1793: Roman

Rezensionen zu "1793: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 24. Jun 2019 

    Der Mensch ist dem Menschen sein Wolf

    Am Anfang kann ich nur sagen für dieses Debut kann man dem Autor nur gratulieren. Spannend, atmosphärisch, düster, dunkel, roh, brutal, gesellschaftskritisch, dies könnte das Buch beschreiben, hinzu kommen äußerst interessante Charakterdarstellungen und vor allem eine authentische Geschichte. Nun wird dieses Buch nicht jedem gefallen. Es ist in meinen Augen nicht nur Krimi, sondern auch eine Gesellschaftsstudie und dabei äußerst kritisch, es beschreibt den Menschen in einer anderen Zeit, einer dunklen Zeit, in der man wehrhaft sein sollte, um zu bestehen, in einer Zeit, in der soziales Denken nicht ausgeprägt/im großen Sinne nicht vorhanden war. Diese Geschichte ist mit einer heftigen Brutalität durchsetzt, die abstößt und entsetzt, aber leider einer Authentizität nicht entbehrt. Solch ein Inhalt wird nicht jedem gefallen, bei mir hat er allerdings eingeschlagen wie eine Bombe. Und ich kann nur sagen, ich bin begeistert und warte gespannt auf weitere geistige Ergüsse des Autors.

    Zum Inhalt: Stockholm im Herbst des Jahres 1793, eine Leiche wird im Fatburen gefunden, einem See in Stockholm. Die beiden wunderbar gezeichneten Charaktere des Jean Michael Cardell und des Cecil Winge nehmen die Ermittlungen auf. Dem versehrten Kriegsveteranen des Schweden-Russland-Krieges, Jean Michael Cardell und dem schwer an Tuberkulose erkrankten Juristen Cecil Winge wird schnell klar, dass der Tote schwersten und äußerst entsetzlichen Quälereien ausgesetzt war. Beide wollen wissen wer den Toten diesen Torturen ausgesetzt hat und warum. In den vier Teilen des Buches, die nach den vier verschiedenen Jahreszeiten des Jahres 1793 benannt sind und auch da handeln, werden teilweise recht unterschiedliche und spannende Geschichten erzählt, die nach und nach stimmig werden, ein Bild ergeben und den Lesenden in eine andere Zeit entführen und die reale Zeit vergessen lassen.

    Und ich kann wieder einmal nur sagen: Unbedingt Lesen!!!

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 31. Mär 2019 

    Nichts für Sensible

    Auch wenn 1793 in meinen Augen mehr historischer Roman als Krimi ist, kann das Werk mit fast 500 Seiten restlos überzeugen. Der Autor Niklas Natt och Dag führt den Leser nach Stockholm am Ende des 18. Jahrhunderts und wartet mit einer spannenden und vielseitigen Geschichte auf.
    Bemerkenswert ist schon allein die Struktur des Romans. Das Geschehen beginnt im Herbst 1793. Ein bis zur völligen Unkenntlichkeit verstümmelter Mensch treibt in der Stadtkloake. Dem Kriegsveteranen Jean Michael Cardell, der das Bündel aus der Kloake gezogen hat, lässt der Fund keine Ruhe. Als er erfährt, dass Cecil Winge, bei der Stockholmer Polizei für besondere Verbrechen zuständig, Ermittlungen aufnimmt, schließt er sich ihm an. Cecil Winge, an Tuberkulose erkrankt und vermutlich mit seinem allerletzten Fall beauftragt, treibt die Suche nach Gerechtigkeit an. Für Cardell sind die Ermittlungen ein Ausweg aus seiner sinnlosen Existenz. Der zweite und der dritte Teil des Buches schildert die vorausgehenden Ereignisse im Sommer und Frühling des Jahres 1793. So werden für den Leser allmählich die Zusammenhänge erkennbar und die Spannung sozusagen in chronologisch umgekehrter Reihenfolge aufgebaut. Im vierten Teil werden dann alle Fäden zu einem schlüssigen und überzeugenden Ganzen zusammengeführt.
    Äußerst anschaulich schildert der Autor die Schauplätze und die Atmosphäre. Als Leser meint man, das Geschehen hautnah und unmittelbar mitzuerleben. Dies führt aber auch dazu, dass manche Szenen schwer zu ertragen sind. Die Darstellung des Elends, der Armut, der hygienischen Zustände, die teils himmelschreiende Ungerechtigkeit und die sehr düstere Stimmung schlagen einem bisweilen ziemlich aufs Gemüt. Dennoch will man unbedingt wissen, was Cecil Winge und sein ,,Assistent“ fürs Grobe herausfinden.
    ,,1793“ ist ein absolut empfehlenswerter historischer Kriminalroman, allerdings nichts für allzu sensible Leser.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 17. Mär 2019 

    Beeindruckendes historisches Sittenbild. Kriminell gut!

