandma Bettinas Ansicht waren die Leute aus Potenza gleich nach den Amerikanern die lächerlichsten Leute der Welt. Nicht, dass Grandma jemals selber in Potenza gewesen wäre und den Ort mit eigenen Augen gesehen hätte, aber sie hat ihr ganzes Leben wilde Geschichten über die Potenzesi gehört. Weil die Abbruzzer jemanden brauchten, auf den sie hinabschauen konnten, hatten sie sich auf Potenza geeinigt; genauso, wie die Kalabresen die Sizilianer verachteten und die Neapolitaner alles südlich von Neapel verhöhnten, während die Römer sich erhaben über die Neapolitaner fühlten und die Florentiner über die Römer die Nase rümpften. Für die Abruzzen waren die Leute aus Potenza nationale Witzfiguren, als würden dort nur Zwerge in schiefen Häusern wohnen. Mein Vater grinste jedes Mal herablassend, wenn die Rede auf Potenza kam. Er hatte, Gott stehe ihm bei, versehentlich die Tochter eines Mannes aus Potenza geheiratet, aber er trug es mit Fassung und war guten Willens, ironisch über den Streich zu lächeln, den ihm das Schicksal da gespielt hatte; auch hatte er jederzeit die Größe, seiner Gattin ihre Eltern zu verzeihen (…) Mama hielt ein Ohr an Grandma Bettinas Tür, dann schnalzte sie nachsichtig mit der Zunge - denn die Leute aus Potenza schauten ihrerseits auf die Abbruzzer hinab.
    >>Sie meint es ja gut, das arme alte Ding<<, sagte Mama. >>Sie hat so ein schweres Leben gehabt … Alle diese Leute.<<
    >>Was für Leute?<<
    >>Die aus den Abbruzzen. Kein Wunder, dass sie so grob und schlecht gelaunt sind. Dort gibt es nichts als Felsen und ein paar Ziegen und kein elektrisches Licht. Wie in Kalabrien und Sizilien und all die armen Gegenden.<<
    Meine Mutter war nie dort gewesen. War niemals irgendwo gewesen außer in einem Mietshaus am Rand von Chicago." (19)

    Diese Textstellen fand ich höchst interessant.

    Mein Fazit?

    Es ist mir bekannt, dass Italien ein Land ist, in dem die ItalienerInnen Rassimus gegen die eigenen Landsleute hegen. Ich kenne kein anderes Land mit solch einem Rassismus, wie er in Italien "zelebriert" wird. Aber es stellt sich mir die Frage, wenn schon Doms Mutter Italien noch nie gesehen hat, was ist da schief gelaufen, dass sie die Identität als Italienerin übernommen hat? Kulturunreflektierte Menschen hinterfragen das Welt- und Menschenbild nicht in komplexer Form, sie übernehmen somit die Identität ihrer Eltern, die Identität, die ihnen anerzogen wurde. Dies ist aber bei den meisten Menschen, was die Identitätsentwicklung betrifft, nicht anders …

    Den Schluss, der für Überraschungen sorgt, mit denen man partout nicht gerechnet hat, fand ich genial. Und auch das Nachwort habe ich mit großem Interesse gelesen, weil Alex Copus wichtige Informationen über die Entstehung und weitere Hintergründe dieses Romans gegeben hat.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 25. Jan 2017 

    Schöne Wiederentdeckung...

    Gefangen in einer Kleinstadt am Fuß der Rocky Mountains in den dreißiger Jahren, wünscht sich der 17-jährige Dominic Molise nichts mehr, als ein Baseball-Star zu werden. Die großen Siege, die große Anerkennung, die große Liebe. Aber er kämpft stattdessen mit der italienischen Herkunft seiner Eltern und dem Druck, im Familienbetrieb mitzuarbeiten. Ziegelsteine zu stapeln ist nichts für ihn. Sein Vater hingegen versucht ihn vor dem unausweichlichen Scheitern zu bewahren und zu überzeugen, statt des Baseballschlägers doch lieber eine Maurerkelle in die Hand zu nehmen. Seine Mutter weiß sich nicht besser zu helfen, als zu beten. Aber Dominic hört nicht auf zu träumen.

