1793: Roman

Rezensionen zu "1793: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 17. Mär 2019 

    Beeindruckendes historisches Sittenbild. Kriminell gut!

    Es ist Herbst in Stockholm, im Jahre 1793. Im Abwasser werden menschliche Überreste gefunden, grausam entstellt. Es sind zwei Männer, die sich berufen fühlen, diesen grausamen Mord aufzuklären. Sie können unterschiedlicher nicht sein. Der Kriegsveteran Mickel, ungeschlacht, vierschrötig, ein Häscher, Stadktnecht, Säufer. Trotz amputiertem Arm geht er keiner Prügelei aus dem Weg. Gleichwohl trägt er sein Herz am rechten Fleck. Auch Cecil Winge strebt vor allem nach einem, Gerechtigkeit. Der sterbenskranke Jurist will jeden Delinquenten bis zum Schluss anhören. Die Zeit läuft ihm davon, nicht nur seine Lebenszeit ist knapp bemessen, auch politische Veränderungen zwingen ihn zu handeln.

    1793, das Meisterwerk von Niklas Natt och Dag, legt eine unglaublich hohe Latte an das Genre historischer Kriminalroman. Nicht nur die zeitliche Perspektive, wir bewegen uns zunächst in den Jahreszeiten rückwärts, ist ganz besonders. Die Atmosphäre in der Stadt wirkt, man gerät wie in einen Rausch, nicht nur weil dieses Buch so Alkohol geschwängert ist. Es wird gesoffen, gehurt, geschlagen, gemordet. Die Geschichte (nicht das Buch) ist widerwärtig, abstoßend, und zugleich faszinierend. Nass, schmutzig, schwärend, düster, brutal und hässlich. Kaum ein negatives Gefühl wird nicht angesprochen. Stockholm ist ein unerträglicher Sumpf voller Niedertracht, Habgier, obsessiver Lust und Verzweiflung.

    „So ist wohl die Welt – jede Menge Finsternis und nur wenig Licht“

    Es ist ein eindrucksvolles Sittengemälde, hervorragend recherchiert, Krieg, politische Ränke Korruption, die weitreichenden Auswirkungen der französischen Revolution, Bigotterie fordern ihre Tribute. Beeindruckend!

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Mär 2019 

    Frühling, Sommer, Herbst und Winter

    Das Cover dieses historischen Kriminalromans zeigt bereits das Jahr, in welches uns Niklas Natt och Dag uns entfüht: 1793. Innerhalb der großen Ziffern sieht man das eingeprägte Stadtbild Stockholms und bei genauerer Betrachtung auch gleich, dass es ein historisches Holland zeigt. Durch das überwiegende Farbschema von schwarz und gold fallen einem sofort die roten Blutspritzer auf, welche mitten auf dem Cover pranken.

    Inhalt:

    Im Jahre 1793 wird in Stockholm im städtischen See Fatburen eine schlimm zugerichtete Leiche gefunden. Dem Mann wurden Augen, Zähne, Nägel und Extremitäten mit einer erstaunlich fachmännisch wirkenden Präzision entfernt. Der Kriegsveteran “Mickel” Cardell und der an Tuberkulose erkrankte Jurist Cecil Winge begeben sich auf die Suche nach dem Mörder- und der Identität des Opfers. Da Winge sich im Endstadium seiner Krankheit befindet, scheint es, als wüsste er selbst am besten, dass er nicht mehr viel zu verlieren hat und stürzt sich somit voller Eifer in die Ermittlungen. Mit viel Druck durch verschiedene äußere Einflüsse dringt das Ermittlerduo ein in das historische Stockholm. Eine Gegend voller Krankheit, Armut und Tod auf der einen Seite, voller Gassen, Hurenhäuser und reges Treiben auf der anderen Seite.
    Anders als bei den meisten anderen Kriminalromanen teilt der Autor dieses in vier Teile: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Während bei den ersten beiden das Ermittlerteam begleitet wird, werden im Sommer eine Reihe von Briefen gezeigt, welcher ein Mann an seine Schwester schrieb. Im Herbst wird die Geschichte von Anna Stina erzählt, welche mit weiteren Frauen eingesperrt wurde. Trotz der Gewalt und der Angst empfindet sie ein starkes Gefühl nach Aufbruch und Ausbruch.
    Scheint es so, als würden diese verschiedenen Handlungsstränge nicht miteinander zusammenhängen, so schafft Natt och Dag es doch, sie zu einem wahren Meisterwerk zu verknüpfen.

    Meine Meinung:

    Dieser historische Kriminalroman ist auf so vielen Ebenen nicht zu übertreffen an Spannung und Finesse.
    Zuerst einmal lobend anzusprechen ist die Darstellung Stockholms im Jahre 1793. Er schafft es einen nicht nur an einen anderen Ort, sondern auch in eine so andere Zeit mitzunehmen. Die beschriebene Atmosphäre hat mich gefesselt, mindestens genauso sehr wie die Geschichte an sich. Die Idee der vier Jahreszeiten, um so klar abgegrenzte Handlungsverläue zu beschreiben ist hervorragend. Nicht zuletzt finde ich die Darstellung der Protagonisten mehr als gelungen. Weg von dem typischen Ideal der sportlichen und starken Ermittler zu gehen und beinahe Aussätzige der damaligen Gesellschaft zu wählen, hat einen kaum zu erklärenden Reiz mit sich gebracht.

    Zusammenfassend kann ich nicht viel sagen: Dies war das erste Buch dieses Autors welches ich gelesen habe- und es wird definitiv nicht mein Letztes sein. Ein absolutes Lesevergnügen!