1794: Roman

Buchseite und Rezensionen zu '1794: Roman' von Niklas Natt och Dag
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Nach den Ereignissen des letzten Jahres fällt Jean Michael Cardell in ein tiefes Loch. Die Ermittlungen im Fall der verstümmelten Leiche gaben seinem Leben einen Sinn. Nun ist er wieder da, wo er vorher war. Bis zu dem Tag, als ihn eine Frau kontaktiert: Ihre Tochter wurde in der Hochzeitsnacht auf grausamste Weise zugerichtet und getötet. Als Täter wird deren frisch angetrauter adeliger Ehemann identifiziert und in die Irrenanstalt eingewiesen. Die Mutter der Getöteten glaubt diese Version jedoch nicht und sucht Hilfe bei Cardell. Seine Nachforschungen führen diesen erneut in die Abgründe Stockholms, und er muss feststellen, dass die Stadt verruchter und gefährlicher ist als je zuvor.


Format:Broschiert
Seiten:560
EAN:9783492061940

Rezensionen zu "1794: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 13. Jan 2020 

    Der Mensch ist des Menschen schlimmster Feind

    Wer ,,1793“ gelesen hat, weiß, was ihn erwartet. Mit dem Roman ,,1794“ führt der Autor Niklas Natt och Dag den Leser erneut nach Stockholm am Ende des 18. Jahrhunderts und bietet wieder ein spannendes, vielseitiges, teils aber auch sehr brutales Leseerlebnis.
    Nach Cecil Winges Tod und den gemeinsamen Ermittlungen ist der Kriegsveteranen Jean Michael Cardell wieder auf sich allein gestellt. Außer Kneipen, Alkohol und Schlägereien gibt es nicht viel Abwechslung in seinem Leben. Da sucht ihn eine Frau auf und bittet ihn um Hilfe, den mysteriösen Tod ihrer Tochter aufzuklären. Diese wurde in der Hochzeitsnacht grausam ermordet, der frisch angetraute Ehemann wurde als Mörder identifiziert und ins Irrenhaus eingewiesen. Allerdings zweifelt die Mutter der Ermordeten an dieser Version. Cardell findet Unterstützung in Cecil Winges jüngeren Bruder Emil. Dieser ist allerdings nervlich angeschlagen, hat immer wieder Visionen und Cardell, selbst ja kein Kind von Traurigkeit, muss ihn zunächst vom Alkohol wegbringen.
    Im ersten Teil begleitet man den jungen Adligen Erik Drei Rosen, der von seinem strengen Vater auf die Karibik-Insel Saint-Barthélemy geschickt wird. In der damaligen schwedischen Kolonie blüht der Sklavenhandel und Erik lernt nicht nur menschliche Abgründe, sondern auch den undurchsichtigen Geschäftsmann Tycho Ceton kennen, der den naiven jungen Mann unter seine Fittiche nimmt.
    Wie schon in ,,1793“ wirken die vier Teile des Romans, die nach den vier Jahreszeiten benannt sind, zunächst eigenständig. Erst nach und nach erschließt sich der Gesamtzusammenhang zu einer gut konstruierten und schlüssigen Geschichte.
    Allerdings kommt man als Leser gelegentlich auch an die Grenze des Ertragbaren. Niklas Natt och Dag äußerst anschaulicher und schonungsloser Stil vermittelt das Geschehen hautnah, seien es die Gerüche und Geräusche der Stadt, Landschaftsschilderungen oder die Beschreibung der Zustände im Tollhaus. Allerdings macht der Autor auch nicht Halt vor grausamen und brutalen Szenen, z.B. wie Sklaven behandelt und bestraft werden.

    ,,1794“ ist ein absolut lesenswerter historischer Kriminalroman, allerdings nichts für zart besaitete Leser.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 11. Jan 2020 

    Düsteres Stockholm

    Das Jahr 1793 hat Stadthäscher Mickel Cardell übel mitgespielt und er fällt in ein tiefes Loch. Da wendet sich eine verzweifelte Mutter an ihn, deren Tochter in der Hochzeitsnacht brutal getötet wurde. Niemand will der Frau helfen, zumal der Bräutigam ein Sohn aus adeligem Hause und sein Vormund ein einflussreicher Mann ist. Ungerechtigkeit ist jedoch etwas, das ein Mann wie Cardell nicht hinnehmen kann und so macht er sich mit Cecils Bruder Emil Winge an die Ermittlungen in den sündigen, dreckigen Straßen von Stockholm.

    Wie auch bereits der erste Band wird "1794" durch vier Jahreszeiten hindurch und aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Neben dem jungen Adeligen Erik Drei Rosen kommen auch Cardell, Winge und erfreulicherweise Anna Stina zu Wort. Doch auch in diesem Jahr meint das Schicksal es mit keinem von ihnen gut. Erik gerät an den undurchsichtigen Tycho Ceton, Cardell und Winge haben mit dem Verlust eines Freundes und Bruders zu kämpfen und Anna Stina muss den Platz im Stockholmer Stadtleben wieder räumen, den sie sich so hart erarbeitet hat. Verbunden werden alle vier Handlungsstränge durch die Ermordung von Eriks Braut Linnea Charlotta und seine anschließende Einweisung ins Tollhaus.

    Es ist ein düsteres, aber vermutlich wahres Bild, das Niklas Natt och Dag in diesem Band zeichnet. Der Zustand der Straßen Stockholms, all der Dreck und die Verkommenheit lassen sich auf den Charakter der Menschen, die in ihr leben übertragen. Neid, Intrigen, Brutalität und Hass bestimmen die Handlung und je weiter diese fortschreitet, umso mehr menschliche Abgründe tun sich auf. Stellenweise ist das Beschriebene beinahe unerträglich, so drastisch ist das Verbrechen an Linnea Charlotta oder das Schicksal der sowieso schon gebeutelten Anna Stina. Es ist klar, was der Autor mit seinen düsteren Schilderungen und sprachlich brutalen Details darstellen will - man fragt sich jedoch, ob so viel Gewalt notwendig ist oder es sich doch eher um Effekthascherei handelt.

    Fazit: Ein gewohnt spannender, gut geschriebener Roman mit etwas zu viel Brutalität