    Der Amerikaner John Fante, (1909-1983), entstammte einer Familie von italienischen Einwanderern – und vor diesem biografischen Hintergrund spielen auch die meisten seiner Romane. Fante veröffentlichte 1938 seinen ersten Roman, später schrieb er Drehbücher für Hollywood, was ihm zumindest einigen Wohlstand bescherte. Erst nach Fantes Tod wurden dann auch nachgelassene literarische Texte entdeckt und veröffentlicht – und einer dieser Romane, "1933 war ein schlimmes Jahr", ist nun in der Übersetzung des Schriftstellers Alex Capus gerade auf Deutsch erschienen.

    Dieser Roman führt uns, wie der Titel schon verrät, ins Jahr 1933: Amerika leidet unter den Folgen der Weltwirtschaftskrise, worunter auch die Bewohner der Kleinstadt Roper - in Colorado am Fuße der Rocky Mountains - sehr leiden. Dominic Molise ist mit seinen siebzehn Jahren für sein Alter zu klein, hat schiefe Zähne und Beine, und kann sich das selbst gegenüber sehr lakonisch eingestehen. Ein Körperteil allerdings hat dieser junge Mann, in das er alle seine Hoffnungen setzt: sein linker Arm, DER ARM, wie er ihn nennt, mit dem er nämlich auf meisterhafte Art und Weise den Baseball zu schleudern vermag.

    Der Junge aus ärmlichen Verhältnissen träumt vom großen Aufstieg. Als linkshändiger Pitcher will er versuchen, ein Baseball-Star zu werden. Doch dafür muss er Roper und seine italienische Familie verlassen und bei den großen Mannschaften an der Küste vorspielen. Doch sein Vater, manchmal Maurer, manchmal arbeitslos, hat andere Pläne für seinen Sohn. Der soll bodenständig bleiben und sein Schicksal annehmen, das nach Meinung des Vaters darin besteht, dass sein Sohn in seine Fußstapfen tritt.

    Dabei sind die gesamten Umstände so, dass man Dominic nur wünschen kann, dass er den Absprung schafft. Die Familie lebt in überaus ärmlichen Verhältnissen. Trotz seiner momentanen Arbeitslosigkeit versucht der Vater irgendwie, seine Familie zu ernähren und mit Billardspielen Geld zu gewinnen. Dies gelingt mal mehr, mal weniger - und überdies kommt der Vater kaum noch nach Hause. Die Mutter sieht sich als Opfer der Umstände, immer schon hat der Vater sie belogen, und sie spielt ihre Rolle als sich aufopfernde Mutter, wenn sie nicht wieder ins Gebet vertieft ist und um Linderung der miserablen Umstände bittet. Doch gleichzeitig ist sie dem Vater nicht böse:

    "Ich mache deinem Vater längst keine Vorwürfe mehr, ich bin selbst an allem schuld. Wenn du die Lügen eines Mannes hinnimmst, machst du dich mitschuldig. Dann bist du ein Lügner wie er."

    Die Großmutter, die mit in der Familie lebt, hat nie verwunden, dass ihr Mann sie seinerzeit gezwungen hat, die Abruzzen in Italien zu verlassen und in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu ziehen. Sie ist verbittert, hasst alles und jeden und macht den Familienmitgliedern das Leben schwer. Üble Beschimpfungen sind an der Tagesordnung, und sie ist die einzige, die ein Zimmerchen für sich hat. Doch trotz dieser widrigen Umstände, versucht Dominic, seine Träume nicht zu verlieren.