    Es ist Herbst in Stockholm, im Jahre 1793. Im Abwasser werden menschliche Überreste gefunden, grausam entstellt. Es sind zwei Männer, die sich berufen fühlen, diesen grausamen Mord aufzuklären. Sie können unterschiedlicher nicht sein. Der Kriegsveteran Mickel, ungeschlacht, vierschrötig, ein Häscher, Stadktnecht, Säufer. Trotz amputiertem Arm geht er keiner Prügelei aus dem Weg. Gleichwohl trägt er sein Herz am rechten Fleck. Auch Cecil Winge strebt vor allem nach einem, Gerechtigkeit. Der sterbenskranke Jurist will jeden Delinquenten bis zum Schluss anhören. Die Zeit läuft ihm davon, nicht nur seine Lebenszeit ist knapp bemessen, auch politische Veränderungen zwingen ihn zu handeln.

    1793, das Meisterwerk von Niklas Natt och Dag, legt eine unglaublich hohe Latte an das Genre historischer Kriminalroman. Nicht nur die zeitliche Perspektive, wir bewegen uns zunächst in den Jahreszeiten rückwärts, ist ganz besonders. Die Atmosphäre in der Stadt wirkt, man gerät wie in einen Rausch, nicht nur weil dieses Buch so Alkohol geschwängert ist. Es wird gesoffen, gehurt, geschlagen, gemordet. Die Geschichte (nicht das Buch) ist widerwärtig, abstoßend, und zugleich faszinierend. Nass, schmutzig, schwärend, düster, brutal und hässlich. Kaum ein negatives Gefühl wird nicht angesprochen. Stockholm ist ein unerträglicher Sumpf voller Niedertracht, Habgier, obsessiver Lust und Verzweiflung.

    „So ist wohl die Welt – jede Menge Finsternis und nur wenig Licht“

    Es ist ein eindrucksvolles Sittengemälde, hervorragend recherchiert, Krieg, politische Ränke Korruption, die weitreichenden Auswirkungen der französischen Revolution, Bigotterie fordern ihre Tribute. Beeindruckend!

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Mär 2019 

    Frühling, Sommer, Herbst und Winter

    Das Cover dieses historischen Kriminalromans zeigt bereits das Jahr, in welches uns Niklas Natt och Dag uns entfüht: 1793. Innerhalb der großen Ziffern sieht man das eingeprägte Stadtbild Stockholms und bei genauerer Betrachtung auch gleich, dass es ein historisches Holland zeigt. Durch das überwiegende Farbschema von schwarz und gold fallen einem sofort die roten Blutspritzer auf, welche mitten auf dem Cover pranken.

    Inhalt:

    Im Jahre 1793 wird in Stockholm im städtischen See Fatburen eine schlimm zugerichtete Leiche gefunden. Dem Mann wurden Augen, Zähne, Nägel und Extremitäten mit einer erstaunlich fachmännisch wirkenden Präzision entfernt. Der Kriegsveteran “Mickel” Cardell und der an Tuberkulose erkrankte Jurist Cecil Winge begeben sich auf die Suche nach dem Mörder- und der Identität des Opfers. Da Winge sich im Endstadium seiner Krankheit befindet, scheint es, als wüsste er selbst am besten, dass er nicht mehr viel zu verlieren hat und stürzt sich somit voller Eifer in die Ermittlungen. Mit viel Druck durch verschiedene äußere Einflüsse dringt das Ermittlerduo ein in das historische Stockholm. Eine Gegend voller Krankheit, Armut und Tod auf der einen Seite, voller Gassen, Hurenhäuser und reges Treiben auf der anderen Seite.
    Anders als bei den meisten anderen Kriminalromanen teilt der Autor dieses in vier Teile: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Während bei den ersten beiden das Ermittlerteam begleitet wird, werden im Sommer eine Reihe von Briefen gezeigt, welcher ein Mann an seine Schwester schrieb. Im Herbst wird die Geschichte von Anna Stina erzählt, welche mit weiteren Frauen eingesperrt wurde. Trotz der Gewalt und der Angst empfindet sie ein starkes Gefühl nach Aufbruch und Ausbruch.
    Scheint es so, als würden diese verschiedenen Handlungsstränge nicht miteinander zusammenhängen, so schafft Natt och Dag es doch, sie zu einem wahren Meisterwerk zu verknüpfen.

    Meine Meinung:

    Dieser historische Kriminalroman ist auf so vielen Ebenen nicht zu übertreffen an Spannung und Finesse.
    Zuerst einmal lobend anzusprechen ist die Darstellung Stockholms im Jahre 1793. Er schafft es einen nicht nur an einen anderen Ort, sondern auch in eine so andere Zeit mitzunehmen. Die beschriebene Atmosphäre hat mich gefesselt, mindestens genauso sehr wie die Geschichte an sich. Die Idee der vier Jahreszeiten, um so klar abgegrenzte Handlungsverläue zu beschreiben ist hervorragend. Nicht zuletzt finde ich die Darstellung der Protagonisten mehr als gelungen. Weg von dem typischen Ideal der sportlichen und starken Ermittler zu gehen und beinahe Aussätzige der damaligen Gesellschaft zu wählen, hat einen kaum zu erklärenden Reiz mit sich gebracht.

    Zusammenfassend kann ich nicht viel sagen: Dies war das erste Buch dieses Autors welches ich gelesen habe- und es wird definitiv nicht mein Letztes sein. Ein absolutes Lesevergnügen!