    Er besucht mit seinen fast 18 Jahren die von Nonnen geleitete High School und macht selbst nachts noch seine Hausaufgaben. Er trainiert hart seine Fähigkeiten als Baseballspieler und malt sich immer wieder Szenen seines Ruhmes aus. Sein bester Freund Ken träumt denselben Traum, und trotz ihrer unterschiedlichen Welten - Ken kommt aus einem überaus reichen Elternhaus - scheint ihre Freundschaft nichts trüben zu können.

    Doch nach und nach sickert die Realität in die langgehegten Träume. Trotz des lakonischen, oft zynischen Stils hält die Pubertät Dominic und seinen Freund fest im Griff, und Dominic muss versuchen, den Spagat zwischen seinen Träumen und der Familie, die ihm ebenfalls viel bedeutet, zu beherrschen. Er muss herausfinden, ob seine Träume den harten Tatsachen des Lebens standhalten können, oder ob das Leben ihn nicht doch in eine ganz andere Richtung dirigiert. Ironie und Sarkasmus sind die Mittel, die oft eher traurigen Verhältnisse zu meistern.

    Wer das Nachwort des Übersetzers Alex Capus liest, erfährt eine Überraschung. Dass ein Protagonist einiges vom Autor innehat, ist ja immer wieder mal zu vermuten. Aber diese Anzahl an Übereinstimmungen lässt ja nur den Schluss zu, dass in einer autobiographischen Darstellung lediglich der Name geändert wurde. Den zerrissenen Charakter nimmt man John Fante jedenfalls ab.

    "In allen acht Romanen, die John Fante in einer Zeitspanne von fünfzig Jahren geschrieben hat, ist der Held unverkennbar derselbe (...) der Kerl ist immer derselbe großspurige, großherzige Gernegroß, der seinen Mitmenschen doch mit tiefem Verständnis, großer Zärtlichkeit und intuitiver Weisheit begegnet."

    Insgesamt war die Erzählung angenehm zu lesen, der Schreibstil flüssig und bildhaft, voller Metaphern, die oftmals recht ungewöhnlich sind - und trotz der fehlenden Absätze und der vielen Baseball-Anspielungen, mit denen ich persönlich nichts anfangen konnte, habe ich die Lektüre genossen.

    Ein bewegender und komischer Roman über die Jugend und ihre Auflösung im Erwachsenenleben. Und eine schöne Wiederentdeckung, nachdem John Fante als Schriftsteller in Vergessenheit geraten und dieser Roman in einer Schublade verschwunden war und erst nach Fantes Tod wiederentdeckt wurde.

    © Parden

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 24. Jan 2017 

    Der Traum, ein Baseballstar zu werden

    Inhalt
    Dominic Molise ist 17 Jahre alt, wohnt in Roper in Colorado, am Fuß der Rocky Mountains und ist der Sohn eines im Winter arbeitslosen Maurers, dessen Eltern aus Italien nach Amerika ausgewandert sind, weil sie sich dort ein besseres Leben erhofft haben. Sein Vater spielt Billard, um die 6-köpfige Familie über Wasser zu halten, seine Mutter betet Tag und Nacht und seine Großmutter weigert sich, die englische Sprache zu lernen und bedauert Italien verlassen zu haben.
    Doch Dominic hat einen Traum: Er möchte Baseballstar werden, da sein "Arm, mein gesegneter, heiliger, mir von Gott gegebener Arm" (S.7) verdammt gut werfen kann.

    Der Roman beginnt mit einer kritischen Selbstreflexion Dominics, einem inneren Monolog:

    "Ich hatte Säbelbeine und drehte die Füße beim Gehen nach innen. Meine Ohren standen ab wie die von Pinocchio, meine Zähne waren schif, und mein Gesicht gesprenkelt wie ein Vogelei." (S.5)

    Er stellt Fragen an Gott, warum er geboren sei? Was das alles soll? Er beginnt zu zweifeln, um dann festzustellen, dass er geboren sei, um ein linkshändiger Pitcher zu sein und Glaubensfragen auf später verschoben werden müssten.

    "Ich beschleunigte meine Schritte, um vor meinen Gedanken zu fliehen, aber sie blieben mir auf den Fersen. Ich fing an zu rennen, so dass meine gefrorenen Schuhe quiekten wie Mäuse. Es halft nichts, die Gedanken verfolgten mich weiter. Aber dann übernahm, während ich so dahinlief, mein Arm, mein wunderbarer Arm die Kontrolle über die Situation..." (S.11).

    Trotzdem denkt er an seinen möglichen Tod und voller Selbstzweifel bleibt sein einziger Wunsch, Zeit genug zu haben, ein Baseballstar zu sein.
    Allerdings ist es ein weiter Weg dorthin. Er lebt in ärmlichen Verhältnissen, seine Grandma stellt ihm nachts, während er seine Hausaufgaben für seine katholische Highschool macht, kurzerhand das Licht aus. Sie ist eine unzufriedene Frau, die keinen Frieden in diesem für sie fremden Land findet.

    "Grandma feuerte ihre Verwünschungen wie Schrot ab. Ich war ein Schakal, eine Ratte, eine Schlange, ein Monster, das aus dem Bauch meiner Mutter gekrochen war. (...) Ich kannte ihre Qualen, und sie tat mir leid. Sie war allein, entwurzelt in einem fremden Land. Sie hatte nicht nach Amerkika kommen wollen, mein Großvater hatte sie gezwungen. Auch in den Abbruzzen waren sie arm gewesen, aber es war eine süßerer Armut gewesen;" (S.17)

    Seine Mutter - vor der Zeit gealtert - grämt sich, dass sein Vater sich in einer zwielichtigen Bar herumtreibt und mit Lippenstift im Gesicht nach Hause kommt, trotzdem nimmt sie ihr Schicksal an:

    "Ich mache deinem Vater längst keine Vorwürfe mehr, ich bin selbst an allem schuld. Wenn du die Lügen eines Mannes hinnimmst, machst du dich mitschuldig. Dann bist du ein Lügner wie er." (S.73)

    Für Dominic hat der Vater bereits eigenen Pläne:

    "Er versuchte seit Jahren, mich fürs Maurerhandwerk zu gewinnen." (S.28)

    Außerdem hat die Familie überall Schulden, der Vater setzt auf Dominics Arbeitskraft, so dass dieser vor einem Dilemma steht, da sein Herz für den Baseball schlägt.

    "Wir waren alle Träumer, ein Haus voller Träumer. Grandma träumte von ihrer Heimat in den fernen Abruzzen. Mein Vater träumte davon, schuldenfrei mit seinem Sohn ein Maurergeschäft zu betreiben. Meine Mutter träumte von ihrer himmlischen Belohnung in Gestalt eines frohgemuten Ehemanns, der nicht davonlief.(...) Ich schloss meine Augen und lauschte den Traumen, die durchs Haus summten." (S.37)

    Fante weiß, wie es im Nachwort von Alex Capus heißt, wovon er schreibt. Er selbst ist ähnlichen Verhältnissen wie sein Held aufgewachsen.

    "Der Kosmos, in dem sie (seine Romane) sich bewegen, bleibt immer scharf umrissen und eng begrenzt. Im Zentrum stehen stets ein dominanter Vater, der freiheitsdurstige Sohn und der Heilige Geist in Gestalt der römisch-katholischen Kirche. Es geht um das Unterlegenheitsgefühl des italienischen Einwanderers..." (S.137)

    Auch Dominic muss schmerzhaft erfahren, dass er von der betuchten Gesellschaft ausgeschlossen wird. Sein bester Freund Ken kommt aus einer reichen Familie, sein Vater ist Inhaber einer Eisenwarenhandlung , lehnt wie seine Frau jedoch den Freund seines Sohnes ab. Auch Kens blonde, schöne Schwester Dorothy bleibt ein unerreichbarer Traum - ein Annäherungsversuch scheitert kläglich.
    Selbst Ken nennt ihn manchmal "Spaghetti", wogegen sich Dominic vehement wehrt und dieser sich entschuldigt. Nichtsdestotrotz bleibt eben jenes Unterlegenheitsgefühl gegenüber dem gesellschaftlich und finanziell besser gestelltem Freund zurück.

    "Wie ein Geist schlich ich im Schneegestöber nach Hause, den Kopf gesenkt und den Blick niedergeschlagen, meine Schuld und Wertlosigkeit tief in mir verschlossen." (S.67)

    Dominic will diesem Gefühl entfliehen, will nach Californien zu den Chicago Cubs, um dort "vorzuspielen". Er bemüht sich seinen Vater davon zu überzeugen, ihm das nötige Geld und die Erlaubnis zu geben und lässt er sich fast zu einer Verzweiflungstat hinreißen...

    Bewertung
    John Fante gelingt es die Selbstzweifel, Gedankenspiele und Träume des pubertierenden Heranwachsenden greifbar zu machen - auch wenn man selbst mit Baseball und den vielen Namen der Spieler nichts anfangen kann. Der Wunsch aus dem finanziellen Elend, der familiären Enge zu entkommen und gleichzeitig das Bedürfnis, die Familie nicht zu enttäuschen, ihnen etwas zurückgeben zu wollen glaubt man diesem Jungen, der so viel Freiheitsdrang in sich spürt, so viel Leidenschaft hat, aber auch Zweifel, ob er seinen Traum wird leben können. Die Frage muss man sich selbst beantworten, denn das Ende bleibt offen...
    Der Roman zeigt aber auch das Dilemma der italienischen Einwanderer Fremde im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu bleiben, wie Dominics Mutter:

    "Sie war in Chicago geboren, aber italienischer Herkunft und eigentlich eine Bäuerin wie Grandma Bettina. Auch sie trug das Mal von Einsamkeit und und unaussprechlicher Fremdheit auf der Stirn. Sie war keine echte Italienerin, aber noch viel weniger Amerikanerin, zutiefst verunsichert und überall fehl am Platz." (S.18)

    Selbst Dominic, der in Amerika geboren ist, haftet das Klischee des "Spaghetti" an. Auch die Italiener untereinander sind von ihren gegenseitigen Vorurteilen geprägt.

    "Nach Grandma Bettinas Ansicht waren die Leute aus Potenza gleich nach den Amerikanern die lächerlichsten Leute der Welt. Nicht, dass Grandma jemals selber in Potenza gewesen wäre und den Ort mit eigenen Augen gesehen hätte, aber sie hatte ihr ganzes Leben wilde Geschichte über die Potenzesi gehört." (S.18)

    Neben den Einblicken in die Gedanken des jungen Dominic mit seinen Träumen überzeugt der Roman durch seine sensible, aber auch kraftvolle Sprache mit teilweise sehr ungewöhnlichen Vergleichen.
    So bemerkt Dominic, als Dorothy auf einer Leiter über ihm steht, um ihm etwas vom Regal des Eisenwarenladens ihres Vaters zu holen, dass sie keine Unterwäsche trägt.

    "Ihr Hintern glich zwei runden, goldenen Brotlaiben, dazwischen befand sich eine atemberaubende Spalte mit einem Haarbüschel wie Messingspäne. Mein ganzes Leben lang hatte ich über die deprimierende Reizlosigkeit dieses Ortes nachgedacht. Ich hatte ihn unter den Röcken meiner Mutter und meiner Tanten gesehen, bestürzend unschön wie ein Mäusenest, trostlos graubraun wie der Inhalt eines Staubsaugerbeutels, ebenso unanständig wie unumgänglich, eine herbe Herausforderung, der sich jeder Mann früher oder später stellen musste." (S.50)

    Das sind wirklich seltsame Vergleiche ;)

    Ein aufrichtiger, leidenschaftlicher Roman -wie Alex Capus im Nachwort feststellt - mit einem großspurigen, aber herzlichen und verständnisvollen Helden, der fest in seinem Kosmos verankert ist und dem man wünscht, dass seine Träume in Erfüllung gehen.